Farb-Schnelltest weist K.o.-Tropfen in Drinks nach

Bernhard Amelung

Starke Bewusstseinsstörungen, Willenlosigkeit und Bewusstlosigkeit - K.o.-Tropfen wie GHB haben eine perfide Wirkung. Julia Huber, Schülerin an der Mathilde-Planck-Schule, arbeitet an der Entwicklung eines Schnelltests.



Starke Bewusstseinsstörungen, Willenlosigkeit und Bewusstlosigkeit - K.o.-Tropfen wie GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) und GBL (Gamma-Hydroxybutyrolacton), in der Szene auch unter der Bezeichnung Liquid Ecstasy bekannt, haben eine perfide Wirkung. Die Tropfen sind farb- und geruchlos und weitestgehend geschmacksneutral. Vermischt mit einem Cocktail oder in ein Glas Coca-Cola geschüttet, kann man sie kaum noch schmecken. Deshalb setzen manche Menschen diese Substanz gezielt für sexuell motivierte Straftaten, aber auch für Raub und Diebstahl ein.


Julia Huber möchte etwas dagegen unternehmen. Die 20-jährige Schülerin besucht derzeit das Berufliche Gymnasium an der Mathilde-Planck-Schule in Lörrach und arbeitet an der Entwicklung eines Schnelltests, mit dessen Hilfe man bereits im Club, an einer Bar oder auf Festivals sein Getränk auf die organischen Säure - für die Wissenschaftsbegeisterten: HO-CH2-(CH2)2-COOH - untersuchen kann. Einen solchen Test gibt es noch nicht. Alle bestehenden Verfahren haben Blut oder Urin als Grundlage, um den Nachweis zu erbringen, dass ein Getränk mit GHB oder GBL kontaminiert war.

"Das erschwert die Untersuchung. Die Halbwertszeit von GHB im Urin oder im Blut ist gering. Man hat nur ein knappes Zeitfenster zwischen der Aufnahme des Stoffes und einer Blut- oder Urinprobe. Nach zehn, zwölf Stunden ist die Droge im Körper kaum noch nachweisbar. Bestehende Tests liefern keine zuverlässigen Messwerte mehr", erzählt Julia. Außerdem könnten sich viele Betroffene kaum daran erinnern, was in den vergangenen Stunden passiert sei. Die Wirkung des Zusammenspiels von Alkohol und GHB sei verheerend.



Grundlage für Julias Testverfahren, um den Nachweis von GHB in Getränken zu erbringen, ist der enzymatische GHB-Test des Schweizer Life Science-Unternehmens Bühlmann Laboratories AG. Dieser ist ein Labortest, für den Urin oder Blutserum benötigt wird. "Das Unternehmen stellt mir die Grundstoffe zur Verfügung, die ich für meine Untersuchungen brauche", sagt Julia. Sie testet an unterschiedlichen Flüssigkeiten: Wasser, nichtalkoholische Getränke, Alkohol; mit unterschiedlichen Konzentrationen und Temperaturen.

Sobald ein Getränk kontaminiert ist, verfärbt sich die Flüssigkeit nach Hinzugabe der Enzyme rosa. Ist der Drink dagegen sauber, nimmt die Flüssigkeit eine bläulich-violette Farbe an. Und was ist bei dunklen Drinks, etwa einer Coca-Cola oder einem Long Island Iced Tea? "Da schlägt der Test ebenfalls an. Man sieht sofort, wenn sich das Getränk hell verfärbt und sich rosafarbene Schlieren bilden", so Julia.

Mit diesem Testverfahren ist Julias Arbeit nicht abgeschlossen. Sie möchte Teststreifen zu entwickeln, die sich überall mitnehmen lassen, in Clubs, in Bars und auf Festivals. Größte Herausforderung dabei: die Haltbarkeit der Enzyme zu verbessern. "Diese sollen so kühl wie möglich gelagert werden. Schon bei Raumtemperatur verlieren sie sehr schnell ihre Aktivität, geschweige denn wenn sie der prallen Sonne auf einem Open-Air-Festival ausgesetzt sind", sagt Julia. Ihr Ziel: das Verfahren zur Patentreife zu entwickeln und einen GHB-Soforttest auf den Markt bringen.



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