Extreme-Fensterputzing

Fabian

Fensterputzen in 60 Metern Höhe: für die Gebrüder Tuncel kein Problem. In einem kurzen Interview erzählen Garani und Yascar, was sie so alles zu sehen bekommen. Unter anderem Leute, die sich im Schritt nesteln und Co-Bundestrainer Jogi Löw.



Yascar (Bild unten rechts) und Garani Tuncel, beide eigenständig, reinigen den Bahnhofsturm schon seitdem er steht. Für mich haben sie sich kurz Zeit genommen und ausnahmsweise eine Mittagspause gemacht.




Habt ihr keine Angst da oben?

Yascar, 36: Nein, gar nicht. Wir sind ja an Sicherheitsgurten befestigt, unsere Wischer übrigens auch. Wobei das natürlich nichts bringt, wenn der Korb mal abstürzten sollte, dann fliegen wir halt mit. Angst haben wir keine, aber man muss schon schwindelfrei sein, sonst kannst den Job nicht machen. Ein Freund von uns wollte das einmal ausprobieren und hat nach einem Fenster aufgegeben. Dem war kotzübel.

Heute ist perfektes Wetter für euch oder?

Garani, 31: Nein, uns ist es lieber, wenn es bewölkt und windstill ist. Bei so einem sonnig warmen Wetter wie heute kondensiert das Putzwasser zu schnell auf den Scheiben und du kommst gar nicht mehr hinterher. Aber wenigstens werden wir heute schön braun, auch wenn's nur von einer Seite ist.

Geht man sich da nicht auf die Nerven, wenn man stundenlang in so einem Korb arbeitet?

Yaskar: Wenn du mit dem richtigen da oben bist, passt's schon. Aber monoton ist die Arbeit auf jeden Fall, wobei es in dieser Höhe noch am meisten Spaß macht. Dieser Beruf ist kein Zuckerschlecken, das ist ein Knochenjob. Manchmal sind wir bis zu sieben Stunden am Stück in der Luft. Du bist du dann echt froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Was bekommt ihr denn so alles zu sehen, auf der anderen Seite des Glases?

Garani: Die meisten Leute sind natürlich erst mal ziemlich überrascht, wenn sie uns in dieser Höhe sehen. Vor allem die in der Bar ganz oben. Manche verarschen uns dann und tun so, als ob sie uns etwas zu trinken geben, das aber nicht können, weil die Fenster nicht aufgehen. Jogi Löw haben wir übrigens gerade erst oben im Kagan gesehen. Der hat mit so zwei Typen gesprochen. Die sahen aus wie Schiedsrichter, wahrscheinlich hat er sie gerade bestochen (lacht). Ich kann dir jetzt auch sagen, was er getrunken hat: einen Tee mit drei Würfeln Zucker.

Und sonst so?

Garani: Manchmal entdeckt man morgens Leute, die in ihren Büros schlafen. Das ist schon irgendwie interessant. Es passiert auch schon mal, dass man sieht, wie sich einer schlaftrunken die Eier kratzt und halt keine Ahnung hat, dass wir alles sehen können.

Danke, Jungs, für das nette Gespräch!