Exportweltmeister

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass es in sehr vielen Sprachen der Welt deutsche Lehnwörter gibt? Der in englischsprachigen Ländern beliebte Kindergarten, den es bei uns wegen der Kindertagesstätten offiziell gar nicht mehr gibt, oder das französische Wort le waldsterben sind recht bekannt. In teils noch exotischeren Sprachen wurden deutsche Wörter übernommen, die nicht immer ein gutes Licht auf uns werfen.

Wie die deutsche Sprache von seinen Nachbarn beeinflusst wurde, so haben auch viele unserer Nachbarn deutsche Worte in ihre Sprache integriert. So sind vor allem technische Begriffe wie etwa šraube in vielen slawischen sprachen zu finden. Und unser Nachbar Österreich hat vor allem in der K.u.K.-Zeit viele kulinarische Bezeichnungen auf dem Balkan verbreitet.


Russland hat nicht nur zu Zeiten Peters des Großen Wörter wie schlagbaum oder rjuksak übernommen. Auch moderne Begriffe, für die wir Anglizismen verwenden, sind in russischen Wörterbüchern zu finden: Wer eine brandmauer in seinem Computer hat, ist auch vor russischen Viren geschützt.

Noch weiter östlich hat unser ehemaliges Brudervolk der Japaner ebenfalls den ryukkusakku einwandern lassen. Doch vor allem medizinische Begriffe wie messer für das Skalpell oder der orugasumusu zeigen nicht nur, dass im Japanischen nie zwei Konsonanten aufeinander folgen, sondern dass die dortige moderne universitäre Arztausbildung von vielen Deutschen mit aufgebaut wurde.

Auch weniger schöne Bezeichnungen wanderten sehr weit: Das von Sarkozy so gern für Pariser Vororte verwendete karcheriser ist nicht sehr weit gekommen. Ebenso wie die dänische Bezeichnung für die ehemals so beliebte Vokuhila-Frisur: Die heißt dort schicht bundesliga hår. Aber in der fernen ehemaligen Kolonie Papua-Neuguinea sind die Ausdrücke rinfi und saise in einer dortigen Kreol-Sprache hängengeblieben.

Während die hebräische Sprache das schöne Wort Strudel für das @-Zeichen benutzt, haben die Italiener mit uns sogar ein Wort getauscht: Was hierzulande als Razzia bezeichnet wird, nennen die Bewohner des Stiefels blitz. Die Norweger haben die für unsereinen eher sexuell konotierten Begriffe forspil und nachspiel für ihr Ausweichverhalten gegenüber den horrenden Alkoholpreisen übernommen. So bezeichnen sie das Trinken vor oder nach dem Kneipen- und Discobesuch. Dabei sind die Übergänge zwischen den Bedeutungen aber auch manchmal fließend.