"Es ist schade und unfair!"

Dirk Philippi

Vor exakt drei Wochen feuerten die Wölfe Freiburg ihren Chef-Trainer Sergej Svetlov. Unmittelbar nach seiner Demission wollte dieser damals noch nichts zur Kritik an seiner Person sagen und erbat sich für seine Stellungnahme zu den konkreten Vorwürfen an seiner Arbeit einige Zeit. Svetlov, der Deutschrusse und langjährige Nationalspieler für die UdSSR wollte seine Emotionen erst einmal abkühlen lassen und keine schmutzige Wäsche waschen. ‚Der Eissportenthusiast’ hat Svetlov nun für fudder exklusiv interviewt und einen noch immer enttäuschten Mann gesprochen.



Haben drei Wochen gereicht, um sich zu beruhigen?

Nun, sagen wir, ich bin etwas ruhiger geworden.

Der GmbH-Sprecher Holger Döpke erklärte nach Ihrer Entlassung, dass die Gesellschafter in Sorge geraten seien, das selbst gesteckte Saisonziel noch zu erreichen. Können Sie das nachvollziehen?

Nein, das kann ich nicht. Der Zeitpunkt für diese Entscheidung gegen mich und für solch eine Sorge war einfach viel zu früh. Zudem empfinde ich es noch immer als einen unfairen Zug.

Worin begründet sich diese Wahrnehmung?

Wir waren vor drei Wochen an unserem schwächsten Punkt angelangt und so war es einfach, einen Schuldigen zu finden. Aber: Die Situation wurde eben gerade nicht von einer Person verschuldet! Ich versuche es zu erklären: Unsere Vorbereitung würde ich als gelungen bezeichnen, was auch der Vorstand nicht anders sieht. Warum ist das so? Weil wir mit einem kompletten Team gespielt haben! Pünktlich zu Saisonbeginn ging es dann los: In Halle haben wir gegen eine gute Mannschaft, gegen die z.B. auch Bad Tölz schon verloren hat, nur einen Punkt geholt. Zu diesem Zeitpunkt hatten rund zehn Spieler des Teams aber eine Woche heftigste Grippe hinter sich, in der wir nicht richtig trainieren konnten. Voll mit Medikamenten, durch die Krankheiten ohne Kraft und nach einer langen Fahrt haben wir dann zuhause gegen Leipzig ein schlechtes Spiel gezeigt. Danach spielten wir in Hannover super, verloren aber mit Patrick Vozar den vielleicht besten Mittelstürmer der Liga, und das, wenn man bedenkt, dass so viel von guten Centern abhängt. Für das unerfahrene Team mit den vielen Junioren wurde es schwierig. Deshalb habe ich gleich beim Vorstand vorgesprochen und Ersatz gefordert. Ich wusste, dass es so nicht reichen würde, zumal später dann auch andere Spieler kurzzeitig ausfielen. So fehlten auch einmal Karhula und Hermann. Die GmbH-Führung verneinte aber meine Bitte und so wurde ich gezwungen Umstellungen vorzunehmen. Immer fehlte ein anderer und so konnten die Sturmreihen nie wirklich zueinander finden. Das alles war Gift für das Teamspiel, aber einfach ohne Ersatz nicht zu ändern. Es war schlicht nicht fair, mir das alles anzukreiden.

Noch während Ihrer Tätigkeit führten Sie die langen Busreisen als einen Grund auf.

Ja und alle haben den Kopf geschüttelt, dabei war es aber doch auch so. Von 12 Spielen haben wir vier zuhause bestritten. Und ja, alle Mannschaften müssen reisen, aber Freiburg ist ein Team ohne Derby. Der Kader war zu dünn, das habe ich gleich gesagt, noch dazu kam die englische Woche. Die Umstände waren einfach schlecht, das ist nicht wegzudiskutieren. Im November nun hätte sich das alles normalisieren können, nur hat man mir diese Zeit leider nicht gegeben. Ich hatte den Druck und musste teilweise auf zwei Blöcke umstellen, wodurch Leistungsträger oft doppelt so lange spielten als sie es normal tun müssten, was wiederum zu unnötigen Strafzeiten führte. Ein Teufelskreis. Die Mannschaft konnte zu dieser Zeit gar nicht frisch sein. Dann verletzte sich auch noch Chris Billich und wieder bat ich um Ersatz und wieder kam keine Reaktion.

Haben Sie gespürt, dass man sich langsam von Ihnen abwendete?

