Falscher Hochuli auf Facebook

Carolin Buchheim

Nanu? Harry Hochuli auf Facebook? Nein. Unbekannte haben ein Fake-Profil des Leiters des Polizeireviers Nord in dem Sozialen Netzwerk angelegt. "Wir wissen seit einigen Wochen davon", sagt Polizeipressesprecher Ulrich Brecht. Ob die Polizei gegen das Profil vorgeht und was man tun kann, wenn man selbst Fake-Profil-Opfer wird:



"Ich bin Leiter des Freiburger Polizeirevier Nords [sic!], bin viel unterwegs und gebe fudder.de gerne Interviews", steht im 'Über mich'-Teil des Facebook-Profils des angeblichen Harry Hochuli. "Ich mag es nicht, wenn die Linken mich ärgern." Das Profilfoto stammt aus einem fudder-Beitrag (und seine Verwendung verletzt unsere Urheberrechte), zwei angebliche Lieblingszitate aus fudder-Beiträgen.

Der falsche Harry ist seit Anfang Februar auf Facebook aktiv - sporadisch, allerdings. 23 Freunde, ein bisschen iPet spielen, die eine oder andere Statusmeldung. In den vergangenen Tagen wurde er verstärkt aktiv, postete ein YouTube-Video von einem Polizeieinsatz in Dresden mit dem Kommentar "BOOOOOOOH FETTTTTTT", schrieb "Nach 1933 muss Deutschland endlich wieder aufstehen! KT, unser Führer!" auf die Pinnwand vonWir wollen Guttenberg zurück und kommentierte das "Für KT zu Gutenberg als Bundeskanzler !"-Posting eines Mann aus Hannover mit den Worten "Du meinst Reichskanzler, oder?" "Das ist alles andere als lustig", sagt Pressesprecher Brecht zum Fake-Profil. "Wir lassen prüfen, wie man das verhindern kann." Ob Hochuli das Profil bei Facebook gemeldet oder möglicherweise schon rechtliche Schritte eingeleitet hat, dazu wollte Brecht sich nicht äußern. "Mehr sagen wir dazu nicht."

Erster Ansprechpartner für Hochuli und andere Opfer von Fake-Profilen ist zunächst das Social Network selbst. "Man hat zwar einen Unterlassungsanspruch gegen die Person, die das Fake-Profil erstellt hat, aber an die kommt man nicht ran; wenn überhaupt hat man von ihr nur eine eMail-Adresse", erklärt Rechtsanwalt Sebastian Dramburg. "Man muß sich an Facebook wenden und kann nur hoffen, dass sie schnell reagieren. Man ist denen quasi ausgeliefert."

Dramburg und sein Kollege Thomas Schwenke haben sich in Berlin mit ihrer Kanzlei Schwenke & Dramburg auf die Rechtsprobleme des Social Webs spezialisiert. Fake-Profile sieht Dramburg als ein immer häufiger auftretendes Problem an. "Ein Fake-Profil ist superschnell eingerichtet; Daten wie Geburtsdatum und Wohnort sind oft vorhanden, ein Foto wird irgendwoher kopiert und so kann man ganz schnell den Eindruck erwecken, die Person zu sein." Nicht nur Prominente würden Opfer von Fake-Profilen. "Das passiert auch Leuten, die eigentlich nicht in der Öffentlichkeit stehen."

Fake-Profile verletzten dabei das Namensrecht (§12 BGB) des Opfers. "Es reicht aus, wenn der Name benutzt wird, um das Profil einzurichten, da geht es noch nicht mal um den Inhalt", sagt Anwalt Dramburg. "Es reicht, wenn der Eindruck erweckt wird, hier handele es sich um das Profil der Person." Das Opfer hat einen Anspruch auf Beseitigung der Namensnutzung und auf Unterlassung.

Inhalte des Profils können zusätzlich das Persönlichkeitsrecht verletzen. "Zum Beispiel wenn falsche Inhalte verbreitet oder ein Foto veröffentlicht wird", sagt Anwalt Draumburg. Auch ein Schadenersatzanspruch ist nicht grundlegend ausgeschlossen. "Es dürfte aber in diesem Fall schwer nachzuweisen sein, dass tatsächlich ein Schaden entstanden ist." Undenkbar ist das aber nicht. "Wenn jemand wegen eines Fake-Profil einen Job nicht bekommt, weil dort etwas Verwerfliches drin stand, könnte man versuchen, daraus einen Anspruch auf Schadenersatz herzuleiten."

Auch strafrechtliche Tatbestände wie Beleidigung, Verleumdung oder üble Nachrede können durch Inhalte in Fake-Profilen erfüllt sein. "Wenn die Inhalte geeignet sind, das Ansehen der Person herunter zu setzen, geht es in den strafrechtlichen Bereich rein.  Wenn da steht, dass jemand ein inkompetentes Arschloch ist, dann ist das eine Beleidigung."

Hochuli ist nicht der erste in der Öffentlichkeit stehende Freiburger, von dem ein Fake-Profil in einem Social Network erstellt wird. 2007 warb die Fachschaft Politik für eine Party mit einem StudiVZ-Profil des damaligen Rektors Wolfgang Jäger (siehe: Falscher Jäger bei StudiVZ). "Prof. Dr. Dr. hc. mu hat keine Freunde an der Uni Freiburg“ war dort zu lesen. Die Uni-Leitung beschwerte sich bei StudiVZ. Was damals aus dem Fall wurde, dazu konnte heute in der Uni-Pressestelle niemand Auskunft geben.

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