Experiment Polyphasischer Schlaf: Was vom Schlafe übrig blieb

Marc Röhlig

fudder-Mitarbeiter Marc Röhlig war knapp zwei Wochen wach – elf Tage Dauerlernen bei insgesamt nur 22 Stunden Schlaf. Lohnt das Experiment? Taugt die Anstrengung zum Uberman? Ein Resümee.



Mensch-Maschine wollte ich werden, leistungsfähiger, effektiver! Schlafen können die anderen. Ich aber lerne, lebe, arbeite zeitunabhängig. Für fudder habe ich knapp zwei Wochen lang das Uberman-Modell getestet. Das ist ein polyphasisches Schlafmodell, das den Tag in sechs Einheiten zerteilt – und jede Einheit mit nur 20 Minuten Schlaf ausstattet. Alle vier Stunden habe ich mich hingelegt, mich selbst in eine Art Koma katapultiert, um danach wieder fit und fröhlich zu sein. So blieben mir zwei Stunden Schlaf am Tag – und 22 Stunden zur freien Verfügung. Oder anders gerechnet: Ein Tag schlafen auf zwölf Tage wach sein.


Es ist natürlich Quatsch. Das wusste ich vorher schon, meinte es zumindest zu wissen. Wie soll etwas effizient sein, dass man seinem Körper erst anerziehen muss? Eine Woche Umstellung sollte es dauern; nach gut fünf Tagen war ich im Rhythmus. Aber natürlich, gar erholsam, war es in keiner Minute.

Die ersten drei Tage waren schrecklich. Mein Körper fühlte sich dumpf an, abgenutzt und fiebrig. Ein bisschen wie nach einem durchfeierten Wochenende, nur ohne Alkohol-Kater – aber auch ohne Ich-weiß-schon-warum-Lächeln auf den Lippen. Dann folgte eine Hochphase. Und die hat mich ehrlich überrascht: Caro vom fudder-Team meinte zuvor noch, ich solle mich freuen, bald gehe ich „steil“. Tatsächlich hatte ich mich an den Schlafbeat gewöhnt, lachte alle aus, die müde in den Vorlesungen saßen oder gähnend über den Campus schlurften. Ich, Marc, habe den Schlaf bezwungen! Und was habe ich nicht alles gemacht … Bücher gelesen, Quellen aus dem Arabischen übersetzt, Aufsätze durchgearbeitet, Artikel geschrieben, an einer Homepage programmiert, Persischvokabeln gelernt … es gab immer was zu tun.

Und es musste immer was getan werden; diese Erkenntnis kam bald. Einfach mal einen Roman zur Hand nehmen, einfach eine DVD schauen oder auch nur in der Sommerwiese rumliegen – das ging plötzlich nicht mehr. Ich bekam Angst, einzuschlafen. Mein Körper wurde ab Tag neun richtig schlapp. Nicht mehr dieses Nach-Partywochenende-Schlapp – sondern ein tiefes, leeres Bin-Am-Ende.

Ein Teufelskreis setzte ein: Sport, Ausgehen, alles Aktives, konnte ich nicht machen, weil ich dafür zu müde war. Aber Entspannen konnte ich auch nicht, weil ich dafür ebenfalls zu müde war. Um mich selbst an den Rhythmus zu binden, musste ich einen Pakt mit dem Schreibtisch eingehen. Schlussendlich hinderte ich mich dadurch an dem, was mal Motivation für das Experiment war: Mehr Zeit haben! Ich schaute mir beim eigenen Zerfall zu.

Ich wollte vor Beginn des Experiments wissen, ob es die – eventuelle – Leistungssteigerung wert sein kann, sein normales Leben dafür aufzugeben. Klare Antwort: Nein. Nichts, was Körper und Geist kaputt macht, lohnt den Aufwand um ECTS-Punkte, Sitzscheine, Hausarbeiten, Praktika und Überstundenboni.

Es fühlt sich großartig an, wenn man viel schafft. Wenn man auf geschaffte, abgeschlossene Arbeit schauen und sagen kann: Das ist deine Leistung. Aber diese Leistung – das habe ich nun nach zwei Wochen ohne Erholung gemerkt – schmeckt nur noch dann, wenn man sie mit Entspannung in einen Kontrast setzen kann. Kein Arbeitstag ohne Feierabend – und kein Feierabend ohne Arbeitstag.

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