Evas explosive Küchenabenteuer

Eva Hartmann

fudder-Gewichtshalbiererin Eva berichtet in der neuen Folge ihres Blogs von der Explosion in ihrer Pantry-Küche, ihren Pump! gestärkten Muskeln, die beim Heimwerken äußerst nützlich sind, neuen Longsleeves in Größe 44/46 und neuen spaßigen Episoden mit unverschämten Verkäuferinnen. Und auch von den zwei Kilogramm, die die Waage gerade mehr anzeigt.

Nachdem die letzten Blogeinträge eigentlich immer ein bestimmtes Thema verfolgt haben, gibt es heute mal ein hübsches Medley verschiedenster Neuigkeiten.Nicht jede davon hat direkt etwas mit Gewichtshalbierung zu tun, aber – nunja, innerhalb einer Woche tut sich, zumindest rein diät- und sporttechnisch, nicht immer so viel, dass man gleich wieder zwei bis drei Seiten damit füllen könnte. Diese Woche erst recht nicht, denn ich war statt der üblichen vier Male nur drei Male im Studio. Die erste Neuigkeit hat damit zumindest indirekt was zu tun – nämlich insofern, dass sie mich davon abgehalten hat, mein übliches Wochenpensum an Sport zu erledigen.


Und was ist nun passiert? Meine Küche ist explodiert. Jawohl. PiffpPaffPoff, alles am Arsch.

Bei dem, was sich während der letzten fünf Jahre meine „Küche“ genannt hat, handelt es sich um ein mindestens 30 Jahre altes Pantryküchen-Modell im Einbauschrank. Rein rechnerisch muss das Ding noch älter sein, denn bei der ersten Schadensbeseitigung fand ich eine alte Teetüte, auf der ein Haltbarkeitsdatum von 1974 aufgedruckt war. Unten in dieser Küche befand sich ein winziger, nicht mehr richtig funktionierender Kühlschrank, oben zwei Kochplatten (von denen eine vor etwa einem Jahr den Geist aufgegeben hatte),
ein Spülbecken in der Größe einer Vogeltränke und ein paar Regale.

Alles in allem war diese sogenannte „Küche“, trotz intensiver hygienischer Bemühungen meinerseits, ein versiffter Haufen uralter Elektrik, weswegen ich nicht gerade traurig darüber bin, dass nun eine neue fällig wird.
Auf den Knall, die Stichflamme und den Rauch, mit dem das alte Ding sich verabschiedet hat, hätte ich trotzdem gerne verzichten können. Die Zeit, die ich an den folgenden Abenden im Fitnessstudio hätte verbringen sollen, ging nun für das Wälzen zahlreicher Küchenkataloge, dem Surfen nach Pantryküchen im Internet und so manchen Besuch im Baumarkt drauf. Ergebnis: vergangenen Samstag fand mein Training zu Hause statt - in Form von Möbelrücken, Alte-Küche-Abreißen, den dahinter befindlichen Dreck der letzten 30 Jahre entfernen und streichen.

Die unzähligen Male, die ich während dieser fünfstündigen Aktion mit schweren, dreckigen Küchenteilen nach unten zum Sperrmüll und anschließend wieder hochgelaufen bin, machten – immerhin wohne ich im dritten Stock - locker eine halbe Stunde auf dem Crosstrainer wett. Beim Zerlegen des Küchenmonsters mit der Brechstange kamen mir meine PUMP!- Muckis sehr zugute – und mein Vater staunte nicht schlecht, als ich den Kühlschrank alleine nach draußen brachte.
Alles in allem war das sicherlich nicht weniger anstrengend, als mein übliches Samstagspensum im Fitnessstudio. Wenigstens werde ich mir danach, wenn eine Woche später meine neue Küche eingebaut worden ist, mein ernährungspolitisch korrektes Tofuschnitzel auf einem Cerankochfeld und unter einer Dunstabzugshaube zubereiten können – welch Luxus!

