Eurockéennes Notizen: Pussy Pussy Puss Puss

Carolin Buchheim

Am späten Freitag Abend, da liefen sie mir zum ersten Mal über den Weg, irgendwo zwischen Pressezelt und Grande Scène: Die Damen und Herren von My Baby wants to eat your Pussy aus Mannheim, und zwar in voller Montur. Die Gewinner des Tremplin Nachwuchs-Bandwettbewerbs im Freiburger Café Atlantik, der ihnen sowohl einen Auftritt als Vorgruppe von Schrottgrenze als auch einen Gig auf dem Eurockéennes beschert hatte, sahen wieder einmal so aus, als hätten sie einen Humana Second Hand Shop überfallen und seien danach kopfüber in eine Kosmetikauslage gestürzt. Alles kalkulierte Masche! Schlau sind sie, die Pussys. Die Band mit dem Namen, der ihnen eine Karriere im englischsprachigen Raum absolut unmöglicht macht, hatten ihren Aufenthalt in Belfort wohl generalstabsmäßig geplant. Ausgestattet mit Tausenden schwarzweißen 'My Baby wants to eat your pussy' Stickern, ihren herrlich absurden Kostümen und einem einzigen französischen Satz, "Dimanche, La Plage, á trois heures et demi!", zogen die Bandmitglieder das gesamte Wochenende Publikum-rekrutierend über das Festivalgelände, und innerhalb kürzester Zeit zierten 'My baby wants to eat your pussy' Sticker T-Shirts, Taschen, und so ziemlich jeden Zaun auf dem gesamten Festivalgelände.

Und die harte Arbeit der Pussys wurde reich belohnt.Sonntag Nachmittag, fünfzehn Uhr Dreissig, brütende Hitze und trotz praller Sonne war der Plage überlaufen; so voll wie nie zuvor. Dann ein wenig Disconebel, ein eingespieltes Intro, ein bisschen über die Bühne schleichen vom Keyboarder mit dem Namen 'tighteng', mit Cognacschwenker in der Hand, und dann das Feuerwerk eines großen My baby wants to eat your Pussy-Auftritts.Die Damen und Herren Pussy servierten selbstbewusst und musikalisch perfekt ihre herrlich absurden dekonstruierten Glam-Rock-Funk Songs und lieferten das, was man landläufig wohl als 'die volle Show' bezeichnen würde: Pefekter Gesang, perfekte Spielereien, herrlich prätentiös dargeboten. Der Plage bebte.Es war ein beinah surreales Erlebnis, ein quietschendes, durchdrehendes Publikum, in der Hitze des frühen Nachmittags, bei dieser tollen Performance. Was die Pussys lieferten, war mit Abstand der beste Auftritt einer Tremplin-Band, den es in diesem Jahr auf dem Eurockéennes zu sehen gab. Oft hat man bei Tremplin-Bands das Gefühl, dass die Eurockéennes-Bühnen für sie ein Stück zu groß sind; Die Pussys jedoch spielten auf der Plage-Bühne, als würden sie nie etwas anderes tun, und spielten mit den Crowd, als würden sie jedes Wochenende auf großen Festivals spielen.

Ein paar Stunden später dann, als wäre der perfekte Auftritt nicht genug gewesen, standen die Pussys zur Tremplin Pressekonferenz auf der Mini-Bühne des Presse-Zeltes, und erhielten, unter großer Kreischerei, den Fabrice Ragris Tremplin-Sonderpreis , dotiert mit 1000 ?. Es ist der Preis, den der beste Tremplin Auftritt bekommt, und die Pussys, sie hatten ihn sich mehr als verdient.Das Geld können die Pussys natürlich gut gebrauchen: Das erste Album steht noch aus, und schaut man dieser Tage in ihre MySpace Comments oder ihr Gästebuch, so hat man den Eindruck, dass halb Frankreich auf das Debütalbum der Pussys wartet.Chapeau für diese Art, als vermeintliche kleine Tremplin-Band das Eurockéennes Festival zu rocken. Nächstes Jahr dann im Chapiteau, liebe Pussys?