"Es ist üblich, den IQ nicht preiszugeben": Interview mit Martina Seywald vom Hochbegabtenverein Mensa

Marius Buhl

Noch bis Sonntag ist Freiburg die intelligenteste Stadt Deutschlands - bis dahin treffen sich hier nämlich rund 800 Mitglieder des Hochbegabtenvereins Mensa. Zu ihnen gehört auch Martina Seywald, 35, die die Tagung mitorganisiert. fudder-Redakteur Marius Buhl hat sie gefragt, was sie von Normalsterblichen unterscheidet:



Frau Seywald, hochbegabt ist, wer einen hohen IQ hat - unter anderem Sie. Was wäre eine intelligente Einstiegsfrage?

(lacht) Es gibt keine mehr oder weniger intelligenten Fragen. Jede Frage ist intelligent, weil man sich, wenn man fragt, für etwas interessiert. So wie Sie sich für uns Hochbegabte interessieren!

Da haben Sie recht. Vor allem interessiert mich: Wie hoch ist Ihr IQ?

Es ist üblich, den IQ nicht preiszugeben. Auch wir innerhalb des Hochbegabtenvereins Mensa geben das nicht weiter. Aber dass wir über 130 liegen, wissen Sie ja. Das ist das Aufnahmekriterium.

Mit 130 haben sie einen höheren IQ als rund 98 Prozent der Deutschen. Was unterscheidet Sie vom Rest?

Hauptunterscheidungsmerkmal ist sicher die schnellere Auffassungsgabe. Wir können schneller verstehen, schneller verknüpfen und auch schneller Themen weiterspinnen. Dazu kommen aber auch die Probleme, die wir haben.

Zum Beispiel?

Es soll nicht überheblich klingen, aber es ist schon auch ein Nachteil, wenn man Anderen gedanklich voraus ist. Ein bisschen ist das wie bei einem schnellen Läufer. Wenn er im Ziel ist, muss er auf die Langsameren warten. Dieses Ausgebremstwerden führt zu Missverständnissen. Gerade bei hochbegabten Kindern in der Schule ist das ein Problem.

Und was sind die Vorteile? Wissen Sie einfach mehr als wir?

Nein. Hochbegabung hat nichts mit Wissen zu tun. Es geht lediglich um die schnelle Verarbeitungsgeschwindigkeit im Gehirn. Aber man kann vielleicht sagen: Wer schneller versteht, stellt auch mehr Fragen und interessiert sich dadurch auch für mehr.

Warum treffen sich dieser Tage alle Hochbegabten in Freiburg? Ist Ihnen unter Normalsterblichen langweilig?

Nein, überhaupt nicht. Wir sind ja erst mal ein Verein und haben jetzt eben das Jahrestreffen. Da aber rund 800 Menschen aus ganz Deutschland dazu nach Freiburg kommen, machen wir daraus ein großes Treffen mit vielen schönen Veranstaltungen. Außerdem ist es natürlich schön, sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten.

Was stellen Hochbegabte in Freiburg an?

Wir machen Stadtführungen, Firmenbesichtigungen, hören viele Vorträge. Wir bieten aber auch  eine Kneipentour an, spielen ein Pub-Quiz und organisieren eine Fahrt zum Europaparlament. Es sollen fünf spannende und unterhaltsame Tage werden.

Zur Person

Martina Seywald, 35, Organisationsleiterin der Freiburger Hochbegabtentage, lebt in Schliengen im Markgräflerland und arbeitet in der Schweiz bei einer Firma als IT-Projektmanagerin. Sie hat nicht studiert.



Zu Mensa

Von Mittwoch bis Sonntag (9.4. bis 20.4.) treffen sich rund 800 Hochbegabte in Freiburg. Anlass ist das Jahrestreffen des Hochbegabtenvereins Mensa, währenddessen die Teilnehmer neben ihrer Hauptversammlung auch fünf Tage lang Zeit zum Erkunden Freiburgs haben. Die Veranstaltungen sind auch für Nicht-Vereinsmitglieder offen.  

Mehr dazu:

[Bild 1: © kornienko / Fotolia; Bild 2: Marius Buhl]