Digitaler Sport

Ex-SC-Trainer Robin Dutt wechselt zum E-Sport – als Berater

sid & Julia Dreier

Robin Dutt war Trainer beim SC Freiburg – jetzt steigt der ehemalige DFB-Sportdirektor als Berater in die E-Sport-Szene ein. Bei den Fußball-Bundesligisten sieht Dutt deutlichen Nachholbedarf.

Freiburgs ehemaliger Cheftrainer wechselt die Seiten – vom Fußballfeld auf die digitale Spielwiese: Robin Dutt ist nun Berater im E-Sport. Die Münchner Agentur ESportsReputation GmbH mit Sitz in Berlin meldete die Verpflichtung des Ex-Trainers und DFB-Sportdirektors. Dutt werde Beiratsmitglied und Berater, meldet die Agentur.


"Diese Lawine ist nicht aufzuhalten, aber wir pennen in Deutschland." Robin Dutt
Damit springt Dutt auf einen der größten Trend der vergangenen Jahre auf: "Diese Lawine ist nicht aufzuhalten, aber wir pennen in Deutschland", sagt Dutt, der den SC Freiburg als Nachfolger von Volker Finke von 2007 bis 2011 trainierte. Dutt will mithelfen, das Phänomen E-Sport in Deutschland auf ein höheres Niveau zu hieven. "In Frankreich und den Niederlanden ist jeder Klub zu einer E-Sports-Abteilung verpflichtet", sagt Dutt "davor können wir uns doch nicht verschließen".

Bisher mischen nur zwei Vereine mit – aber weitere wollen einsteigen

"E-Sport wächst schneller als jede andere Sportart", sagt Ralf Müller vom Sportrechtehändler Lagardère, im Mai in der BZ. Wobei sich viele, wie zuletzt im Bundestag, noch nicht dazuhinreißen lassen, den digitalen Sport als Sport zu bezeichnen. Doch auch deutsche Bundesliga-Vereine sind schon auf den Zug aufgesprungen – wenn auch nur zwei der 18 Bundesligisten: Schalke 04 und VfL Wolfsburg haben Spieler der Fußball-Simulation Fifa unter Vertrag.

Bei einem Fifa-Turnier des VfL Wolfsburg sieht das dann so aus:



Zudem betreiben die Schalker ein Team des Fantasy-Strategiespiels League of Legends (LoL). Die Deutsche Fußball Liga (DFL) richtet die Virtuelle Bundesliga aus – das war’s bislang. Unter anderem Asien ist da schon weiter: Dort wird E-Sport 2022 Bestandteil der Asienspiele, sportliche Wettkämpfe im Stil der Olympiade, sein.

Aber auch andere Vereine wollen nun im – durch Sponsoren lukrativen – digitalen Geschäft einsteigen. So meldet das Gamer-Magazin "Games Wirtschaft", dass die Pläne ein E-Sport-Team aufzustellen, bei der TSG Hoffenheim am weitesten gediehen scheinen – und zitiert den Verein aus dem Kraichgau: "Gerade als innovativ aufgestellter Verein blicken wir immer wieder über den Sport hinaus und analysieren Entwicklungen gerade auch auf dem digitalen Markt. Die Dimensionen, die E-Sport angenommen hat, geht weit über ein Nischendasein hinaus."

Für den SC Freiburg keine Option

Andere, kleinere Vereine wiederum scheinen abzuwarten – oder der Entwicklung skeptisch gegenüberzustehen. So wie der SC Freiburg. "Games Wirtschaft" schreibt: "Aufsteiger Freiburg betont unmissverständlich, sich nicht mit dem Aufbau einer E-Sport-Abteilung zu beschäftigen und möchte stattdessen ’die Kids selbst zum Kicken bewegen’."

Die Agentur ESportsReputations betreut aktuell rund 30 der erfolgreichsten Fifa-Spieler aus Deutschland, der Schweiz und aus Österreich, darunter den Europameister und zweifachen Deutschen Meister Cihan Yasarlar – der bislang bei Schalke unter Vertrag war. Die Agentur selbst beschreibt, dass ihre Betreuung der Fifa-Spieler "nicht nur das technische und taktische Gaming sondern auch die Themen Schule und Studium, Aus-und Weiterbildung, Fitness und Ernährung sowie mentales Coaching und die Vermittlung von Sponsoren" abdecke.

Wie passt ein Fußball-Trainer in den E-Sport?

Wie Robin Dutt da hinein passt? "Wir hoffen darauf, dass in gemeinsamen Projekten wichtige Erkenntnisse für die Fifa-E-Sport-Profis, die Millionen Fifa-Amateur-Spieler aber auch für Vereine entstehen", teilt Agentur-Chef Michael Berchtold in einer Pressemitteilung mit.

Auch der ehemalige Bundesliga-Trainer Dutt kommt dort zu Wort: "Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche Bedeutung Fifa-E-Sports bei den Fußball-Profis in deren Freizeit spielt." Der 52-Jährige beschreibt seinen Einstieg als "spannenden Versuch, herauszufinden, ob und wie Aspekte der Talentförderung, der Ausbildungs-, Fitness - und Trainingsplanung sowie der Taktik aus dem "realen" Fußball in die Welt des digitalen Fußballs transformiert werden können."

Aber wie genau soll das aussehen? Agentur-Direktor Joshua Begehr erklärt: "Derzeit gibt es noch keine professionelle Trainingslehre, kaum mentales Coaching oder Ernährungsrichtlinien für die Fifa-Profis, von denen auch die Millionen Fifa-Amateurspieler lernen könnten." Dabei würden die meisten Fifa-Topspieler in Europa mehr als die Bundesligaprofis im realen Fußball trainieren – nämlich bis zu 10 Stunden täglich.

Neue und vor allem junge Zielgruppen erschließen

Laut Ex-Bundesliga-Trainer Dutt gibt es aber noch einen anderen Aspekt – und unterstützt damit die Analysen der Bundesligisten aus Schalke und Wolfsburg: E-Sports könne sich neue und vor allem junge Zielgruppen erschließen. Und das sei nötig: "Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn die Unter-30-Jährigen bald nicht mehr ins Stadion kommen. Junge Leute leben heute in einer anderen Welt, fast einer Parallelwelt. Da müssen wir alle über den Tellerrand hinausschauen."

Nun will der 52-Jährige Kontakte und Strukturen herstellen. Wichtig ist Dutt auch, dass Jugendliche "nicht den ganzen Tag vor der Konsole sitzen", sondern auch die Schule ernst nehmen.

"Wenn’s im Fußball weitergehen sollte, super!" Robin Dutt
Zur E-Sports-Szene kam Dutt durch seinen mittlerweile 20 Jahre alten Sohn. Dabei interessieren ihn besonders die sozialen und gesellschaftlichen Phänomene, die mit E-Sports einhergehen. "Auf der einen Seite haben wir die ganzen Konflikte in der Weltpolitik, auf der anderen Seite sehe ich junge Menschen, die sich online duellieren, dabei aber auch kommunizieren und sich austauschen", sagte Dutt weiter.

War’s das also mit Dutts Karriere im klassischen Fußball? Nicht unbedingt, sagt er: "Wenn’s im Fußball weitergehen sollte, super! Aber sonst habe ich auch andere Standbeine."