Faire Mode aus Freiburg

Philipp Aubreville

Fair gehandelte Mode, jenseits vom Ökobaumwoll-Strickpulli XXL, entwickelt sich zum gern gesehenen Trend. Zwei Firmen aus Freiburg verdienen ihr Geld mit Kleidung, die fair gehandelt wurde und modisch ist. fudder stellt sie euch vor.



Baumwollernter, deren Gesundheit durch Pestizide geschädigt wird und Näherinnen, die trotz 17 Stunden langer Arbeitstage von einem Hungerlohn leben müssen - der Alltag in der Textilindustrie der Dritten Welt ist nicht das, was man schon immer mal erleben wollte.


Doch an den Alternativen haftete bisher immer der Patchouligeruch. Mit Ökobaumwolle verband man vor nicht allzu langer Zeit kratzige Ponchos mit Hippietouch. Fair gehandelte Kleidung besaß den Charme einer Jutetasche.

Mittlerweile hat sich das Bild geändert. Fair gehandelte und ökologische Klamotten haben den Sprung geschafft, vom Mief zum Pop. Stars wie Bono oder Coldplay-Sänger Chris Martin haben die Problematik der Dritten Welt schon länger auf ihre dicht beschriebene Agenda gesetzt. Selbst die Frauenzeitschrift Brigitte animiert ihre Leserschaft zum ethisch bewußteren Konsumieren, denn " 'Lifestyle-Ökos' geben sogar in Hollywood den Ton an“.

Seit einigen Jahren versucht auch in Freiburg eine Handvoll ethisch korrekter Händler, das Recht auf eine angemessene Bezahlung aus der Polit- in die Modebranche zu bringen.

Gut, wahr und wunderschön



„Ich will lieber Produkte kaufen, die fair hergestellt sind und möchte eigentlich nicht davon profitieren, das andere ausgebeutet werden.“ Christoph Dahn ist seit 20 Jahren im Modegeschäft. Trotz der Abwechslung, die ihm der Beruf bescherte, sah sich der 43jährige irgendwann mit Langweile konfrontiert: „Ich fragte mich, ob etwas fehlen würde, wenn die ganzen Marken weg wären. Ich habe angefangen, nachzudenken, was es noch nicht gibt. So kam ich auf die Idee, dass man Stil und Trend mit Ethik und ökologischem Bewusstsein verbinden könnte.“

Als Christoph diese Idee 2003 laut ausspricht, „haben alle gelacht und hatten diese Ökos aus den 70er und 80er Jahren vor Augen.“ 2005 gründete er die Firma „Good True Beautiful“, die heute im Freiburger Stadtteil Vauban residiert. Der Vertrieb ethisch korrekter Mode, den er mit Mitarbeiterin Severine Kpoti organisiert, läuft angeblich erfolgreich.

Klein gestartet, schnell gewachsen



Auch Matthias Rau und Sascha Klemz wollten sich nicht damit abfinden, zwischen Kratzpullover und Ausbeuterjeans entscheiden zu müssen: „Als wir uns mit Bekleidungshandel und Arbeitsbedingungen beschäftigten, haben wir einen Mangel an Alternativen festgestellt."

Statt von einer Bank, die nicht vorhandene Sicherheiten hätte haben wollen, liehen sich Matthias und Sascha Geld von Freunden und Verwandten und gründeten im Sommer 2006 den Onlineshop „Fair Wear“. „Es ist schon krass, mit wenig Geld so etwas aufzuziehen. Aber eigentlich haben wir guten Zuspruch. Klar sind wir total klein, aber dafür wachsen wir auch schnell.“

Die Laufbahn eines Shirts



Die Frage nach den Produktionsstrukturen lassen sich nicht immer klar beantworten: Wo wird geerntet, gewebt, gefärbt, genäht etc? „Die Prozesse in der Textilindustrie sind so ziemlich die komplexesten“, sagt Christoph von GTB (Good True Beautiful). Wichtig sei Transparenz. Die versucht GTB mit Hilfe eines so genannten Track'n'Trace-Systems zu gewährleisten. Der Kunde gibt eine ins T-Shirt genähte Nummer im Internet ein und kann so die „Laufbahn“ seines Shirts zurückverfolgen.

Sowohl GTB, als auch Fair Wear vertreiben nur Kleidung, die als "fair gehandelt" zertifiziert ist. Mit Hilfe dieser Zertifikate soll sichergestellt werden, dass die Produktionsstätten frei von Kinderarbeit und erzwungener Arbeit sind. Mehr noch: die Leiter dieser Fabriken verpflichten sich beispielsweise für angemessene Arbeitszeiten und gerechte Löhne.

