Es läutet, Leute!

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie gewählt wird? Jetzt geht es aber nicht um Stimmzettel und Urne, sondern ums Telefon. Im letzten Jahrtausend, die Älteren werden sich erinnern, gab es auf den Fernsprechapparaten noch Wählscheiben, die beim Zurückdrehen eine gewisse Anzahl von Impulsen ans "Amt" weitergaben. Doch die Übertragungszeit der Telefonnummer wurde mit Einführung des MFV rapide verkürzt.

Das Mehrfrequenzwahlverfahren brauchte zwar neumodische Telefone mit Tasten, war dafür aber deutlich schneller bei der Nummernübertragung. Bei dieser immer noch analogen Technik sind jeder Taste auf dem Telefon zwei Frequenzen zugeordnet, die beim Drücken als Sinuston übertragen werden. Dabei muss man sich die Wähltastatur wie eine Tabelle vorstellen:


In der ersten Spalte stehen untereinander die tieferen Frequenzen 697 Hertz, 770 Hz, 852 Hz und 941 Hz. In der Ersten Zeile sind die höheren Töne mit 1209, 1336 Hz und 1477 Hz angeordnet. Drückt man nun beispielsweise die Ziffer „3“, ertönen gleichzeitig zwei Töne mit 697 und 1477 Hz. Im „Amt“ werden die empfangenen Schwingungen mit einem speziellen Algorithmus entschlüsselt. Doch warum reicht es nicht, einen Ton pro Ziffer zu übertragen?

Damit kein Hintergrundgeräusch, vor allem Musik, die Wahl durch den Hörer beeinflussen, werden beim MFV zwei Frequenzen gleichzeitig übertragen. Diese sind so gewählt, dass sie zusammen in jeder Kombination eine Dissonanz erzeugen, die sehr unwahrscheinlich in einem üblichen Hintergrund erzeugt wird. Wer also Mozart oder die Flippers beim Wählen hört, kann dadurch nicht gestört werden. Bei Stockhausen oder Motörhead sollte man doch besser auf digitale Rufnummernübertragung, etwa ISDN, umstellen.