Eurockéennes-Notizen: Highlight-Jagd und Feiern, als gäbe es kein Morgen

Carolin Buchheim

Eurockéennes Tag Drei. Der letzte Tag des Eurockéennes-Festivals, randvoll mit Highlights der besonderen Art: Dem besten Tremplin-Auftritt des Festivals, Frauen, die Bier über sich gießen, Eddie Argos und seiner Liebe zu Emily Kaine, den Soundlandschaften von Mogwai, den wunderschönen Songs von Archive und Sigur Ros und zum Abschluss dann auch noch Muse. Was für ein Tag, was für ein Abschluss für dieses schöne Festival. Ein Festivaltag, wie man ihn sich schöner nicht wünschen könnte, bei weiterhin perfektem Wetter.Der Festivaltag begann mit dem unglaublichen Auftritt der Freiburger Tremplin-Gewinner My Baby wants to eat your Pussy (Mehr dazu!) am brütend heißen, überfüllten Plage. Der Was für ein Auftakt! Direkt vom Plage aus ging es ins Chapiteau zu Island aus Montréal, die wunderbaren, typisch kanadischen Indie-Pop spielten: Gruppengesang, Violinen, Keyboards, Saxophon, gespielt von Bandmitgliedern, die alle mehr als nur ein Instrument spielen konnten. Wunderbar!Danach begann die Highlight-Hetzjagd des letzten Festivaltages. Zurück an den Plage, um Duchess Says, ebenfalls aus Montréal, deren Sängerin Annie-Claude sich mit Bier übergoß (war ja auch heiß da, am Strand), und die absolut großartigen Elektro-Punk spielten. Eine absolute Entdeckung, diese Band.

Und dann war es auch schon Zeit für Art Brut auf der Grande Scéne. Eddie Argos und seine Mannen schienen zunächst ein wenig müde, aber spielten sich bald in die gewohnte Form und brachten das Publikum zu den üblichen 'Art Brut, Top of the Pops' rufen. Ein schöner Gig einer toller Band. (Mehr dazu!)

Direkt danach war es Zeit für Mogwai's Post Rock, den ebenso viele Leute vor dem Chapiteau im Sonnenuntergang sitzend genossen, wie im Chapiteau. Es hätte keinen schöneren Zeitpunkt, keinen schöneren Ort für Mogwai's Sound geben können. Und weil an diesem Festival ein Highlight das andere nahezu jagte, folgte direkt im Anschluss der Auftritt von Archive auf der Grance Scéne, eine Stunde voller perfekter Songs der beiden so unterschiedlichen Sänger, Songs voller wunderschöner Soundstrukturen.Archive spielten viel vom neuen Album 'Lights', aber auch ihre bekanntesten Songs, wie 'Fuck u'. Sie beendeten ihr Set mit einer überwältigenden, 13-minütigen Version von 'Again'.Danach hieß es, rasch ins Chapiteau hinüber zu eilen, wo Sigur Ros hinter einem durchsichtigen Vorhang verborgen ihren Gig begannen. Sigur Ros Alben sind schon unglaublich, live ist diese Band absolut überwältigend. Man stand sprachlos, lachendweinend und mit Gänsehaut am ganzen Körper im Chapiteau. Wunderbar.

Mit dem anschließenden Auftritt von Muse wurde das Festival beendet. Leider war der Sound wieder ähnlich schwammig und viel zu laut wie am Anfang des Festivals, zum anderen verdarben die tumultartigen Szenen in den ersten Reihen mir persönlich das Konzert. Muse spielten viele Songs ihres neuen Albums 'Supermassiveblack hole', ließen jedoch die Dichte und Tiefe ihrer Studioaufnahmen vermissen. Der größte Teil des Publikums und die vielen Hardcore-Muse Fans ließen sich davon jedoch nicht stören und feierten ihre Helden bis weit nach zwei Uhr morgens, als gäbe es kein Morgen. Das gab es ja auch nicht, zumindest nicht auf dem Eurockéennes.Was für ein Festival. Bis nächstes Jahr, liebes Eurockéennes Festival!