Familiendrama: Fassungslosigkeit in Gundelfingen

Aljoscha Harmsen

Nachdem gestern in Gundelfingen ein Familienvater mit seinem 11-jährigen Sohn frontal in einen LKW gefahren ist und verdächtigt wird, zuvor seine Frau stranguliert zu haben, zeigten heute Jugendliche vor dem Haus der Familie ihre Anteilnahme. Sie waren nicht die einzigen: Einige Nachbarn und Vertreter der Presse versammelten sich dort ebenfalls. Einige Eindrücke.



"Die Mutter war ewig nett, sie hat uns immer gegrüßt, obwohl sie uns kaum kannte", sagt Anja. Die 16-Jährige geht mit ein paar Freundinnen den Glotterpfad entlang. Etwas abseits von dem Haus, in dem die Mutter gestern getötet wurde, bleiben sie stehen. "Sie war Nageldesignerin. Ihr Sohn war mit uns im Kindergarten und in der Grundschule", sagt die 16-jährige Lea.


"Das Haus wurde vor zwei oder drei Jahren neu gebaut, aber die Familie war mir nicht bekannt", sagt ein Mann aus dem Nebenhaus. Er ist einer der wenigen Anwohner, die überhaupt etwas sagen wollen. Wenige der Menschen, die vor dem Haus auf und ab gehen, sind Nachbarn. Es sind Schaulustige. Ein älterer Herr kommt aus dem Rheinland und ist zu Besuch hier. Er habe von dem Familiendrama aus dem Radio gehört. Jetzt, am Glotterpfad, hört er nichts. Die Stille ist bedrückend.



Keiner der Spaziergänger gibt an zu wissen, wo sich die Tragödie ereignet habe. Dennoch gehen sie alle vor demselben Haus auf und ab. Die meisten der unmittelbaren Nachbarn geben keine Auskunft über die Familie. Viele öffnen die Türe nicht. "Es ist schrecklich genug, lasst es gut sein", sagt ein Nachbar. "Man hört ja immer, dass so etwas passiert. Aber wenn es direkt vor der Haustür passiert, setzt es einem zu", sagt er noch.

TV Südbaden hat eine Kamera direkt vor dem Haus der Familie aufgebaut und filmt die Jugendlichen dabei, wie sie Blumen ablegen, sich umarmen und stumm im Halbkreis mit gesenktem Kopf herumstehen. RTL sei auch schon dagewesen, sagt ein Polizist. "Die Spuren werden noch gesichert." Für weitere Auskünfte stehe er nicht zur Verfügung.



"Da vorne stehen sie alle", hören wir eine ältere Frau sagen, die aus einiger Entfernung das Geschehen misstrauisch beobachtet. Sie weicht zurück, als wir auf sie zukommen. "Hier kennt keiner die Familie. Heutzutage wissen die Leute ja kaum, wer nebenan wohnt", sagt sie. Dann verschwindet sie zwischen den Häusern. Es bleibt: Fassungslosigkeit.

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