Europäischer Freiwilligendienst: Für ein Jahr im Ausland arbeiten

Tobias Ilg

Der Kenzinger Student Leon Reichardt (21) hat zehn Monate lang in Barcelona verbracht. Für den Europäischen Freiwilligendienst verpflichtete er sich unter anderem dafür, mit Häftlingen Mensch-ärgere-dich-nicht zu spielen. Uns erzählt er, ob solch ein Freiwilligendienst empfehlenswert ist und was er mit sich bringt.



Als „die beste Zeit seines Lebens“ bezeichnet Leon seinen Aufenthalt in Barcelona. Dort arbeitete er zehn Monate lang im Rahmen eines Freiwilligendienstes, der es jungen Menschen ermöglicht, an sozialen und kulturellen Projekten mitzuarbeiten. Der 21-Jährige wird in zwei Wochen in Freiburg sein zweites Semester in Soziologie und Philosophie beginnen.




Leon arbeitete während seiner Zeit in Spanien an Schulen mit Emigrantenkindern, denen er bei den Hausaufgaben half oder in einem Krankenhaus für Alzheimerpatienten. Zudem betreute er körperlich behinderte Studenten, fuhr sie zur Uni oder zum Einkaufen. Die ungewöhnlichste Arbeit war für Leon die Tätigkeit im Gefängnis. „Ich spielte mit den Häftlingen Mensch-Ärger-dich-nicht oder organisierte kleine Fußballspiele.“ Es sei schwierig gewesen, einen Gefängnisinsassen aufzumuntern, der sich in einer aussichtslosen Lage befindet.



Leon lebte in einem Wohnheim, zusammen mit vielen Gleichaltrigen aus verschiedenen Ländern. Nach der Arbeit, die manchmal bis zu zwölf Stunden dauerte, war es leicht, Anschluss zu finden. „Ich habe viele neue Freunde kennengelernt, aus Japan, Argentinien und Pakistan."

Leon wurde beim Kreiswehrersatzamt ausgemustert, was ihn darin bestärkte, einen Freiwilligendienst anzutreten. Allerdings ist das Ganze kein Ersatz für Wehr- oder Zivildienst. „Ich habe dann zirka 80 Bewerbungen per Mail an verschiedene Projektträger geschickt. Für Spanien erhielt ich sechs Zusagen und wählte Barcelona.“

Anschließend wandte sich Leon an eine Entsenderorganisation, die sämtlichen Papierkram erledigte, wie etwa das Beschaffen der Flugtickets. Als Vergütung erhält man bei dieser Art von Freiwilligendienst (EFD) um die 300 Euro im Monat. Hinzu kommen die Unterkunft, die Flugkosten, Seminare und ein Sprachkurs. Alles in allem lohnenswert, besonders die Erfahrung.



Sein schönstes Erlebnis?
„Das war ein warmer Sonntag, 12 Uhr mittags. Auf dem Platz vor der Kathedrale im Zentrum der Stadt spielte eine Gruppe von 20 älteren Männern traditionelle spanische Musik. Zu dieser tanzten ebenfalls ältere Menschen den Volkstanz Sardana, bei dem man sich an den Händen hält und einen großen Kreis bildet. Ein wundervolles Bild.“