Eurockéennes-Notizen: Sommer, Sonne und die Strokes

Carolin Buchheim

Eurockéennes Tag Eins. Was für ein Auftakt! Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen über 30° begann gestern für rund 95.000 Zuschauer das Eurockéennes Festival in Belfort. Und das Motto zu Anfang war eindeutig: Nicht kleckern, sondern klotzen! Und zwar mit den Deftones, den Arctic Monkeys, den Strokes und Daft Punk. Die Pendelzüge zwischen dem Bahnhof von Belfort und Bas-Evette am Ufer des Lac de Malsaucy waren am Nachmittag gewohnt überfüllt, und der anschließende Spaziergang am See entlang zum Eingang des Festivalgeländes fast wie eine Zeitreise. Endlich wieder hier, und alles ist noch da: Die Strandbühne am Plage, das Chapiteau, die Grande Scène und auch die Stände mit Tartiflette, der Schlimmsten kulinarischen Geheimnis Frankreichs.Das eigentliche Festival begann auf der Grande Scène mit dem Auftritt von Anais, die die Art Chanson singt, die man als Nicht-Franzose, egal wie sehr man Chansons liebt, einfach nicht verstehen kann. Aber so ist das hier manchmal, auf dem Eurockéennes.

Es folgten die Deftones, die wohlgenährt ein viel zu lautes Set spielten, dass die anwesenden Deftones Fans zum Rasen brachte, und ansonsten zwar ordentlich rockte, auf Grund der schlechten Soundqualität letztendlich aber nur wenig überzeugen konnte. Es folgte der erste Gewissenskonflikt des Festivals: die Arctic Monkeys im Chapiteau oder Two Gallants am Plage? Die Entscheidung fiel für die Two Gallants im Sonnenuntergang; ein fantastischer, trotz gut gefülltem Plage erstaunlich intimer Gig, bei dem direkt vor der Bühne gut drei duzend Two Gallants Fans herum sprangen und mitsangen, während die beiden Gallants ihr seltsames, schönes, rockendes Ding machten. - Im Anschluss daran, beim Gang über das Gelände, gab es dann doch noch eine kleine Dosis Arctic Monkeys: Fake Tales of San Francisco war eine der Zugaben. Schön!

Gojira, kreischenden französischen Metal am Plage, konnte man nach ein paar Songs sich selbst überlassen, um Polysics aus Japan in der Loggia anzuschauen. Angekündigt als 'Punk Pop Synthetique' lieferten Frontherr plus Damen, in leuchtenden Anzügen steckend, eine irritierende, kreischige, bunte Show. Man stelle sich Devo als resident Soundtrack Band einer japanischen Nonsens-TV-Show vor. Funky.Und dann kamen die Strokes. Am frühen Abend hatten sie schon dekorativ im Pressebereich herumgehangen; So irritierend nach den Strokes aussehend, mit wilden Haare, alten Anzüge, dünnen Krawatten und schmuddeligen Chucks, dass ich mich fragte, ob das wirklich die Strokes waren, oder nur eine Rotte junger französischer Musikjournalisten, die die Strokes ein bisschen zu sehr lieben. Waren aber wohl doch die Strokes selbst.Sie spielten ein überzeugendes Set aus Altem und Neuem auf der Grande Scène, ein Set das umhaute, und zwar so richtig, selbst, wenn einem die Strokes bis dahin so ziemlich egal waren. Bei endlich absolut tadellosem Sound und einer hübschen, nicht zu aufwendigen Lichtshow taten die Herren aus New York das, was sie am besten können: schön hipsterig rocken, mit diesem Strokes typischen Hauch der Lakonie. Fantastisch!Danach konnte Nichts mehr so richtig kommen, und so streifte man danach, Strokes-High, ein wenig ziellos über das Gelände, hörte ein bisschen Glam-Punk von The Gossip hier, ein wenig Kreischerei zu Elektro von Uffie da, und nahm, zum Abschluss, noch eine ordentliche Dosis Daft Punk zu sich, die sich in bester Roboter Manier lautstark und zur großen Freude des Publikums auf den Musikbühnen dieser Welt zurück meldeten, bevor es müde und erschöpft über die vor Plastikflaschen knartschenden Wiesen zum Pendelzug ging. Mit dem wunderbaren Gefühl, dass all' das erst der Anfang war.