Eurockéennes 2013: "Unser Programm ist eklektisch"

Carolin Buchheim

Das Eurockéennes-Festival in Belfort ist von Freiburg genau so weit entfernt, wie das Southside: knappe 100 Kilometer. Trotz der Nähe und dem immer wieder großartigen Line-Up fahren überraschend wenige Deutsche zum Festival zwischen Seen und Bäumen. In diesem Sommer findet das Festival zum 25. Mal statt; zur Feier einen Tag länger als sonst. Was Chef-Booker Kem Lalot zum diesjährigen Line-Up sagt:



Sie sind alle schon mal dagewesen, die Headliner des diesjährigen Eurockéennes-Festivals. Die englische Megaband Blur und der Acid Jazzer Jamiroquai waren 1995 da, die Smashing Pumpkins 1997, die französische Popper Phoenix 2009 und Skunk Anansie sogar zweimal, 1996 und 1999. Aber das passt gut, denn zum einen feiert das Festival in Belfort in diesem Jahr sein 25. Jubiläum, zum anderen hat das Festival ohnehin einen Headliner, der sich nie ändert: „Es ist das Gelände“, sagt Kem Lalot, Chefbooker des Festivals, und seit 13 Jahren für das Eurockeennes-Programm verantwortlich. „Unsere wunderschöne Halbinsel ist jedes Jahr dabei.“


Finden mehrtägige Musikfestivals der Logistik wegen in Deutschland zumeist auf alten Flughäfen oder Autorennstrecken statt, so wird für die Eurockéennes alle Sommer wieder eine Halbinsel im Lac du Malsaucy, wenige Kilometer von Belfort entfernt, in ein Festivalgelände verwandelt. „Wir müssen unsere gesamte Infrastruktur jedes Jahr neu erschaffen“, sagt Festival-Pressesprecher Hervé Casteran.
Zwischen Bäumen, Wasser und mit Blick auf Wald und Hügeln werden vier Bühnen aufgebaut; die schönste steht im Wasser, Blickrichtung Südwesten, Sonnenuntergang. Auf herkömmliche Art romantisch wird es dort allerdings nicht, wenn die Sonne untergeht, denn in diesem Jahr gibt es auf der Seebühne vor allem HipHop, Elektro und Metal. Am Festivalsamstag überlässt man die Bühne gleich mal Pedro Winter, dem Macher des Pariser Elektro-Labels Ed Banger Records. Winter wählte nicht nur Acts aus dem Programm des eigenen Labels für sein Programm "La Plage du Pedro" aus, sondern lud auch eigenen Helden ein: so treten zwischen krachigen französischen Party-Elektro die Alterna-Rocker Dinosaur Jr auf.



Die Eurockéennes haben eine recht unromantische Entstehungsgeschichte: Es war ein Lokalpolitiker, Christian Proust, der 1989 etwas für die Jugend der Region tun wollte und mit der gemeinnützigen Organisation „Terretoire de Musiques“ den Weg für das Festival ebnete. Damals sahen 10.000 Besucher die erste Ausgabe des Festivals mit Elvis Costello, Nina Hagen und Noir Désir.

Mehr als 120.000 Gäste werden in diesem Jahr erwartet, das Festival um einen vierten Tag verlängert. „Wir können das Festival nicht größer machen“, sagt Casteran. „Stattdessen machen wir es länger, besser und schöner.“ Der durchschnittliche Eurockéennes-Gast ist mit 24 Jahren knapp so alt wie das Festival und kommt aus Frankreich; aus Deutschland kommen - trotz der kurzen Anreise - nur wenige Musikfans nach Belfort. „Ich glaube, das liegt an der Sprachbarriere“, sagt Casteran.

