Fat Freddy's Drop im Zirkuszelt: Wie die Max-Rebo-Band in Star Wars

Jens Grosskreuz

Was für ein Abend! Über den Köpfen der feiernden Meute kondensierte der Schweiß am Zirkuszeltdach. fudder-Autor Jens Grosskreuz war mittendrin beim Gig von Fat Freddy's Drop:

Noch eine Zugabe mehr, noch ein Step Dub extra und das Kondenswasser wäre von der Zirkuszeltdecke auf jeden niedergeprasselt. Neuseeland bietet ja bekanntlich sehr viel, ist vielseitig wie ein Picknickkorb, auch beim Wetter pflegen die Insulaner gerne zu sagen: „You'll never know“. Wenn man genau hinhört, kann man den versierten Musikern die Himmelsrichtungen, Gezeiten und Strömungen, die Wellington so einzigartig machen, abgewinnen. 


Ich möchte von Sound-Eskapaden sprechen, da die heißgekochte Melange aus Dub, Reggae mit Club-, House- und Elektro-Attitüde, die auch vor Soulpop, Funk und jazzy Hiphop nicht Halt macht, wirklich zum Fliehen einlädt. Natürlich steht man begeistert vor der Sieben-Mann-Combo, lässt die Hüften kreisen, die Hände klatschen und wippt wie auch immer den Takt mit, doch im Kopf ist man schon längst irgendwo anders. Man driftet ab, hebt ab, gleitet schon mal durch düstere Gefilde, doch holen einen die hochmotivierten Bläser wieder aus der Versenkung. Der beflügelnde Name des neusten Albums ist Programm: Blackbird.

Musikpädagogen dichten der Amsel, der musikalisch wohl höchststehende Singvogel, so einiges an: Der „Blackbird“, so Musikwissenschaftler Heinz Thiessen, sei neben der überschätzten Nachtigall der talentierteste Komponist: „Die Spannweite des tonlichen Ausdrucks reicht vom Schlichtesten bis zum Differenziertesten, von reinen Dreiklangmotiven und diatonischen Intervallen in ausgeprägten Tonarten bis zur Chromatik und darüber hinaus bis ins tonartlich harmonisch Unfaßbare hinein.“ 

Mit allen Tricks und Raffinessen erinnern mich Fat Freddy's Drop ein wenig an die mysteriöse Max-Rebo-Band aus Star Wars. Man gerät in Trance, man verfällt geradezu ihrem musikalischen Charme. Vorne steht eine Reinkarnation von Miles Davis, der wohlbeleibte Posaunist sorgt für witzige Körpersprache, der Sänger bezirzt einen mit seiner Lullaby-Stimme zum Loslassen, zum Davonfliegen, zum Träumen. Ich denke, dass ich im Sinne eines jeden glücklichen Zuschauers des jetzt schon in die ZMF-Geschichte eingehenden Gigs spreche, wenn ich sage: Fat Freddy's Drop sind live so einzigartig wie ihr Herkunftsland. Man schreibt dem Blackbird, der Amsel, schon immer magische Kräfte zu.  

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[Bild: Promo - Leider haben wir keine Fotos vom ZMF-Gig am Freitag.]