Farewell, Harry Potter!

Katharina Grewe

Seit dieser Woche läuft der letzte Teil des "Harry Potter"-Epos in den deutschen Kinos. Und viele, die jetzt vor den Kinos Schlange stehen, sind mit den Büchern und Filmen erwachsen geworden. Und haben noch gar nicht wirklich begriffen, dass es jetzt vorbei ist. Ein persönlicher Rückblick auf mehr als ein halbes Leben mit Harry, Hermine und Ron.



Der erste Band der „Harry Potter“- Reihe wurde mir noch vorgelesen. An den zweiten Teil wagte ich mich dann schon selbst – die Vorlesekünste meines Vaters in allen Ehren, aber er las einfach zu wenige Kapitel am Stück. Sämtliche Altersempfehlungen ignorierend hatte ich mich Ende der Sommerferien der 2.Klasse durch die ersten drei Bände gekämpft. Während ich auf den vierten (und später fünften) Teil wartete, wurden alle bereits erschienenen Bücher wieder und wieder gelesen.


Als im Dezember 2001 „Harry Potter und der Stein der Weisen“ in die Kinos kam, war das Publikum begeistert - der Film ist bis heute der kommerziell erfolgreichste der Reihe - ich war allerdings enttäuscht. Begeistert Rowling ihre Leser neben Emotion, spannungsgeladener Handlung und noch so vielem mehr, doch vor allem durch die plastische Beschreibung ihrer Charaktere und Schauplätze, schienen die Leiter des Castings in meinen Augen gerade diese Szenen großzügig überblättert zu haben.

Die Figur des Harry hat rein optisch drei Markenzeichen: blitzförmige Narbe auf der Stirn, ganz und gar unbändige Haare und grüne Augen. Die Augen seiner Mutter – ein Detail, das über die sieben Bände hinweg so häufig erwähnt wird, dass es schon fast nervig ist. Wieso also, fragte ich mich und frage es mich bis heute – wieso, war es nicht möglich einen Schauspieler zu finden, der diese Kriterien erfüllt? Oder aber sie durch Haargel und Kontaktlinsen künstlich herzustellen? Betrachtet man nämlich das Cover der ersten Verfilmung, blickt man einem Daniel Radcliffe entgegen, der mit brav gekämmtem Pilsschnitt mit seinen blauen Augen in die Ferne schaut.

Doch natürlich hielt mich die Enttäuschung über vermeintliche Fehlbesetzungen nicht davon ab, die nächsten Bücher und Filme ebenso zu verschlingen als gelte es einen Wettbewerb zu gewinnen. Als Harry und der Halbblutprinz zwei Jahre auf sich warten ließen und Band 4 vom vielen Lesen schon ganz zerfleddert war, wagte ich eine neue Herangehensweise und versuchte mein Glück auf Englisch – den Inhalt kannte ich ja schon. Band 6 und 7 wurden dann nur noch im Original gelesen - ebenso die Filme.

Wenn Schauspieler und Regisseure, all die, die in die Entwicklung und Gestaltung dieser acht Filme mit einbezogen, an ihr beteiligt waren, dieser Tage gefragt werden, wie es nun weiter geht mit dem Zauberschüler, heißt es: Es ist nicht vorbei. Nicht, dass sich Rowling an eine Fortsetzung wagen würde, dem natürlich ein Film folgen würde, sondern – so wird immer wieder betont – es werden weiter Kinder, Jugendliche, Erwachsene kommen, die sich von der Welt von Hogwarts & Co. verzaubern lassen, sei es nun durch Buch oder Film.

Ein Stück der Magie, der Faszination geht dennoch verloren finde ich. Denn – auch wenn großartige Bücher auf eine Art und Weise zeitlos sind – ist es doch nicht dasselbe, wenn Bücher und DVDs in schön gereihten Sammelboxen im Regal stehen. Für „echte“ Fans gehört es dazu, fiebernd auf das Erscheinungsdatum zu warten, Wochen im Voraus Karten für die Vorpremiere zu bestellen.

Meine Freundin Anna, 20, gehört zu diesen und auch für sie ist Dienstagnacht ein Stück Kindheit zu Ende gegangen. Schon seltsam, wenn man bedenkt, dass sie das erste Buch eigentlich nur gelesen hat, weil sie der Nachbarin gegenüber nicht unhöflich sein wollte. Nach über fünf Stunden Kinogenuss war sie dann aber doch nicht so niedergeschlagen, wie erwartet. „Ich muss schon ehrlich sagen, dass es traurig ist, weil ich nämlich seit dem ersten Film immer mit meinem Papa in der Premiere war, jedes Mal, und da auch immmer total mitgefiebert habe, aber ich war eher traurig, als ich wusste, dass kein neues Buch rauskommt.“ Trotz des Premieren-Hypes und einer sich stetig steigerenden Begeisterung für die optische Präsenz Daniel Radcliffes ist sie überzeugt: „Bücher bieten einem mehr viel mehr Möglichkeiten.“

Auch mit Special-Effects und neuester Technik, sind manche Dinge eben einfach nicht so umzusetzen, wie man sie sich vorgestellt hat. Durch die hektische Erzählweise gingen viele Details verloren und andere, wie beispielsweise der finale Kampf zwischen Harry und Voldemort würden – womöglich Actionsfans zuliebe – sinnloser Weise verändert, so die Abiturientin. „Wenn man das Buch nicht gelesen hat, dann versteht man glaube ich nicht so viel.“

Tränen gab's natürlich trotzdem. Aber nicht weil es zu Ende ist, sondern weil so viele der geliebten Charaktere sterben. Also doch kein richtiger Fan? „Doch auf jeden Fall.“ Für die letzten drei Bücher kämpfte Anna sich um 00:00 Uhr in die Buchhandlung, der entsprechende Roman wurde noch in der gleichen Nacht durchgelesen. Und wenn dieses Möglichkeit einmal nicht bestand, hat sich immer Mittel und Wege gefunden. „Der dritte Teil kam gerade raus, als ich im Urlaub war. Da musste mein Vater mir immer per Fax die nächsten Seiten schicken. Die Hotelbesitzer in Italien sind fast ausgerastet, weil jeden Tag zehn Seiten Fax kamen.“ Irgendwo verständlich.

Trailer: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes



Mehr dazu:

[Bild 1: Warner Brothers; Bild 2: dpa]