"Es muss sofort knallen": Interview mit der Freiburgerin Vanessa Iraci, die bei The Voice of Switzerland mitmacht

Manuel Lorenz

Die 28-jährige Freiburger Sängerin Vanessa Iraci hat es in die Blind Audition von "The Voice of Switzerland" geschafft. Samstagabend tritt sie auf SRF 1 gegen 13 andere Sängerinnen und Sänger an, um eine Runde weiterzukommen. Im fudder-Interview verrät sie, wie man sich auf einen 90-Sekunden-Auftritt vorbereitet:



Vanessa, wie fühlt es sich an, vor vier Juroren zu singen, die einem den Rücken zuwenden?

Wenn vier Personen entscheiden, ob man weitermachen darf oder nicht, und die einen noch nicht einmal sehen: Das ist schon eine Ausnahmesituation.

Normalerweise kannst du mit deinem Publikum Blickkontakt aufnehmen, eine Beziehung zu ihm aufbauen. Wie macht man das bei einer Jury, die einen nicht anschaut?

Gar nicht. Man ist ganz für sich, muss in sich gehen und die Energie eines ganzen Konzerts in 90 Sekunden bündeln. Man hat keine Zeit, erst warm zu werden – es muss sofort knallen, die anderthalb Minuten sind superschnell vorbei. Das muss man sich auch schon im Vorhinein klarmachen, wenn man alleine im Vorraum steht. Und plötzlich geht’s los, und man hofft, dass jemand buzzert und sich zu einem umdreht.



Wenn man singt, und es dreht sich nicht sofort ein Juror um: Steigt da mit jeder Sekunde die Nervosität?

Nein. Die Nervosität sollte man loslassen, sobald man singt. Wenn ich mir während des Singens zu viel Stress mache, beschäftige ich mich nur mit dem Stress und nicht mit dem Song und seinem Inhalt. Aber Singen ist das, was ich schon immer mache. Singen ist meine Berufung. Wenn ich singe, bin ich sicher.

Eben. Du singst ja nicht zum ersten Mal vor Menschen.

Genau! (lacht.) Aber in der Regel hab’ ich mehr Zeit, sie für mich zu gewinnen. Wenn ich mit meiner Band ein Konzert spiele, denke ich mir manchmal am Anfang: Ach, die müssen jetzt erst mal warm werden, und ich animiere sie. Eine Blind Audition funktioniert aber anders. Da muss man die Jury davon überzeugen, sich wegen seiner Stimme umzudrehen. Die Jury will Gefühle hören – es reicht nicht, die Töne zu treffen, perfekt zu singen. Ich stelle mir vor: Was würde ich hören wollen, wenn ich in der Jury säße? Und das versuch’ ich dann rüberzubringen.

Wie bereitet man sich auf einen 90-Sekunden-Auftritt vor?

Das fängt schon bei der Songauswahl an. Gibt der Song eine Dramaturgie her, die die Jury animiert, sich umzudrehen? Man denkt darüber nach, wie man den Song aufbauen sollte, wo man Höhepunkte reinbringen kann. Man will alle seine Facetten zeigen: Das Harte, das Weiche, das Laute, das Leise, das Hohe, das Tiefe. Allein schon, wenn man die Show anschaut, kann man viel lernen: aus Szenen, bei denen sich die Juroren umgedreht haben – zum Beispiel weil der Sänger mit seiner Stimme gerade besonders hochgegangen ist. Das muss nichts mit Druck sein, nichts besonders Hohes oder Lautes. Das kann auch etwas ganz Intimes sein, etwas mit vielen Emotionen. Einfach ist es nicht.

Mehr dazu:

Was: 3. Blind-Audition-Sendung von "The Voice of Switzerland"
Wann: Samstag, 1. März 2014, 20:10 Uhr
Wo: SRF 1 [Bild 1: SRF / Oscar Alessio; Bild 2: SRF / Daniel Ammann]