Fatcat: Ihre Währung ist der Funk

Larissa Rausch, Kerstin Acker & Emmanuelle Francois

Musikstudium fertig - und dann? Eine Funkband gründen! Fatcat aus Freiburg wollen groß rauskommen. Vom ersten Konzert, lauwarmen Bier und reichen Golfern:



An einem Donnerstag im Mai ist Schmitz Katze zum Bersten voll. Es fühlt sich an wie in einer Sauna - obwohl das Konzert von Fatcat seinen Höhepunkt noch gar nicht erreicht hat. Die Menge hüpft, singt lauthals mit und trinkt lauwarmes Bier - so schnell wie es geleert wurde, konnte der Kühlschrank nicht wieder aufgefüllt werden. Aber das scheint hier niemanden zu stören.

Das Konzert in Schmitz Katze ist die Release-Party der ersten EP der Band aus Freiburg.  „Das Konzert war ganz schön ruppig, es war eine rohe Party“, sagt Jakob, Gitarrist der Band, danach. „Die Leute waren lauter als die Musik, da war ich fast nicht drauf vorbereitet. Es war Chaos vor und auf der Bühne.“

Den Überblick zu behalten, ist auch jenseits der Bühne problematisch. Vor allem mit acht Bandmitgliedern. Das Zusammenspiel funktioniert nicht immer reibungslos, auch wenn sie das nicht gern zugeben. Allein die Tatsache, acht junge Männer zur selben Zeit am selben Ort zu versammeln, beispielsweise für Bandproben, gestaltet sich oft schwierig. Doch für die Musik kommen sie alle.

Aus Project Mayhem wurde Fatcat

Kennengelernt hat sich der Kern der Band während des Studiums an den Jazz- und Rockschulen Freiburg. Anfangs waren sie nur instrumental unterwegs, damals noch unter dem Namen „Project Mayhem“. Doch bald wurde den Musikern klar: Sie brauchen einen Sänger, um die Band musikalisch weiter zu entwickeln und ein größeres Publikum zu erreichen. „Und dann war auf einmal Kenny da“, sagt Gitarrist Jakob. „Jetzt ist es einfach stimmiger.“

Kenny ist nicht nur der Sänger der Band, in ihm steckt ebenso ein Entertainer. Auch an diesem Donnerstag im Mai heizt er das Publikum von der Bühne aus an. „Mit dieser Hälfte bin ich sehr zufrieden“, ruft Kenny ins Mikro und zeigt auf den linken Teil der Menge. „Aber von der anderen muss ein bisschen mehr kommen. Macht mal Krach!“ Es entsteht ein Wetteifern zwischen den beiden Teilen des Publikums, die Stimmen der Leute überschlagen sich und die Rufe werden immer lauter. Dann ertönen die ersten Noten von "Pancakes for breakfast". Piano und Drums setzen ein und Kenny fängt an zu singen. Seine tiefe Stimme klingt melodisch und sanft: Er hat Soul in der Stimme. Dann setzen die Bläser ein.

Soundcloud: Fatcat



Vom Schreiben der Songs bis zur Fertigstellung der Aufnahme haben die Jungs drei Monate gebraucht. Zum Songwriting hat jeder seinen Teil beigetragen. „Die Initiative geht meist von einer Person aus, aber keiner kommt in die Probe und sagt: ,Ich hab da mal einen fertigen Song‘. So etwas entsteht gemeinsam“, betont Jakob. Die Texte sind auf Englisch. „Weil das zum Genre gehört - und besser klingt.“

Die EP ist aber nur einer von vielen Schritten, um sich als Band zu etablieren. Neben zahlreichen Proben und ersten Konzerten muss heutzutage auch der Internetauftritt stimmen. Schon vor dem ersten Konzert hatte Fatcat eine eigene Webseite und eine Facebook-Seite. Sie haben bereits mehr als 500 Likes. „Uns war es wichtig, ein fertiges Produkt zu haben, bevor wir an die Öffentlichkeit gehen“, erklärt Kenny.

