Fahrradfallen in Freiburg: An diesen Stellen haben wir jeden Tag Nahtoderlebnisse

Freiburg, was ist mit Deinen Radwegen los? Du sonnst dich wahrhaftig in dem Ruf der Fahrradstadt, tatsächlich hast Du zahlreiche Stellen, an denen wir Radfahrer tagtäglich Angst um unser Leben haben müssen.

Ich weiß, Freiburger Radler haben oft nicht verkehrstüchtige Drahtesel (alles andere wird uns aber sofort unter dem Hintern weg geklaut!), wir fahren sehr oft ohne Licht und nehmen anderen und vor allem Autos manchmal die Vorfahrt. Aber auch wir kämpfen gegen Gefahrenstellen: Fußgänger, die nicht gucken, wo sie hinlaufen. Pokémon Go Spieler, die ganz plötzlich auf der Stelle verharren. Radwege, die auf einmal aufhören oder nicht ausgeleuchtet sind. Und in erster Linie: Baustellen!


Die gewöhnliche Verkehrsführung endet an solchen Stellen abrupt, Anarchie beginnt und irgendwie verhalten sich plötzlich sämtliche Verkehrsteilnehmer wie die Axt im Wald. Oft fehlen aber auch simple Radwege oder zumindest ausreichend Platz, um auf der Straße neben Öltankern und VW-Bussen sicher fahren zu können. Wir haben die Stellen in Freiburg gesammelt, bei denen wir jedes Mal Angst haben müssen, unser Leben zu lassen:



1. Schwarzwaldstraße in Richtung Littenweiler

Was ist da Problem?
Eine zweispurige Straße mit Tempo 50 (erst ab 22 Uhr: Tempo 30), auf der linken Seite befinden sich Straßenbahnschienen. Die Spuren sind so schmal gehalten, dass jeder Lkw, der vorbei zieht, den Radfahrern rechts daneben mindestens den Ellenbogen leicht anschrappt – überspitzt formuliert. Tatsächlich ist einfach kein Radweg vorhanden, obwohl die Schwarzwaldstraße eine absolut notwendige Anfahrtsmöglichkeit in Richtung Pädagogische Hochschule ist. Auf den Gehweg ausweichen kann man natürlich. Allerdings ist dieser an den meisten Stellen ziemlich uneben, hat etliche Risse und keine abgesenkten Bordsteine. Von den nicht erfreuten Fußgängern mal ganz zu schweigen.

Wie könnte das behoben werden?
Für einen Radweg ist kein Platz mehr, deshalb bleibt eigentlich nur die Option, sich pantherhaft durch die kleinen Parallelstraßen in der Wiehre zu schlängeln – oder sich seinen täglichen Nahtod auf dem Dreisam-Radweg zu holen. Der bosnische Jung-Schriftsteller Saša Stanišic hat diese Option allerdings bei einer Lesung in Freiburg herrlich sarkastisch mit den treffendsten Worten zusammen gefasst: "An der Dreisam entlang zu fahren, ist der absolute Krieg – und ich habe tatsächlich einen erlebt!

2. Stefan-Meier Straße, ab dem laotischen Restaurant "Rose" Richtung Zähringen

Was ist das Problem?
Schon von Merzhausen aus haben die Fahrradfahrer Richtung Bahnhof einen Fahrradstreifen für sich. In der Stefan-Meier Straße ändert sich das jedoch plötzlich. Der Streifen endet auf einmal im Nichts. Die einzige Möglichkeit, die zu bleiben scheint, ist rechts abzubiegen, doch was erwartet mich, wenn ich meinen Weg geradeaus fortsetzen muss? Die Straße wird enger und selbst für die Autos wird es knapp. Fahrradfahrer halten sich ganz weit rechts, wo sie auf kleine Hubbel stoßen (Überbleibsel des letzten Erdbebens), die einen schnell ins Wanken bringen und wenn man Pech hat, überholt einen in dem Moment ein Auto gefährlich nah. Oder aus den parkenden Autos steigen Insassen rücksichtslos aus und man wird Opfer einer geöffneten Autotür.

Wie könnte das behoben werden?
Einmal vernünftig werden, seinen Radstolz begraben und absteigen. Das Fahrrad auf dem Gehweg schieben und ein wenig Ruhe in die Raserei reinbringen. Da ich das selbst niemals tun würde, empfehle ich sehr mittig zu fahren und die Autofahrer außer Acht zu lassen. Wenn sie einen von hinten anfahren wird es teuer, also keine Angst, es verdirbt ihnen höchstens die Laune.

3. Tram-Haltestelle am Stadttheater und Platz der Alten Synagoge

Was ist das Problem?
Wegen des Umbaus des Platzes der Alten Synagoge ziehen sich Bauzäune von der Universitätsbibliothek bis hin zum Stadttheater, die nur noch einen viel zu schmalen Pfad für Fußgänger und Fahrradfahrer übriglassen. Die erste Hürde besteht darin, nicht mit den entgegenkommenden Radfahrern zu kollidieren oder gar eine Frau mit Kinderwagen zu rammen. Die zweite Hürde ist das Überqueren der Bertoldstraße an der Haltestelle Stadttheater: Hier muss man versuchen, nicht von der Tram überfahren zu werden und sich gleichzeitig im Slalom durch die ein- und aussteigenden Massen zu schlängeln.

Wie könnte es behoben werden?
Hier ist die einzige Möglichkeit abwarten und Fahrradhelm aufsetzen. Denn es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Bauarbeiten am Platz der Alten Synagoge abgeschlossen sind. Aber falls es mal einen Crash gibt (was nicht selten vorkommt) eilen meist Freiburger Studierende zur Hilfe, die auf den Stufen des Stadttheaters ihre Mittagspause in der Sonne verbringen.

4. Der Übergang an dem provisorischen Radweg an der Kronenbrücke, wo die Werthmannstraße die Schreiberstraße kreuzt.

Was ist das Problem?
An dieser Ampel gibt es keinerlei Kennzeichnungen, die den Rad- vom Fußgängerweg und die verschiedenen Richtungsströme voneinander trennen. Von beiden Seiten steuern deshalb Radfahrer und Fußgänger gleichzeitig aufeinander zu – treffen in der Mitte aufeinander und es entsteht ein riesiges Durcheinander, Zusammenstöße und Orientierungslosigkeit.

Wie kann das behoben werden?
Durch Bodenmarkierungen mit Pfeilen, sodass die Massen getrennt voneinander aneinander vorbeikommen und durch eine zusätzliche, klare Abgrenzung zwischen Rad – und Fußgängerweg.