Keine Scheu hingegen haben Gäste aus Großbritannien, die in immer größerer Zahl anreisen. „Dort sind Tickets für die großen Festivals sehr viel teurer und schnell ausverkauft“, sagt Casteran (Bild unten links). Tatsächlich ist das Eurockéennes ein erschwingliches Festival: Tagestickets kosten 45 Euro, das Festivalticket für vier Tage 129 Euro - deutlich weniger als ähnliche Festivals wie das Southside in Neuhausen ob Eck oder das Greenfield-Festival in Interlaken. Die Besucher seien ohnehin ein wenig anders als in Deutschland, wo Festivals innerhalb von Stunden ausverkauft sind - lange bevor das Line-Up feststeht. "Unsere Besucher kommen wegen der Musik, sie kommen nicht primär wegen der Party", sagt Casteran. "Auch wenn sie die Party bei uns natürlich bekommen."

Die  Eurockéennes seien ohnehin einzigartig, ist sich Booker Lalot (Bild unten rechts) sicher: „Unser Programm ist eklektisch.“ Wichtig seien zudem nicht die Headliner, sondern die mittleren Bands und die Newcomer des Festivals wie in diesem Jahr die französischen HipHopper von Fauve oder der US-Rapper ASAP Rocky. Auch Hype-Bands wie die englische Rock-Band Alt-J, den französischen Electro-Folk-Sänger Woodkid oder den israelischen Songwriter Asaf Avidan hat Lalot dieses Jahr auf das Festival gebucht.



Natürlich arbeitet der Booker auch jetzt schon am Programm für das nächste Jahr. Eine Künstlerwunschliste hat er natürlich, verraten will er aber nur Bands, die er nicht mehr buchen kann. Die Beastie Boys hätte Lalot gerne einmal auf der Grand Scène gehabt, aber das ist seit dem Tod von Adam Yauch und dem Ende der Band unmöglich; auch REM waren nie da. In diesem Jahr stand Neil Young ganz oben auf Lalots Wunschliste; alles passte eigentlich, denn Young tourt in diesem Sommer über Europas-Festivals. Ausgerechnet am Eurockéennes-Wochenende hat Young jedoch schon Pläne: „Da ist er in Kanada bei der Hochzeit seiner Tochter.“

Eurockéennes 2013 - Das Line-Up

Donnerstag
Jamiroquai
-M-
Asaf Avidan
Alt-J
Wax Tailor
Boys Noize (Live)
Major Lazer
Gary Clark Jr
Joey Bada$$
Skaters
La Femme
Juveniles
Parquet Courts
Chapelier Fou
Mesparrow

Freitag
The Smashing Pumpkins
Archive
The Bloody Beetroots (Live)
Woodkid
Airbourne
Skip The Use
Lilly Wood & The Prick
Gesaffelstein (Live)
Deap Vally
Action Bronson
Danny Brown
Fidlar
Beware Of Darkness
Jupiter & Okwess Int.
Trash Talk
Matthew E. White
Electric Electric
Pih Poh
Le Club Des Justiciers Milliardaires D'Abidjan

Samstag
Phoenix
Two Door Cinema Club
Kery James
Kavinsky (DJ Set)
Lou Doillon
Dinosaur Jr
Busy P (Live)
A$Ap Rocky
Black Rebel Motorcycle Club
Valerie June
Matisyahu
Rich Aucoin
Is Tropical
Jackson And His Computer Band (Live)
Mykki Blanco
Cassius (DJ Set)
Fauve
Jc Satàn
Von Pariahs
Oy
Yules
Griefjoy
The Strypes

Sonntag
Blur
Skunk Anansie
My Bloody Valentine
Keny Arkana
Tame Impala
Mass Hysteria
Neurosis
The Black Angels
The Vaccines
Disclosure (Live)
Palma Violets
Graveyard
Red Fang
Hyphen Hyphen
Chvrches
Kvelertak
Da Octopusss 

Mehr dazu:



Was:
Eurockéennes de Belfort
Wo: Ile de Malsaucy, Belfort (GoogleMaps: Ile de Malsaucy)
Tickets: Tagesticket jeweils 45 Euro, Vier-Tages-Ticket 129 Euro, Drei-Tages-Ticket 102 Euro

[Bild 1 & 2: Promo; Bild 3: Caro]