Es läuft ganz gut: Der Freiburger Singer/Songwriter Lukas Meister

Alexander Ochs

Der 27. Januar 2013 war ein Glückstag für Lukas Meister. Der 26 Jahre alte Singer/Songwriter aus Freiburg saß im Publikum von TV Noir im Berliner Heimathafen. Und stand dann plötzlich auf der Bühne und hatte eine Gitarre in der Hand. In dieser Woche erscheint seine erste Single "Es läuft ganz gut". Alex hat ihn für fudder getroffen.

20:30 Uhr in der Bar Erika an der Schwarzwaldstraße. Während draußen die Fahrzeuge auf der B31 vorbeirauschen, herrscht drinnen schummrige und verrauchte Gemütlichkeit. Nicht ganz so biedermeierisch wie auf dem Promofoto, aber auch mit kuscheligem Sofa. Der wuchtige Mann, der mit dem Rücken zur Tür steht, ist Lukas Meister.


Lukas trägt dezenten Vollbart und Brille, ein großes, dunkles Modell, ein blaues Hemd, das er hochgekrempelt hat, darunter lugt ein Streifenshirt hervor, und ein dunkles Käppi auf dem Kopf, ein Stoffschal ziert seinen Hals. Und er ist zugleich einer der Letzten seiner Art und so etwas wie ein Anfänger, ein kleiner, aufstrebender Stern am Musikhimmel, Fachbereich: Singer/Songwriter. Wie das zusammenpasst?

Florian Lukas Meister - so sein vollständiger Name -  studiert derzeit an der Freiburger Uni als einer der letzten den alten Lehramtsstudiengang, Italienisch und Deutsch. Wenn alles nach Plan läuft und er im Frühjahr 2014 seinen Abschluss macht, kann er auf eine lange Karriere zurückblicken: Angefangen hat er sein Studium im Wintersemester 2005/06. Verantwortlich für die in die Länge gezogene Studienzeit ist – neben einem Fachwechsel – hauptsächlich die Musik. Und nicht mangelndes Engagement oder fehlende Zielstrebigkeit. Nicht im Studium. In der Musik sieht es da etwas anders aus.

Flo, wie ihn fast alle nennen, ist in Heitersheim aufgewachsen und hat in seiner Kindheit und Jugend knapp neun Jahre Klavierunterricht gehabt. „Da ist aber zu wenig hängengeblieben“, meint er selbstkritisch. Auch wenn sein Zuhause keine Familie von Musikern war – ein Fundus an Instrumenten war’s allemal: Klavier, Keyboard, mehrere Gitarren, Mundharmonika, Bass, alles da.

„So etwa mit 14 habe ich gemerkt, dass mich Gitarre fasziniert. Angefangen habe ich trotzdem zuerst mit dem Bass, den habe ich mir selber beigebracht.“ Doch nach einer Weile schwenkt er um auf Gitarre, nimmt ein bisschen Unterricht und übt einfach selbst wie verrückt. „Es gab Zeiten, da habe ich fast jeden Tag acht Stunden lang Gitarre gespielt. Ich habe Guns’N’Roses oder Rage Against The Machine angemacht und versucht mitzuspielen. Meine Finger waren über Wochen blutig.“

Noch in der Schule, am Faust-Gymnasium Staufen, wird er Mitglied der Schülerband Flapjack an der Leadgitarre. Damals treten sie etwa einmal pro Monat auf. Noch heute ist die Band – bis auf eine Position – unverändert zusammen, probt einmal die Woche, hat aber lediglich ein, zwei, drei Auftritte im Jahr. Mit Flo an Bord, versteht sich. „Ich habe auch schon Bläsersätze für Guggenmusik geschrieben“, sagt Flo. Nach der Schule hat er erst einmal vier Semester Musikwissenschaft studiert, dann aber auf Lehramt gewechselt.

Aber wie wird man dann Singer/Songwriter? „Ich bin da superzufällig reingerutscht.“ Dave, der Sänger von Flapjack, trifft beim Kicken Clemens, den Keyboarder von Rockrainer. Und Clemens fragt: „Sag mal, kennst du jemanden, der Gitarre spielt?“ So landet Lukas um das Jahr 2006 herum bei den schrillen Rainers. Irgendwie kommt er dann doch zurück zum Bass – „Wir merken schnell: HipHop ohne Gitarre geht, aber auf keinen Fall ohne Bass!“ – und ist als ‚Flowmeister‘ an Bord im Rockrainer-Universum. Noch bis in die jüngste Vergangenheit hat er an den Songs mitgewirkt. Bei ‚Buchstabensuppe‘ hat er den Bass eingespielt. Doch Rockrainer in der großen, aufwändigen Bandformation ist seit etwa zwei Jahren auf Eis gelegt.



