Experiment: Freiburger Studierende wohnen in Containern

Alina Bornkessel & Julia Wadle

Wohncontainer als Alternative zur Studentenbude. Das testen derzeit vier Studierende im Rahmen eines Wohnexperiments. Miete Zahlen sie keine- die übernimmt die Badenova:



"Bis jetzt ist es auf jeden Fall eine coole Erfahrung", meint Michael Sonnde. Die Rede ist von der Teilnahme am Pilotprojekt "addhome study", das von dem Energieunternehmen Badenova finanziert wird. Die Firma Kramer aus Umkirch hat dazu Container in möblierte Wohnmodule umgebaut, die am Alten Güterbahnhof im Freiburger Stadtteil Brühl stehen.


Seit einem halben Jahr wohnen vier Studenten in den Containern, im August endet das Projekt. Michael Sonnde wurde aus vielen Bewerbern für ein Wohnmodul ausgewählt. Nach sechs Monaten ziehen er und sein Nachbar Tobias Hornung Bilanz.

"Anfangs war ich misstrauisch gegenüber dem Projekt, meine Eltern wussten auch nicht, was sie davon halten sollen.", erzählt der 24-jährige VWL-Student. Ein Freund habe ihm einen Link von dem Projekt geschickt, "es hat sich angehört wie ein Gewinnspiel." Trotzdem hat er sich beworben – und eine Zusage bekommen. Zwei Wochen später wohnte er dann schon in dem Container, das Misstrauen verschwand.

Ein halbes Jahr zahlte die Badenova

Das war im vergangenen Oktober. Rückblickend "echt gut" findet Michael, dass bis jetzt nur 100 Euro Nebenkosten pro Monat zu zahlen waren. Badenova finanzierte ein halbes Jahr lang die Miete für die vier Studenten. Obwohl er ab jetzt 200 Euro Miete im Monat zahlen muss, freut sich Sonnde auf den Sommer. Gemeinsam mit den anderen Containerbewohnern im lauschigen Innenhof zu sitzen und per Beamer die Fußball WM im Juni und Juli zu verfolgen.

Um Lärmbelästigung müssen sie sich keine Sorge machen, "hier am Güterbahnhof ist es recht abgeschieden, da können wir abends so laut sein, wie wir wollen". Die Abgeschiedenheit hat aber nicht nur Vorteile: Nach dem Einzug wurde die Post oft falsch abgegeben. "Inzwischen findet uns aber der Briefträger".

Für den 22-jährigen VWL-Student Tobias Hornung sind in seinem Wohnmodul die Decken und Wände ein persönliches Highlight. Diese sind magnetisch, also perfekt, um alles Mögliche dranzuhängen.

Die vier Studenten bewohnen drei Container. Ein Einzelcontainer, ein energieautarker Einzelcontainer und ein Doppelcontainer mit zwei Schlafzimmern und gemeinsamem Bad und Küche. Die Container sind zwischen zweieinhalb und drei Metern breit und zwischen sieben bis achteinhalb Meter lang.

Nur die Waschmaschine fehlt

Für Tobias ist sein Passivmodul das Beste: "Im Winter hatte ich es immer schön warm, ohne viel heizen zu müssen." Die Container sind alle möbliert, schließlich muss man in einem Container genau planen, wie man Schlafen, Wohnen und Arbeiten unter ein Dach kriegt. Michael fände eine Waschmaschine praktisch. Die passt aber leider nicht rein. "Bei größeren Containersiedlungen könnte man in Zukunft einen Waschraumcontainer hinzustellen" schlägt Frank Gremmelspacher, Leiter der Marketingabteilung bei Kramer, vor. Er betreut das Projekt "addhome study".

"Die Container können eine Lösung für Wohnraumknappheit sein", erklärt er. Da man bis zu drei Container übereinander stapeln kann, können auch auf kleinem Raum relativ viele Studierende untergebracht werden. Bereits mehrere Anfragen hat Kramer nach Gremmelspachers Angaben bekommen, und auch Privatpersonen interessieren sich für die mobilen Wohneinheiten.

Wie es mit den Containern nach Ende des Pilotprojekts weitergehen soll, ist nach Auskunft Gremmelspachers noch nicht klar. Wenn es nach Tobias Hornung geht, würde er gerne weiter dort wohnen, denn "wer hat schon Lust, in Freiburg eine Wohnung zu suchen?"

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[Foto: Michael Bamberger]