Musik für reiche, alte Golfer

Doch wieso "Fatcat"? Jakob muss schmunzeln. „Ich meinte eines Tages: Hey Kenny, ich will gerne mal so ne jazzige Dinner-Gala-Band gründen, die für alte, reiche Golfer spielt. Und dann meinte Kenny: Ja dann willst du wohl für die Fatcats spielen! Jetzt sind wir also die "Fatcats". Reiche, alte Säcke. Unsere Währung ist Musik – und davon haben wir viel.“

Auch außerhalb von Freiburg wollen die acht bekannt werden. Als Fernziel planen sie für das kommende Jahr eine kleine Deutschlandtour. Angst, sich aus der Komfortzone herauszuwagen, haben sie keine: „Wir haben Lust, neue Fans zu finden. Probieren, Leute zu erreichen, die auf die Musik stehen. Wir haben schon oft in Freiburg gespielt, deswegen müssen wir mal raus, damit die Leute nicht denken: ,Oh die schon wieder‘“, sagt Kenny lachend.

Von diesem Gefühl ist an dem Abend in Schmitz Katze zumindest nichts zu spüren. Die Leute tanzen sich in Ekstase, nach jedem Lied applaudiert die Masse begeistert. Jetzt hat Jakob sein Gitarrensolo. Er zupft die Saiten bis zum Anschlag und seine schmalen Finger gleiten so schnell über sie, dass sie nur für einen kurzen Moment auf einem Bund verweilen und direkt zum nächsten Riff wechseln. Einer der Höhepunkt des Abends. Und dann springt  Kenny plötzlich ins Publikum, lässt sich von der Meute mitreißen und hüpft im Rhythmus der Musik, inmitten seiner Fans.    

Was ist Funk?

Funk ist ein afroamerikanisches Slangwort der 1950er Jahre und heißt soviel wie „schmutzig“ oder „erregt“. Bis in die 60er schlich sich der Funk in den Jazz ein und wurde dann zur eigenen Musikrichtung - wie man bei Künstlern wie James Brown oder Sly and the Family Stone hören kann. Es folgten Musiker wie Miles Davis und Herbie Hancock, die den Funk weiter entwickelten, bis er Ende der 70er durch Bands wie Chic discofähig wurde.

Heute wird Funk mit fast jeder anderen Musikrichtung kombiniert - Rock, Acid Jazz oder - wie bei Fatcat - eben mit Pop. Sie selbst beschreiben ihren Musikstil als New Funk - eine Mischung verschiedenster Einflüsse aus Rock, Pop und Funk.

Mehr dazu:

   

Das sind "Fatcat":

 
  • Kenny Joyner (24) - Vocals
  • Damien Stath (22) - Schlagzeug
  • Fabian Gyarmati-Buchmüller (22) - Bass
  • Jakob Monninger (26) - E-Gitarre
  • Jakob Jung (23) - Tenor-Saxophon
  • Johannes Hepe (20) - Posaune
  • Paul Andrew Hofer-Bottomley (17) - Alt-Saxophon
  • Ferdinand Klamt (26) - Piano

Nächstes Konzert

Was: Fatcat & Brothers of Santa Claus
Wann: Freitag, 5. Juli 2013, 20:30 Uhr
Wo: ZMF, Spiegelzelt
Tickets: 10 Euro

Last-Minute-Verlosung

fudder verlost dreimal je zwei Tickets für das Konzert von Fatcat & Brothers of Santa Claus am Freitag auf dem ZMF. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Fatcat“, eurem Namen und eurer Telefonnummer an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 5. Juli 2013, 13 Uhr. Die Gewinner werden sofort nach dem Ende der Verlosung per Anruf informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Larissa Rausch, Kerstin Acker und Emmanuelle François studieren am Frankreich-Zentrum der Albert-Ludwigs-Universität. Diese Multimedia-Reportage ist entstanden im Rahmen eines Seminars über Online-Journalismus

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