"Faszination Wissenschaft": Wie Studierende das neue Modul der Uni Freiburg finden

Manuel Lorenz

Was macht eigentlich ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin? Das sollen Bachelor-Studierende im Modul "Faszination Wissenschaft" des University College Freiburg lernen. Drei Teilnehmerinnen und ein Teilnehmer des Pilotseminars im vergangenen Semester verraten uns, ob's geklappt hat.

Iris Backfisch, 22, 5. Semester Bildungsplanung und Instructional Design (B.A.)


"Von 'Faszination Wissenschaft' habe ich das erste Mal während des Science Slams gehört. Noch ganz fasziniert von den Beiträgen, in denen Wissenschaftler ihre Projekte auf anschauliche und kurzweilige Weise für jedermann verständlich erklären, habe ich mich gleich spontan angemeldet. Das Modul ist für jeden zu empfehlen, der mal 'richtig' studieren will.

Hier werden einem zwar das Ergebnis, die Fertigstellung eines Antrags für ein Forschungsprojekt vorgegeben, der Weg dorthin wird aber sehr offen gehalten. Es gibt Impulsvorträge beispielsweise von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die zur Diskussion über die (deutsche) Forschungslandschaft und Politik anregen.

So bleibt genug Zeit, mit motivierten Studenten aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen zu diskutieren - und das bei netter und sehr kompetenter Betreuung."

Julia Malejka, 23, 1. Semester Psychologie (M.Sc.)


"Wie schafft man Wissenschaft? Wie wird aus einer Idee ein Forschungsprojekt und wie plant man es realistisch? Dies fragte ich mich – und neben Antworten kamen im Seminar auch viele neue, spannende Fragen auf.

In bunt gemischten Gruppen haben wir an einer selbst gewählten Forschungsfrage zu 'Krankheit und Gesundheit' gearbeitet. Das Spannendste – wenn auch viel Geduld erfordernde – war für mich, dass wir uns oft uneinig waren. Neben mir als Psychologie-Studi waren Biologie, Philosophie, Geschichte und Germanistik in meiner Gruppe vertreten – und damit teils sehr unterschiedliche Perspektiven auf denselben Gegenstand. Im Laufe der vielen Diskussionen lernten wir so, unsere eigene (teils festgefahrene) Position zu hinterfragen und andere mit einzubeziehen.

Unser Forschungsprojekt haben wir uns zum Abschluss gegenseitig vorgestellt. Spannend, wie viel Verschiedenes unter dem Hut eines Themas entstehen kann!

Kurzum: Ich nehme aus dem Seminar mit, dass meine Perspektive nur eine unter vielen ist: Aus den Augen anderer heraus zu schauen und Dinge kritisch zu hinterfragen kann die Arbeit sehr bereichern. So weiß man nie, was am Ende dabei rauskommt!"

Martin Jank, 25, 7. Semester Germanistik (B.A.)


"Für mich war eine der größten Stärken von 'Faszination Wissenschaft' das eigenverantwortliche Koordinieren eines Projektes im Team, kurz, die praktische Arbeit. Es war mehr Praxis denn Theorie: In Gruppen legten wir die thematische Ausrichtung genauso fest wie die jeweiligen Arbeitsschritte, ihre zeitliche Einteilung und passende Meilensteine. Die Betreuung war je nach Gruppenbedarf enger oder weiter, das war super. Am Ende stand ein eigenständig entwickelter Forschungsantrag und eine tolle Poster-Präsentation, bei denen wir uns als Arbeitsgruppen gegenseitig evaluiert haben – die beste Art, Kritik zu geben und entgegenzunehmen.

Ich persönlich habe vor allem vom bunten Fächermix profitiert, der das Arbeiten und Denken extrem bereichert hat, ich konnte ein Thema meines Faches vertiefen und es im Kontext der anderen verändert betrachten. Mit Blick auf eigene Anträge oder effektives Arbeiten in interdisziplinären Teams habe ich viel dazulernen können – ich hoffe, dass sich zukünftig auch Fachveranstaltungen mehr und mehr dieser Art des Lehrens und Lernens öffnen."

Rebecca Knecht, 22, 7. Semester Islamwissenschaft (HF) und Psychologie (NF)


"Die Teilnahme an 'Faszination Wissenschaft' hatte für mich vor allem die Erkenntnis zur Folge, dass auch aus komplettem Chaos im Endeffekt eine sinnvolle, unter Umständen sogar spannende Idee entstehen kann. Gerne würde ich auch behaupten, dass ich aus dem Projekt wichtige Kernkompetenzen zum Arbeiten in Gruppen mitnehme, aber ob dem tatsächlich so ist, werden wohl erst zukünftige Gruppenarbeiten zeigen können.

Was mir das Projekt definitiv gebracht hat, ist ein gewisser Optimismus im Hinblick auf meine eigene Fähigkeit, wissenschaftliches Arbeiten zu lernen. Insofern kann ich es allen empfehlen, die entweder schon sicher sind, dass sie wissenschaftlich arbeiten wollen, oder aber ausprobieren möchten, ob eine akademische Karriere für sie in Frage kommt.

Menschen, die ein Problem mit Flexibilität haben, absolut keine Fähigkeit zur Selbstdisziplin besitzen (und auch nicht daran arbeiten möchten) oder ungern mit anderen arbeiten, sollten sich dagegen eher von diesem Seminar fernhalten."

Was ist "Faszination Wissenschaft"?

In den Projektseminaren des Moduls "Faszination Wissenschaft" erlernen Bachelor-Studierende die Grundlagen der praktischen Arbeit im Berufsfeld Wissenschaft. Dazu gehört das Design von Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit anderen Fächern sowie ein Überblick über die Forschungslandschaft und Wissenschaftspolitik vor allem in Deutschland, aber auch in der EU.

Das Modul möchte vermitteln, wie man Forschungsprojekte entwirft und für jeden verständlich beschreibt, was "Drittmittel" sind und wie man welche bekommen kann und wie man anderen Studierenden noch besser erklärt, was man eigentlich macht.

Im Wintersemester 2013/14 bietet das UCF im Modul "Faszination Wissenschaft" folgende Kurse an: "Landschaft und Lebensqualität", "Verwandtschaft, Abstammung, Familie" und "Leistungskultur". Genauere Infos gibt's auf der Website von "Faszination Wissenschaft".

Die Anmeldefrist ist Montag, 28. Oktober 2013.

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[Fotos: Privat]