Famous Black Raincoat: Acoustic Art Pop aus Freiburg

Julie Lucas

Ein Fantasy-Musical, Leonard Cohen und ganz viel Melancholie bilden das Fundament der Freiburger Band Famous Black Raincoat. Sie tritt an diesem Freitag im Furioso auf. fudder-Autorin Julie Lucas hat sich mit den Mitgliedern auf ein Glas Bier getroffen und stellt die Acoustic Art Popper vor.



Der erste Eindruck

Die Statue des Glücklichen Prinzen mit einem Herzen aus Blei, zwei Saphiren als Augen und einem roten Rubin als Schwertknauf. Eine Schwalbe, die eigentlich weit weg will und aus Liebe bleibt. Was die beiden Figuren verbindet? Mitgefühl, Freundschaft, Selbstlosigkeit. Die selbst der Tod nicht trennen kann.

Klingt traurig. Ist es auch. Perfekt um einen Song daraus zu machen, dachte sich auch ein Mitglied der Band Famous Black Raincoat, als er sich an das Märchen aus der Kindheit zurück erinnerte. Lieder, die berühren, Geschichten, die tiefgehen, Themen, die Emotionen auslösen. Das liefert die Freiburger Band Famous Black Raincoat.

Die Band

Thomas Darscheid, Sänger und Bandleader, hat 2012 die Band gegründet, die sich zusammensetzt aus Andreas Bohl am Piano, Mario Hamann am Bass, David Stolz an der Gitarre und Falko Zipfler am Akkordeon. Fünf Bühnentiere, eine Leidenschaft – das passt.

Wie jede Band standen auch die damals noch ungeborenen „amous Black Raincoat vor der entscheidenden Frage nach einem Namen. Sie baten Google um Hilfe und die Suche nach Songtiteln guter Künstler konnte beginnen. Und der Sieger war: Leonard Cohen, lyrisches und musikalisches Genie, dessen Famous Blue Raincoat einen leichten Farbwandel durchmachte. Eine bewusste Entscheidung: nicht nur, weil es gut klingt, sondern auch weil es zur Musik passt.

Famous Black Raincoat - Butterflies

Quelle: Soundcloud


Wie alles anfing

Zum ersten Mal getroffen haben sich Falko und Thomas bei den Proben des Fantasy-Musicals „Into The Woods“. Falko spielte Rotkäppchens Prinz, Thomas war der Wolf. Ein paar Proben und Plausche später, entwickelten sie die Idee einer eigenen Band. Sie kontaktierten Freunde, und was als Quartett in leicht abweichender Besetzung anfing, ist nun zu einer Fünf-Mann-Truppe herangewachsen. "Fast wie eine Familie", sagt Falko.



Die Musik

Famous Black Raincoat stehen für Acoustic Art Pop: Eine stark instrumentale Mischung mit Klängen aus Folk, Jazz und Latino - stets mit sentimentalem Unterton. Hier bringt jeder seinen persönlichen Stil ein: Thomas seinen Folk, Falko sorgt für lateinamerikanische Klangeinflüsse, darunter darf der Tango natürlich nicht fehlen (Song "Niemand") und Andi, Mann für alles, positioniert sich irgendwo dazwischen.

Dabei muss es nicht immer lange dauern und tiefgründig sein. Es geht auch locker und nahezu melancholiefrei, wie bei dem in einer Probe entstandenen Song "Mindless", der auf Marios Ausruf hin "Schreib halt was!" entstanden ist. Im Bandleben gehört Anpassung genauso dazu wie Teamwork: Jemand bringt einen Song rein und gemeinsam erarbeiten sie ihn. Da kann es auch mal passieren, dass Andi mit seinen an Quellcode erinnernden Songs zum "einfacher schreiben" verdonnert wird. So läuft das auch in der Ehe.

Aber bei einer Probe pro Woche ist die Band von der Ehe noch weit entfernt. Und das ist auch gut so.

Famous Black Raincoat - Happy Prince

Quelle: Soundcloud


Die Melancholie

Die Melancholie setzen sie bewusst in ihren Songs ein, was besonders in den sanften Melodien, die zum Träumen und Sich fallen lassen einladen, zum Ausdruck kommt. "Sie ist ein schönes Ventil, um sich mit der eigenen Psyche auseinanderzusetzen", meint Falko, dessen Reise nach Lateinamerika für ihn persönlich einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat.

Auch privat sind die Bandmitglieder nicht gerade harte Kerle, Proben gibt es schon mal gemütlich bei Plätzchen und Tee. Thomas, der von sich selbst sagt: "Ich bin ein melancholischer Mensch" musste erst zu seiner wahren Natur finden. Denn die Hardrock-Band "Emerge", in der er zuvor spielte, war nicht gerade förderlich, um seiner melancholischen Ader, Ausdruck zu verleihen. So blieb letztendlich nur eins: Der Abschied. Die Ära der Regenmäntel hatte begonnen.

Aus Hardrock wurde Acoustic Art Pop, aus "Fuck the World" wurde "Happy Prince, please don't cry".

Was sie sonst noch machen

Nebenbei spielen einige Bandmitglieder in Cover-Bands. Thomas streckenweise in vier parallel, was auch mal heißen kann, fünf Abende pro Woche mit Proben vollgepackt und an jedem Wochenende Konzerte zu haben. Da scheint wenig Zeit für das große Hobby zu bleiben: den SC Freiburg. Auch Andi spielt in Cover-Bands, umso schöner findet er es dann wieder als Famous Black Raincoat zu hören, wie die eigene Songidee plötzlich zum Leben erwacht und er denkt: "Krass, den Song hab ich geschrieben."

Geld verdienen sie mit Famous Black Raincoat noch nicht. Nach dem gescheiterten Versuch von "Emerge", ist Thomas klar geworden: Er will sich nicht zu sehr auf den kommerziellen Aufstieg fixieren. "Erst müssen die Songs stimmen, dann kann man an's Geld denken."

Aber das Träumen geben sie trotzdem nicht auf.

Mehr dazu:




Was: Konzert w/ Famous Black Raincoat.
Wann: Freitag, 28. August 2015, 20 Uhr.
Wo: Furioso
[Fotos: Promo / Julie Lucas]