Everyone get in, even all you misfits

Carolin Buchheim

Wir waren ja ganz schön gespannt, wie Rock, der jeden Verdacht auf Hodigkeit weit von sich weist sich denn nun live anhören würde, denn das neueste Album von Blackmail, Aerial View, hatte uns schon recht gut gefallen. Also sind wir gestern Abend in die Kaserne nach Basel gefahren.



Was genau die 'Nicht-Hodigkeit' der Musik letztendlich ausmachte, können wir leider heute immer noch nicht sagen. Aber dafür können wir sagen, wie es war: nämlich erstklassig --> (Mit Videos und Gewinnspiel!)


Der Rossstall der Kaserne war gestern Abend gut gefüllt, unverdienter weise aber nicht ausverkauft. Zunächst demonstrierten Revolt , drei aufstrebende junge Herren aus Berlin, auf beinahe klassisch zu nennende Art und Weise, was eigentlich gut gemachter Alternative Rock ist.



Sänger Abels Stimme erinnerte an Placebos Brian Molko , allerdings ohne den Eindruck zu erwecken, Molko imitieren zu wollen, und zusammen mit seinem krachigen Gitarrenspiel, der posig dargebotenen fetten Basslinie von Bassist Matze und den krawalligen Drums von Drummer Tobi war das alles insgesamt nicht nur sehr viel besser als das, was man üblicherweise als Vorgruppen-Fudder angeboten bekommt, sondern auch absolut passend für ein Blackmail-Publikum.

Zudem scheint den Drei verdienterweise Großes bevorzustehen: ihr Debütalbum erscheint im Mai bei Vertigo/Universal. Respekt! Wir halten Ihnen die Daumen, dass sie sich nicht wie Ihre erfolgreichsten Labelkollegen bald Lidstriche um die Augen malen oder das Bandlogo in den Nacken tätowieren lassen müssen.

Nachdem ein Roadie nicht nur Handtücher bereit gelegt hatte, sondern auch Thai-Räucherstäbchen undefinierbarer Geruchsnote angezündet hatte, starteten auf zwei runden Leinwänden Videoprojektionen, und die Herren Blackmail betraten die Bühne und begannen mit 'Couldn't care less' ein - wie EchteJournalisten? - sagen würden, 80-minütiges

Rockfeuerwerk. Ein altbekannter Fan in der ersten Reihe wurde mit Handschlag begrüsst, während der Rest der ersten Reihe sich hüpfenderweise erst die T-Shirts vom Leib riss um dann auf dem Bühnenrand Kopulation vorzutäuschen. Ja, das war wirklich so, und wir wünschen uns, wir hätten das gefilmt, um es den Beteiligten heute morgen, wieder ausgenüchtert, mal zu zeigen. Lustig anzusehen war das, und Blackmail Fronstänger Aydo Abay fand die Aktion offensichtlich ebenso unterhaltsam wie wir.

Blackmail spielten sich extrem energetisch, mit den mal treibenden, mal schwurbeligen Gitarren von Kurt Ebelhäuser, dem knarzigen Bass von Carlos Ebelhäuser und den super-tighten Drums von Mario Matthias zu gleichen Teilen durch 'Aerial View' und das Vorgängeralbum 'Friend or Foe?' und durch eine handvoll älterer Songs, die vom überraschend jungen und sehr enthusiastischen Publikum mit Begeisterung aufgenommenen wurden. Ein Highlight des Abends ganz klar Moonpigs, dessen lakonischer Chorgesang und grossartige Melodie den perfekten Raum für Kollektiv-Taumel, Mitsing-Orgie und Stage-Diving boten. And by the way I'm out of control. Ja! Ja! JA!

Der Abend endete, nach drei mit Nachdruck eingeforderten Zugaben, mit einer dreizehnminütigen Inszenierung des Songs Friend voller grosser Soli aller Beteiligten. Wenn schon exzessive Gitarren, dann bitte so. Ganz wunderbar, alles.



Insgesamt war es ein tadellos rockender Abend voller gut gemachter, großer Musik, mit wohldosiertem Exzess und Kollektivgefühl der guten Art. Zu dumm nur, dass wir das mit der fehlenden 'Hodigkeit' nicht so richtig verstanden haben. Macht aber auch Nichts. - Vielleicht kann uns das ja jemand erklären, wenn Blackmail diesen Sommer nach Freiburg kommen.

Wir freuen uns schon jetzt drauf.

Fotos: Photo-Set @ Flickr

GEWINNSPIEL!



Bitte beantwortet folgende Frage: Wie heißen die Revolt Universal-Label-Kollegen mit den Lidstrichen und dem Bandtattoo im Genick?

Emails mit der richtigen Antwort und mit Angabe Eures Namens und Eurer Adresse bitte bis Mittwoch, 22.März, 18:00 Uhr, an info@fudder.de. Unter allen Richtigen Einsendungen verlosen wir 3 Revolt Two-Track Promo CDs. Wenn Revolt so erfolgreich werden wie besagte Labelkollegen, dann sind das vielleicht bald echte Sammlerstücke!