Die von GTB vertriebenen Marken besitzen meist das Siegel SA 8000. Fair Wear bietet Brands an, die von der EU anerkannte Zertifizierungsunternehmen beauftragen, Kontrolleure unangemeldet in die beliefernden Fabriken zu schicken.

Zwischen Kratzpulli und Ausbeuterjeans



„Wir wollen Öko und Ethik in die Mode bringen und nicht umgekehrt“, erklärt Christoph seine Philosophie. Sascha von Fair Wear sieht das ähnlich: „Unser Style geht weg vom Öko-Image." Zwar habe man auch Ökokunden der alten Schule, doch diese kauften eher für ihre Nichte. Zwischen 15 und 40 Jahren ist der Zielkunde bei Fair Wear, 18-40jähirge hat GTB anvisiert.

Das seien „die, die sich für Mode interessieren und auch Geld dafür ausgeben“, glaubt Christoph und verzichtet deshalb auf Senioren und Kinderkleidung im Sortiment. Von ihm vertriebene Labels wie Kuyichi oder Terraplana haben ihre Designbüros in Amsterdam und London, „in diesen Städten hat man die besten Möglichkeiten, gute Designer zu bekommen.“

Ethische Coolness


Was ist mit Firmen wie American Apparel, die in den Medien zum Sinnbild ethisch korrekter Coolness stilisiert wurden? „Soviel machen die auch nicht. Die sind halt wie der Trigema hier. Produzieren anstatt in Mexiko 50 Kilometer weiter nördlich in L.A. Die bezahlen zwar ihre Mitarbeiter gut, aber das ist noch kein Fairtrade“, behauptet Christoph. Auch Sascha kritisiert am kalifornischen Unternehmen einiges, möchte American Apparel einen gewissen Idealismus aber nicht gänzlich absprechen.

H&M muss nachziehen


Dass auch der Idealismus der Kunden zunimmt, das hoffen Christoph und Sascha. Denn dann würden sich den Gesetzen des Marktes zu Folge auch Moderiesen um Sozialstandards kümmern müssen. „Ich denke, dass Puma und H&M auf diesen Zug werden aufspringen müssen, um ebenfalls ein Publikum, das aus der Nische raus kommt und immer mehr zum Mainstream wird, bedienen zu können“, sagt Sascha.

Auch Christoph kann sich vorstellen, „dass in fünf bis fünfzehn Jahren dieser Bereich viel größer ist und dass die Endverbraucher sehr viel stärker nach solchen Produkten verlangen.“ Sein Vertrieb GTB beliefert in Freiburg bereits jetzt Geschäfte wie Yam Yam und den Laden Zwo.

Shopping und Bildung

Hat die Ansässigkeit in Freiburg Vorteile? Man müsse schon festhalten, „dass der Kunde, der sich für diese Produkte interessiert, im Normalfall einen etwas höheren Bildungsgrad hat und auch etwas mehr verdient."

Sascha freut sich über ein gutes Feedback im Freiburger Raum.

Während Fair Wear beispielsweise Kontakte in die Freiburger Dritte-Welt-Szene pflegt, bietet GTB faire Kleidung seit einem Joint Venture mit einer Freiburger Software-Firma auch in einem Onlineshop an.



Von Vauban in die Republik

Doch einen besonderen Standortvorteil gibt es weder für Fair Wear, noch für GTB. Er wohne gerne, aber auch zufällig in Freiburg und nicht wegen eines besonderen Wettbewerbsvorteils, sagt Christoph.

Als Vertriebsunternehmen sei man an keinen besonderen Standort gebunden. Den typisch hippiekesen Look, den viele seiner Nachbarn im von der Welt als "Öko" titulierten Stadtteil Vauban tragen, führt der 43jährige nicht. Somit sei man in Freiburg nicht erfolgreicher als in anderen Städten.

„Man kann nicht sagen, dass wir wahnsinnig viele Kunden aus Freiburg haben“, sagt Sascha. Beide Firmen sind nicht auf Freiburg, sondern auf Deutschland fokussiert.

Dennoch: Vielleicht schafft es Freiburg ja, einen neuen Trend zu kreieren und für die abgewanderte Solarmesse kommen faire Fashionwochen in den Breisgau.

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