Europass: So kommst Du günstig von Freiburg nach Straßburg

Till Neumann & Philipp Barth

Gerne singt die Politik das Hohelied auf die grenzüberschreitenden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Nur bei der Mobilität hapert es noch gewaltig, denn die Tarife der Deutschen Bahn machen wenig Lust auf einen Besuch beim Nachbarn. Nicht verzweifeln! Wir tun etwas für die Deutsch-Französische Verständigung und zeigen euch, wie ihr günstig von Freiburg nach Straßburg kommt: Mit dem Europass.

35,40 Euro! Soviel möchte die Deutsche Bahn für die Fahrt von Freiburg nach Straßburg und zurück, im Nahverkehr wohlgemerkt. Und das obwohl es noch nicht einmal eine Direktverbindung zwischen den beiden „Oberrheinmetropolen“ gibt. Mit Umsteigen in Offenburg zieht sich die 80-Kilometer-Fahrt auf gut eineinhalb Stunden. Doch 35,40 Euro sind nicht das letzte Wort, denn mit dem Europass geht es deutlich günstiger.


 

Was ist der Europass?

Der Europass ist das Verbundsticket des Ortenaukreises und kostet 7,80 Euro für eine Person und zwei Kinder. Er gilt 24 Stunden im Tarifverbund Ortenau (TGO) und grenzüberschreitend in der gesamten Stadtregion Straßburg, also auch für Tram und Bus. Der Europass-Family gilt für zwei Erwachsene und zwei Kinder und kostet 11,80 Euro.

Von Freiburg aus muss man also nur die Strecke in den Ortenaukreis überbrücken, erster Halt dort ist Ringsheim. Kombiniert man den EUROPASS mit dem Normalticket nach Ringsheim, einem Semesterticket oder dem Baden-Württembergticket, dann kann man richtig sparen. Nämlich bis zu drei Viertel des Normalpreises (siehe Rechenbeispiele unten). Nur: am DB-Schalter in Freiburg kriegt man den Europass nicht. Auch Informationen dazu sucht man hier vergebens.



Stefan Preuss vom TGO, der den Europass anbietet, würde genau das gerne ändern. „Wir wissen, dass viele Freiburger gerne unser Ticket in Freiburg am Bahnhof kaufen möchten. Der Regio-Verbund Freiburg (RVF) hat das aber auf TGO-Anfrage in Abstimmung mit der Deutschen Bahn abgelehnt." Warum sie abgelehnt haben, liegt auf der Hand: Die Deutsche Bahn würde dann weniger eigene Fahrkarten verkaufen. An Bahnhöfen gibt es den Europass deshalb nur dort, wo er auch gilt.

„Es ist ein Witz, das Verkaufsgebiet für den Europass zu beschränken“, findet Salvatore Scarcella vom Reisebüro Mobile direkt am Freiburger Hauptbahnhof. „Dieses günstige Angebot darf man den Leuten nicht vorenthalten.“ Deshalb bietet das Reisebüro den Europass an.

Die Tickets kommen direkt vom TGO aus dem Ortenaukreis, einen Aufschlag gibt es nur für Tickets zum beliebigen Fahrtantritt, die Tickets zum sofortigen Fahrtantritt kosten reguläre 7,80 Euro. Auch das Reisebüro Gleisnost am Theater in Freiburg hält die Tickets bereit, es erhebt allerdings in jedem Fall eine Servicegebühr.

Wie kombiniert man den EUROPASS mit der RegioKarte oder dem Semesterticket des RVF?

Herbolzheim ist die letzte Station im Regio-Verbund Freiburg (RVF), Ringsheim die erste Station im Tarifverbund Ortenau (TGO). Dazwischen klafft ein Tarif-Loch, die Verbundsgrenze.

Das Semesterticket der Universität Freiburg wie auch die RegioKarte gelten nur im RVF, also genau bis Herbolzheim. Um in die Tarifzone des TGO und damit des EUROPASSES zu gelangen muss man also zusätzlich ein Ticket von Herbolzheim nach Ringsheim lösen, für zwei Minuten Bahnfahrt. Das sei die „typische Kleinstaaterei“ der Verbünde, wie ein DB-Mitarbeiter am Hauptbahnhof Freiburg anmerkt.

Stefan Preuss vom TGO sieht das anders. Für ihn ist es vor allem die Deutsche Bahn, die blockiert. „Würde man für den EUROPASS die Verbundsgrenze aufheben, würde die Deutsche Bahn weniger Fahrtkarten verkaufen. Diesen Verlust wollen sie von dritter Seite ausgeglichen haben.“ Also von den Kreisen oder dem Land. Doch die sehen es nicht ein, die Kosten zu übernehmen. Solange sich hier die Verbände, die Deutsche Bahn und die Politik nicht einigen können, wird man wohl auch langfristig nur mit Eigeninitiative und der Kombination mehrerer Tickets günstig nach Straßburg kommen.



Rechenbeispiele mit EUROPASS:


1. Ein Erwachsener fährt zum Shoppen nach Straßburg

Regulärer DB-Preis: 35,40 Euro
Kombination Normalticket nach Ringsheim und EUROPASS: 22 Euro (14,90 Euro mit Bahncard 50) inklusive Tram und Bus in Straßburg
Gespart: mehr als ein Drittel des Normalpreises (mit Bahncard 50 mehr als die Hälfte)

2. Tagesausflug einer Familie mit 2 Kindern nach Straßburg


Regulärer DB-Preis: 70,80 Euro
Kombination Baden-Württemberg-Ticket und EUROPASS-Family: 39,80 Euro inklusive Tram und Bus in Straßburg
Gespart: knapp die Hälfte des Normalpreises

3. Zwei Studierende mit Semesterticket fahren zum Konzert nach Straßburg und fahren erst am nächsten morgen zurück


Regulärer DB-Preis: 70,80 Euro
Kombination Semesterticket, Einzeltickets Herbolzheim-Ringsheim und EUROPASS-Family: 16,40 Euro inklusive Tram und Bus in Straßburg
Gespart: mehr als drei Viertel des Normalpreises


[Bilder: Caro, BZ]

Mehr dazu:


Was ist ein Tarif- oder Verkehrsverbund?

Die Verkehrsunternehmen einer Region schließen sich zusammen (manchmal sind auch Bundesländer oder Kreise beteiligt) und stimmen ihre Fahrpläne ab. Ziel aller Verbünde ist ein einheitlicher Tarif und ein einheitliches Fahrkartensortiment.

Gesellschafter des Regio-Verbund Freiburg (RVF) sind beispielsweise: Freiburger Verkehrs AG (VAG) mit 33%, Deutsche Bahn AG mit 25%, Südbadenbus GmbH (SBG) mit 20%, zwölf lokale Busunternehmen mit 10%, Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG) mit 8% und Breisgau-S-Bahn (BSB) mit 4 %.

Allein in Baden-Württemberg gibt es über 20 unterschiedliche Zusammenschlüsse, deutschlandweit sind es knapp 100. Der Nutzen eines Verbunds für den Reisenden liegt in den einheitlichen Tarifen und der Übersichtlichkeit. Fahrten über die Verbundsgrenze hinweg können dafür kompliziert und teuer werden.