Experiment Polyphasischer Schlaf: Marc bleibt für fudder zwei Wochen wach

Marc Röhlig

fudder-Mitarbeiter Marc Röhlig studiert in Freiburg im Master. Arbeitet nebenbei als Multimedia-Journalist. Unternimmt viel mit seiner Freundin. Feiert gerne mit seinen Kumpels. Möchte aber auch noch Bücher lesen, Sport treiben, Filme gucken, alles auf einmal. Der Mann hat keine Zeit! Für fudder gibt er daher das Schlafen auf.

Ich mache heute durch. Und morgen. Übermorgen auch und überhaupt die nächsten beiden Wochen lang. Mindestens. Okay, ich werde nicht komplett wach sein. Zwei Stunden Schlaf pro Tag, die gönne ich mir; 120 Minuten, klein gehackt und über den Tag verteilt.


Warum? Um besser zu werden, schlauer, schneller, produktiver. Eine Mensch-Maschine!

Ich werde den so genannten Uberman-Schlaf versuchen. Das ist ein alternatives Schlafkonzept, natürlich von irgendwelchen Hipstern in New York gefeiert, wenn auch nicht erfunden. Der Uberman-Schlaf gehört zu den polyphasischen Schlafmustern. Die meisten Menschen schlafen mono, also einmal am Stück und nachts. Dem gegenüber stehen polyphasische Methoden wie die zwei-phasische Schlafeinheit oder der Everyman. Als härteste Gangart zählt der Uberman; die Verenglischung von „Übermann“. Hier schläft man alle vier Stunden für 20 Minuten.

Das Ziel ist es, den Körper an kurze Schlafphasen zu trainieren, um so direkt in die REM-Phase zu rutschen. Die REM-Phase ist jener Moment der Nacht, in dem der menschliche Körper am meisten entspannt und am häufigsten träumt. Tiefschlaf. Der Rest davor und danach ist bloße Entspannung. Im Elite-Uni-Zeitalter nennt man das: uneffektiv. Wer etwas auf sich hält, kürzt dem Schlaf die Gammelphasen und lebt nur noch mit maximaler Erholung bei minimalem Zeitaufwand. In New York gibt es genügend Hipster, die ihr Leben in Uberman-Schlafgruppen organisieren. In Deutschland hat man das Polyphasen-Modell bisher ... nun ja ... verschlafen.

Dennoch, ich wäre ja nicht der erste, der sich in einer Art immer Selbstverdauung höheren Zielen verschreibt. Arbeitsmaximierung durch Schlafmangel, die Selbstkasteiung nach Zeituhr haben schon da Vinci und Edison und Woyzeck ausprobiert. Nun, von den Erstgenannten behauptet man es. Und der Dritte ist fiktiv.

Ich hingegen mache es real: Mindestens eine Woche dauert die Umstellung, sagen Experten. Langweilig sei es dann erst mal, weil dir plötzlich so viel neue Freizeit offenbar wird. Nun, ich fühle mich derzeit, als könne ich gar nicht genug zusätzliche Zeit erhalten. Vier Hauptseminare will ich in diesem Sommer besuchen, außerdem eine neue Sprache lernen. Für fudder und andere Medien habe ich zudem Recherchen laufen: mein Zubrot. Und weil mir das alles zwar Spaß macht, mich aber nicht ausfüllt, will, will, will ich jede Menge Freizeit obendrein.

Für fudder werde ich ab jetzt zwei Wochen lang den Uberman austesten und in diesem Blog davon berichten. Ich bin dabei – offen gestanden – selbst eher skeptisch eingestellt: Wie kann ich morgens in den Armen meiner Freundin aufwachen, wenn ich nur 20 Minuten habe, um mich ihr unterzujubeln? Wie soll ich mit meinen Kumpels ins Kino, wenn zwischendurch die Ohrenstöpsel rein müssen? Das Power-Napping wird mir den Tagesrhythmus zerschießen, es wird mich unsozial machen. So viel steht fest. Die Frage, die mich neugierig macht: Ist eine eventuelle Leistungssteigerung das wert? Werde ich tatsächlich zum „Übermenschen“, oder mache ich mich zum „Nap-Depp“?

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