"Faust" in der Uni

Aljoscha Harmsen

Im Theatersaal des Rektorats wurde am Freitag Goethes "Faust" gespielt, ganz klassisch von Freiburger Studenten der "Studiobühne". Was die Laienschauspieler mit wenigen Hilfsmitteln inszeniert haben, war nicht immer über jeden Zweifel erhaben. Aber je länger sie auf der Bühne standen, desto besser wurden sie.



Claus Thomas, emeritierter Professor der Uni Freiburg und Verantwortlicher für die Inszenierung, hat sich eines nicht nehmen lassen: Er selbst spricht zu Anfang der Tragödie die Zueignung. Dabei sitzt er mit dem Rücken zum Publikum in der ersten Reihe. In seinen Worten schwingt Wehmut. Man merkt, dass der Faust ihm sehr am Herzen liegt, genauso wie die Studenten, mit denen er das Stück ein Jahr lang vorbereitet hat.


Im Gegensatz zum Rest der Darbietung überzeugt der Prolog im Himmel noch nicht besonders. Zu aufgesagt wirkt der Text der drei Engel. In der nächsten Szene wirkt Mephistopheles-Darsteller Max Hoffmann im Gespräch mit Gott mehr wie ein Irrer, als wie ein selbstherrlicher gefallener Engel. Die meiste Zeit krabbelt er etwas unwürdig auf dem Boden herum und spricht mit einem erst einmal gewöhnungsbedürftig starken Pathos.



Im Laufe des Stücks, wenn man sich der pathetischen Interpretation der Figur Mephistopheles öffnet, wird Hoffmann aber immer besser. Besonders, wenn er zusammen mit Faust-Darsteller Michael Regelmann auftritt. Die beiden werden im Zusammenspiel besonders gut. Regelmann überzeugt von Anfang an. Sowohl den alten, als auch den jungen Faust mimt er sehr glaubwürdig. Seine genau akzentuierte, maßvoll pathetische Stimme passt gut zur Figur.

Gretchen-Darstellerin Lisa Würmell scheint ihre Rolle ebenfalls auf den Leib geschneidert zu sein. Unschuld und schließlich Reue stellt sie so überzeugend dar, dass sie zeitweise gänzlich mit der Gretchenfigur zu verschmelzen scheint.



Originell war die Verkleidung Mephistopheles’ als Pudel, nämlich ein schwarzes Laken mit einer Art Bärenkopf vorne dran. Damit hatten die Studenten schon die ersten Lacher auf ihrer Seite. Insgesamt haben es Maske, Kostüm- und Bühnenbildnerei geschafft, mit wenigen Hilfsmitteln und Kostümen eine sehr harmonische Illusion zu erzeugen und den eigentlichen, klassischen Rahmen der Fausthandlung überzeugend darzustellen.



Was den Zuschauer irritierte, war, dass nach der Pause der Vorhang nicht mehr geschlossen wurde. Ob aus Absicht oder aus Not wusste man nicht, jedenfalls blieb er bis drei Szenen vor Schluss unverschlossen, sodass auf offener Bühne umgebaut wurde.
Auch gab es bei der Rollenbesetzung einen deutlichen Frauenüberschuss. Dass Figuren wie Wagner und der Schüler von Frauen gespielt wurden, verwunderte anfangs den ein oder anderen Zuschauer.



Das trübt aber keineswegs das gelungene Gesamtkunstwerk, das die Laienspieler in den drei Stunden der Aufführung geschaffen haben.
Wo der Zuschauer am Anfang den Eindruck gewann, dass sich die Studenten erst einmal warmspielen müssen, glänzten sie später nicht nur mit einem starken Schluss, sondern auch mit gut gelungenen Pointen und Textsicherheit.

Leider war diese klassiche Darbietung vorerst die letzte Faust-Aufführung der Studiobühne.