A propos Kochen: Selbiges war natürlich in Ermangelung einer funktionierenden Küche während der letzten Woche praktisch nicht möglich. Also musste ich mir mein Essen weitestgehend in irgendwelchen fremdländischen Take-Aways besorgen – ist an sich ja kein Problem, wenn man aber kaum Kohlehydrate essen darf, fällt die Pizzeria an der Ecke schon mal von Anfang an weg.
Gut, Thunfischsalat kann man da kaufen, sonst aber auch nichts.
Auch die Köstlichkeiten vom Dönermann sind fast immer in Kohlehydrate eingewickelt. Und von dem, was man beim Thai ohne Nudeln oder Kohlehydrate bekommen kann, wird man nicht satt. Es stand also schnell fest, dass ich Kompromisse eingehen musste. Ich entschied mich, mein Essen hauptsächlich auf Salate und Sachen vom Thai-Imbiss zu reduzieren - Gemüse und Fleisch sind ja okay und Reis hat wenigstens verhältnismäßig wenige Kohlehydrate. Leider schlugen sie sich dennoch ziemlich auf mein Gewicht nieder: Ganze zwei Kilo habe ich wieder zugenommen. Wie sehr mich das frustriert, brauche ich vemutlich nicht zu beschreiben.


Der Ärger über die Gewichtszunahme wurde durch eine weitere Begegnung mit einer Verkäuferin noch geschürt. Diesmal grämte ich mich über eine Verkäuferin in der kleinen Drogerie, in der ich während der Uni und vor dem Arbeiten oft was zu trinken und andere Kleinigkeiten besorge; auch meine Chefin und meine Mutter sind dort bestens bekannt. Nun stand ich dort also an der Kasse, als sich folgender Dialog ergab:

Kassiererin (sächselnd): „Gehen’se noch ins Jeschäft?“

Ich: „Ja, jetzt gleich.“

K.: „Nehm’se zwee Nickeläuse mit fier de Mama un de Scheffin? Ihnen würd isch ja och ein jeben, aber de Mama hat jesacht, se sin off Diät, et is dies Jahr nüscht mit Süßkram zum Nickelaus.“

Ich: „Soso. Ja, ich kann die Dinger mitnehmen. Ich steh eh nicht so auf Süßigkeiten.“

K.: „Nee? Ehrlich wahr? Na, de Mama hat jesacht, se missen abnehmen.“

Ich: „Tu ich ja auch. Das heißt aber nicht, dass ich zuviel Süßigkeiten gegessen habe. Man kann auch anders dick werden.“

K.: „Neja. Wollnse einen? Ich jebe Ihn’ ja jerne einen.“

Ich: „NEIN. Ich will Ihren Nikolaus nicht!“

Grrr. Was mischen sich Leute eigentlich immer ungefragt in meine Gewichtsprobleme ein? Was soll das? Und warum zum Henker tun sie das offensichtlich nur bei Übergewichtigen?
Vermittelt Übergewicht das automatische Vorhandensein eines „dicken Fells“, mit dessen Hilfe der oder die Betroffene Anspielungen und direkte Ansprachen ganz locker wegstecken können muss? Ich weiß es nicht – jedenfalls finde ich es doch irgendwie ein wenig unangebracht einfach so, und noch dazu vor einer längern Schlange wartender Kunden hinter mir, lauthals über meine Gewichtsprobleme herumzukrakeelen.

Vielleicht werde ich mich demnächst rächen und die werte Dame darauf ansprechen, warum sie sich die behaarte Warze an ihrem faltigen Hals noch immer nicht hat entfernen lassen.

Dass ich wieder zwei Kilo mehr drauf habe, scheint meinen Freunden und Bekannten seltsamerweise nicht aufzufallen – viermal werde ich während dieser Woche lobend bis bewundernd auf meine etwas schlanker gewordene Figur angesprochen.
Ich versuche mich damit, und mit der Tatsache, das auch meine neueste Hose schon wieder zu rutschen beginnt und ich außerdem problemlos in zwei neu erworbene Longsleeves in Größe 44/46 hineinpasse, über Wasser zu halten und nicht weiter über die Gewichtszunahme nachzudenken.

Den Platz, den das in meinem Kopf einnehmen würde, brauche ich derzeit für andere Dinge: Ich habe noch immer Unmengen an Uniarbeit zu tun und gehe „nebenher“ derzeit drei verschiedenen Jobs nach, um die anstehenden Studiengebühren irgendwie zusammenzukriegen. Dazu kommt noch der Stress mit der Küche und ein paar Probleme im privaten Bereich - in dieser Situation wäre zuviel Denken tödlich – ich muss einfach funktionieren und mich daran festhalten, dass dieser ganze Stress irgendwann auch mal wieder vorbei sein wird.

In diesem Zusammenhang hoffe ich auf Euer Verständnis dafür, dass mein Blogeintrag diese Woche vielleicht etwas weniger umfangreich und interessant ist. Für die nächsten Wochen sind ein paar kleine „Leckerli“ geplant, die dieses Defizit wieder ein wenig ausgleichen werden.