Facebook verklagt StudiVZ: Hat es sich bald ausgegruschelt?

Carolin Buchheim

Der Wettbewerb zwischen Facebook und seinem deutschen Copycat StudiVZ wird nun vor Gericht ausgetragen: Facebook hat StudiVZ Ende vergangener Woche vor einem Gericht im kalifornischen San Jose verklagt, als Kopie das geistige Eigentum von Facebook zu missbrauchen. Wie gestern bekannt wurde, zog StudiVZ nach und reichte noch am Freitag Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart ein.



„StudiVZ hat nicht nur Facebooks Features gestohlen, sondern auch das Look and Feel, das Design, große Teile der Website-Funktionalitäten und andere Eigentumsrechte wie Style Sheets“ heißt es in der Anklageschrift. Ein Vergleich der beiden Websites zeige, dass diese virtuell identisch seien. Als Beweis für den Diebstahl führt Facebook unter anderem ein Interview mit dem StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani an, in dem dieser zugibt, sich am Facebook-Layout orientiert zu haben.


Die Ähnlichkeit der Seiten könne dazu führen, dass Nutzer zu dem Schluss kommen, dass es eine Verbindung zwischen Facebook und StudiVZ gebe. Da StudiVZ unkontrollierte Standards für Services, Features und den Schutz der Privatsphäre einsetze, sei dies negativ für Facebook. „StudiVZ hatte viele Daten- und Sicherheitslecks. Weil StudiVZ so viele Aspekte von Facebook kopiert hat, könnten die Nutzer zu dem Schluss kommen, Facebook leide unter denselben Datenschutz- und Sicherheitsproblemen, was nicht der Fall ist“, heißt es in der Anklageschrift.

StudiVZ reagierte gestern in einer Pressemitteilungvorhersehbar ungehalten.

"Nachdem es Facebook trotz aufwändiger Bemühungen bisher nicht gelungen ist, in Deutschland Fuß zu fassen, versucht man jetzt offenkundig, den Erfolg von StudiVZ gerichtlich zu behindern", wird StudiVZ CEO Marcus Riecke in der Pressemitteilung zitiert.

Zu konkreten Hinweisen auf eine direkte Kopie von Facebook durch StudiVZ wie den bereits 2006 entdeckten "Fakebook"-Ordnernamen in StudiVZ, der im Backend "Poke" genannten Gruschel-Funktion und den Aussagen von Gründer Dariani äußerte sich StudiVZ nicht. Das Unternehmen habe die Klageschrift noch nicht erhalten und könne daher noch nicht Stellung nehmen; die in Medienberichten erhobenen Vorwürfe gegenüber StudiVZ seien jedoch haltlos.

Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sollen der Klage monatelange Gespräche zwischen Facebook und StudiVZ vorausgegangen sein, die wohl nicht das erhoffte Ergebnis aus der Sicht von Facebook gebracht hätten. StudiVZ hat nun 20 Tage Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern oder seine Website umzubauen.

Die Führung eines Prozesses in Kalifornien würde StudiVZ und den Holtzbrinck Verlag wahrscheinlich viel Geld kosten. Kalifornische Gerichte erkennen nicht nur auf ein vielfaches höhere Schadenersatzansprüche als deutsche Gerichte an, selbst im Fall einer außergerichtlichen Einigung könnte StudiVZ die Angelegenheit mehre Millionen Dollar kosten. "Ich glaube, Facebook will damit auf die unfreundliche Tour Druck auf Holtzbrinck machen, den Laden in Deutschland an sie möglichst billig abzutreten", schreibtder deutsche Blogger Don Alphonso, langjähriger und lautester Kritiker von StudiVZ. "Betrachtet man frühere Fälle, könnte der Spass schnell einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, nebst Anwälten und einem Haufen Stress."

Nach eigenen Angaben haben die VZ-Websites StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ zusammen rund zehn Millionen Nutzer in Deutschland. Facebook ist mit weltweit mehr als 100 Millionen Nutzern das größte soziale Netzwerk der Welt. Facebook startete seine deutschsprachige Version erst im März diesen Jahres und hat nur rund eine Millionen deutsche Nutzer.

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