Und Flapjack? „Rockmusik mit englischen Texten will doch im Moment hier niemand hören“, denkt sich Lukas irgendwann und beschließt: Jetzt will ich mal die deutschen Songs, die ich in der letzten Zeit geschrieben habe, alleine ausprobieren. Es sind kleine Alltagsgeschichten, zu denen er Akustikgitarre spielt. Ganz klassischer Singer/Songwriter. Teilweise sind die Lieder, die er jetzt zum ersten Mal herausbringt, über Jahre gereift. Immer wieder hat er sie seinen Freunden, seiner Freundin und seiner WG in der Küche vorgespielt. „Bis ich meinen Stil gefunden hatte.“

Im Herbst 2011 tritt Lukas das erste Mal zusammen mit Kuschelrockrainer, der abgespeckten Akustikvariante der Rainers, in der Lahrer Stadtbibliothek auf. Und wieder schlägt der Zufall zu. Der hört in dem Fall auf den Namen – klingt fast wie eine Romanfigur und auch ein bisschen nach Florian Lukas Meister – Simon Felix Geiger, ist beim Poetry Slam aktiv und gibt dem jungen Musiker seine Visitenkarte. „Vielleicht können wir ja mal was zusammen machen.“ Ein halbes Jahr später, nach einem Aufenthalt in Rom, ist es dann soweit.

„Er hat mich dann beim Slam Supreme in der Mensabar auf die Teilnehmerliste gesetzt. Zehn Minuten habe ich da gespielt“, erinnert sich Lukas. Und im Mai 2012 tritt Lukas Meister beim Akustik-Slam auf. Und gewinnt. Als Gewinner des Abends zieht er daraufhin Ende Juli ins Finale ein – und gewinnt erneut. Kam, sah und siegte, kommt, sieht und siegt. Wie ein Hindernisläufer, der nie über Hindernisse gelaufen ist. Stolpert fast schon von Sieg zu Sieg, von Platzierung zu Platzierung, von glücklicher Fügung zu glücklicher Fügung. Märchenhaft? Oder gnadenlos effizient?

Auf einen Hinweis hin – „Ich hab eigentlich nach dem Berliner Format ‚Troubadour‘ gesucht, bin dann zufällig auf Stuttgart gestoßen“ – schreibt Lukas eine einzige Bewerbung und schickt ein paar Songs nach Stuttgart, zum Troubadour-Wettbewerb. Mit dem Resultat: 2. Platz von 16 Teilnehmern. Von der alten Schlagersängerin Katja Ebstein bekommt er seinen Preis überreicht. Im Publikum sitzt die Agentin von Pe Werner, die ihn auf einen weiteren Wettbewerb aufmerksam macht, bei dem sie in der Jury sitzt, einen Chanson-Wettbewerb in Saarbrücken. „Ich bin kein Chansonsänger“, hat Lukas im Saarland gemerkt. Aber er hat Riesenglück gehabt, hat die richtigen Fürsprecher zur rechten Zeit. Und, was macht er? Den 2. Platz! Das Preisgeld aus den Wettbewerben hat er gleich verbraten für eine neue „Klampfe“, wie er es nennt, und für die Einspielung seiner ersten CD, die im September bei Rummelplatzmusik erscheinen soll.

Die Unterstützung dafür kam auch spontan zustande: Ein Freund spielt Trompete in einem Stück, seine Freundin singt die Backing Vocals, ihre Schwester wiederum steuert einen Akkordeon-Part bei, zwei Lieder werden durch Cello abgerundet. „Eine Gemeinschaftsproduktion mit vielen Leuten.“ Eine Woche geht Lukas im Januar ins Studio, dann spielt er Anfang März noch mal vier Songs in zwei Tagen ein. Die erste Single erscheint am 5. April 2013 und heißt – als sei es eine Lagebeschreibung – „Es läuft ganz gut“.

Und wie gut lief es dann eigentlich bei TV Noir? „Im Endeffekt war es Zufall, dass wir Karten für TV Noir bekommen haben, aber meine Freundin hatte Glück und hat mir die Karten zu Weihnachten geschenkt. Ich war begeistert von der schönen Stimmung und vor allem von den Räumlichkeiten und dachte die ganze Zeit: Wie gut wäre es, hier mal auf der Bühne zu stehen. Das hab ich dann so ins Gästebuch geschrieben, das während der Show rumging. Irgendwann in der zweiten Hälfte der Show kam dann ein Mädel auf die Bühne und kündigte mit einem Schild den Programmpunkt ‚Überraschungsgast‘ an: Jemand aus dem Publikum kann sich melden, um was zu spielen“, erzählt Lukas. Die Schlüsselszene seiner noch jungen Karriere.

„Und während Moderator Tex von fünf runter zählt, denke ich: Ich kann nicht immer sagen, ich will Musik machen und damit Leute erreichen und jetzt mein Maul halten. Damit war die Sache entschieden und ich hab mich gemeldet. Während ich auf die Bühne bin, habe ich kurz überlegt, bei welchem Song ich am sichersten mit dem Text bin. Ich war natürlich ziemlich nervös, aber es war klar, dass ich das machen musste, weil ich quasi moralisch gesehen gar nicht kneifen konnte. Sonst hätte ich mir vorwerfen müssen, das mit der Musik nicht ernst zu nehmen.“

Lukas sagt, dass für ihn das Motto gelten könnte: „Du bist immer dann am besten, wenn‘s dir eigentlich egal ist.“ Eine Zeile der Ärzte aus ihrem ‚Lied vom Scheitern‘. „Man kann das Glück auch provozieren“, ist sich Lukas jetzt sicher. Das Video von seinem Auftritt bei TV Noir haben bereits mehrere tausend Leute angeschaut. Der Song, den er da zum Besten gibt, heißt: „Weiter“. Anfangs wirkt er nervös, am Ende bekommt er tosenden Applaus. So könnte es weiter gehen.

Weiter - LUKAS MEISTER - tvnoir.de (Der Überraschungsgast)

Quelle: YouTube


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[Bilder: Promo]