Man sieht gewisse Dinge, ja. Ich will es so sagen: Man hätte vielleicht mehr mit mir als mit Betreuern und Nachwuchstrainern sprechen sollen.

Zu den konkreten Vorwürfen: Es hieß mancherorts, die Mannschaft sei übertrainiert. So sollen samstags zu intensive Übungseinheiten durchgeführt worden sein.

Was für ein Blödsinn! Samstags waren wir auslaufen, es gab ein Stretching und 20 bis 30 Minuten eine lockere Spieleinheit, das war´s. Alles andere ist lächerlich! Und wem das zu viel ist, der soll sich einen anderen Job suchen.

Man kritisierte die Motivation.

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, das wissen alle. Haben Sie mich auf der Bank gesehen? Wenn ich zu wenig motiviere, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Zudem darf man nie vergessen, dass Spieler auch eine Selbstverantwortung haben. Ich muss da nur den Rest dazugeben und genau das habe ich getan.

Ferner fehlte es der GmbH-Führung an Teambildung.

Ich bin viele, viele Jahre im Geschäft und hier in Freiburg ist das zum ersten Mal ein Thema. Übrigens in Freiburg absolut nicht zum ersten Mal. Mal abgesehen davon, dass eine neu zusammengestellte Mannschaft Zeit benötigt, sollte man sich das mal überlegen. Mehr sage ich dazu nicht. Eine Mannschaft muss zusammen passen.

Aber ist es denn nicht gerade Ihr Team, das auf dem Eis stand?

Ich habe Spieler gekauft und keine Mannschaft. Von den Leistungsträgern waren Glaser, Vozar, Karhula, White, Virta, Bares und Wildgruber meine Wunschspieler. Es fehlten noch zwei gute, das habe ich schnell thematisiert. Das Team war so nicht komplett. Stellen sie sich vor, sie kaufen ein tolles Auto, fahren aber erstmal mit zwei Reifen los. Da hilft das tollste Auto nichts. Ich habe gleich gesagt, wir müssen beten, dass es keine Verletzungen gibt. Zum Beispiel Rosenheim: Zuerst hatten sie super Ergebnisse, dann fielen sie in ein Loch und sofort haben sie reagiert. Wenn man aufsteigen will, dann muss man in solchen Fällen aktiv werden. So aber wurde es bei uns unruhig.

Die GmbH will einen härteren Führungsstil.

Jeder Trainer ist anders und die GmbH verpflichtete mich - übrigens zu einer Zeit, nachdem man mit Obresa und seinem harten Führungsstil nicht zufrieden war. Prinzipiell gilt zudem, dass für disziplinarische Konsequenzen auch immer ein Ersatz vorhanden sein muss, mal ganz abgesehen davon, dass ich sehr wohl auf die Disziplin im Team geachtet habe.

Wurden Sie von der Mannschaft abgeschossen?

Dann hätten sie ja nach meiner Entlassung aufdrehen können!

Peter Salmik will sich vom angeblichen Hurra-Stil verabschieden. Haben Sie zu wenig Wert auf Defensivarbeit gelegt?

Sie alle kennen den Vorwurf, den man Hans Zach machte, als er Länderspiele 0:1 verloren hatte! Wir brauchten Tore, um gute Ergebnisse und Punkte einzufahren. Natürlich war die offensive Ausrichtung auch mein Stil, aber wir sind in der Oberliga, da musst Du Tore schießen! Jetzt kassiert die Mannschaft zwar ein bisschen weniger Tore, erzielt aber auch weniger und die Spiele haben sie auch nicht gewonnen.

Ist die Mannschaft Ihrer Meinung nach qualitativ gut genug, um in die 2. Bundesliga aufzusteigen?

Es ist nicht mehr meine Sache. Leider. Ich habe damals die Aufgabe angenommen und hätte sie mir mit Verstärkungen sehr wohl zugetraut.

Im Rückblick: Was hätten Sie anders gemacht?

Vielleicht hätte ich härter meine Position gegenüber dem Vorstand erklären müssen und bei den Verpflichtungen etwas anders machen sollen. Aber in Sachen Teamführung, Vorbereitung, Training und System habe ich mir nichts vorzuwerfen.

Wie geht es weiter bei ihnen?

Es gibt ein paar Ideen, wie gesagt habe ich mich beruhigt und auch hier in Kaufbeuren habe ich noch einiges zu tun. Es ist wirklich sehr schade und es knabbert schon noch an mir, zumal ich viele Menschen in Freiburg sehr gern hatte. Ich hätte mit dem Team gerne um den Aufstieg gekämpft!