Fahrradrekord auf der Wiwili-Brücke - Hipster, Bauarbeiter und Patrioten sind schuld

Marius Buhl

1,2,3: Die Wiwili-Brücke zählt jeden Tag sauertöpfisch die Radfahrer, die über sie hinwegbrausen. Eine schlafmützige Aufgabe. Der 26. Juni jedoch: ein Festtag! Noch nie sind mehr Radler über die Brücke geradelt. An was das wohl liegt?



Freiburg ist eine Fahrradstadt. Gäähn. Wissen wir. Christian Streich ist Radfahrer, am Rosskopf gefährdet die orgiastsiche Verbreitung dieser Spezies bereits die rare Gattung der Fußgänger und über Liegeräder und andere vegan-zahnlose Fortbewegungsmöhren haben wir genügend berichtet (und werden weiterhin berichten, klar).


Es gibt ja sogar eine Brücke in dieser Stadt, die nicht nur Lebensmüden Platz für ihre allabendlichen New-Yorker-Skyline-Gefühle bietet; nein, sie zählt auch noch Radfahrer (natürlich auch Liegeradler, Hochradler, Einradler, kurz: alle, die noch alle Räder am Rahmen haben).

Wir stellen uns das als eine ziemlich stoische Aufgabe vor: Immer nur zählen, das muss ennuyant sein. Vor allem: So viele sind es gar nicht, die die Brücke täglich überqueren. Nur gelegentlich steigt die Zahl der Radler über die 12.000. Im Jahr 2012 war das ein Mal der Fall, in 2013 schon sechs Mal. Nun wurden im ersten Halbjahr 2014 bereits acht Mal die 12.000 überschritten, davon drei Mal sogar die 13.000.

Nun aber die Pointe: Am  26. Juni, das ist der 791. Tag seit Beginn der Messungen, stellten die Freiburger Radler einen neuen Rekord auf. Und was für einen: 13.939 Velos rasten an diesem Tag über die Brücke. Fast wäre damit sogar die magische 14.000 gefallen, die immer forscher auf ihre Akzeptanz als neue Schallmauer pocht.

An was es liegt? Wir können da nur vermuten...

These eins: Die Hipster sind schuld. Urbane Vintage-Velo-Modernis haben das Rad wieder cool gemacht. Vergessen sind die Zeiten, in denen nur noch Kohlräble-affine Echtfreiburger Fahrrad gefahren sind, heute gehört das Fixie zur Urausstattung des urbanen Stilisten. Wer das nicht glaubt, sollte mal 10 Minuten vor den zentralen Sammelpunkt der Freiburger Hipsterjugend stehen - das Sedancafé.

These 2: Die Mauer ist schuld. Freiburg ist geteilt. Eine Mauer trennt Ost und West, und die einzig studentische Möglichkeit, auf die andere Seite zu gelangen, bietet das Rad. Straßenbahn fährt ja nicht mehr (ist auch ziemlich uncool, ehrlich gesagt).

These 3: Am Rekordtag spielte Deutschland gegen die USA. Und die schwarzrotgoldnen Patrioten waren sich nicht sicher: Public Viewing oder Kölner Botschaft? Das zigmalige Wechseln der Location ließ die Zähler nach oben eilen. Vermutlich ist die Lösung wie so oft: eine Mischung aus allen Dreien. Dass nun aber der oberflächlich-coole Hipster, der fleischfressende Bauarbeiter in der Innenstadt, und der deutsche Patriot die Radfahrerzahlen nach oben drücken - und damit die Kohlenstoffdioxidzahlen nach unten - ist die eigentliche Pointe der Geschichte. Ausgerechnet die Erzfeinde der Grünen bringen nun die klimatische Wende und retten damit die Welt.

Allen echten Öko-Hippies sei damit gesagt: Es sind raue Zeiten da draußen, raue Zeiten... 

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