"Es ist an der Zeit, das Münster abzureißen": Interview mit Simon Waldenspuhl und Lennart Lein von DIE PARTEI Freiburg

Daniel Laufer

Zur Freiburger Kommunalwahl treten auch Kandidaten der Partei DIE PARTEI an. fudder-Autor Daniel Laufer hat Spitzenkandidat Simon Waldenspuhl und Pressesprecher Lennart Lein auf dem Stühlinger Kirchplatz getroffen, sie gefragt, wie sie in Freiburg für Ruhe und Ordnung sorgen wollen und was OB Dieter Salomon von ihnen hält:



Sie haben darauf bestanden, dass wir unser Gespräch auf dem Stühlinger Kirchplatz führen. Benutzen Sie das aktuelle Kriminalitätsproblem hier gerade für Ihren Wahlkampf?

Simon Waldenspuhl (auf dem Bild oben links): Nein, wir halten den Stühlinger Kirchplatz einfach für einen wunderbaren Ort. Hier sind viele junge Menschen, die regelmäßig auf der Wiese chillen – und das sind die, die wir erreichen wollen. Natürlich sind wir uns bewusst, dass es hier auch so ein Kriminalitätsproblem geben soll, aber da haben wir eine praktikable Lösung. Die wollen wir den Bürgern ortsnah präsentieren. Wir haben hier diese Zettel. Darauf steht in verschiedenen Sprachen: „Ich besitze kein iPhone.“ Wer sich das auf den Rücken klebt, dem versprechen wir von der Partei DIE PARTEI, dass er das Risiko eines Raubüberfalls erheblich verringert. Ich denke, das steht auf diesem Zettel in allen gängigen Sprachen drauf – damit kann das jeder Flüchtling auch lesen.

Lennart Lein (auf dem Bild oben rechts): Wir schlagen außerdem vor, um den Kirchplatz eine Mauer zu errichten. Der KOD fängt dann willkürlich Freiburger Bürger ein. Die wirft man dann in diesen Park, vielleicht ein paar stumpfe Gegenstände und gering bemessene Essensvorräte hinterher. Man streamt das ins Internet und kann sich anschauen, wie das Leistungsprinzip hier konsequent zu Ende gedacht wird! (zeigt auf ein knutschendes Pärchen) Es wäre ja für alle Beteiligten deutlich unterhaltsamer, wenn sich die beiden die Augen um das letzte Stück Butter auskratzen müssten, anstatt hier herum zu turteln.



In Ihrem Programm für die Kommunalwahl fordern Sie: Der KOD muss bewaffnet werden. Wie soll das aussehen?

Waldenspuhl: Uns schwebt eine Melange aus „RoboCop“ und „Toto & Harry“ vor. Ich denke, so einen Sozialarbeiter in Uniform will niemand – seien wir doch mal ehrlich.

„RoboCop“ gilt in seinem Umgang nicht gerade als feinfühlig. Warum glauben Sie, dass soviel Härte nötig sein wird, um in der Innenstadt für Ruhe und Ordnung zu sorgen?

Waldenspuhl: Altbewährtes Konzept – das hat schon immer funktioniert.



Haben Sie da Beispiele?

Waldenspuhl: Ähm, ja ... (Lein flüstert Waldenspuhl etwas ins Ohr) Der Film „RoboCop“ würde mir da als Beispiel einfallen.

Was bekommen Sie da ins Ohr geflüstert?

Waldenspuhl: Lennart Lein ist mein Berater und Pressesprecher. Er steht mir bei so schwierigen Interviews zur Seite.

Lein: Wir haben hier ein 360-Grad-Überwachungskonzept, bei dem jeder jeden überwacht. Nur so kann sichergestellt werden, dass die PARTEI immer an erster Stelle steht.

Das klingt ein bisschen nach DDR.

Lein: Das haben Sie gesagt!



Sie haben große Pläne für die Zukunft des Stadtteils Vauban – auch wenn sie bedeuten, dass er vielleicht gar keine Zukunft haben wird. Können Sie mir das erklären?

Waldenspuhl: Ganz simpel: Wir bauen eine Mauer drum rum. Das gefällt den Deutschen.

Um die Menschen im Vauban zu halten oder alle anderen draußen?

Waldenspuhl: Erstrangig um sie drin zu behalten. Manche Menschen wissen nicht, was sie sich antun, wenn sie in dieses Stadtviertel laufen. Ihnen wollen wir gar nicht erst die Möglichkeit geben, diese Erfahrung zu machen. Man muss ja nicht alles im Leben probieren.

Lein: Es geht schließlich auch um die Kinder!

Welches Problem sehen Sie denn im Vauban?

Waldenspuhl: Ich denke, diese Frage kann sich jeder Freiburger selbst beantworten

In Ihrem Programm schimpfen Sie ausdrücklich auf das Gejammer der Vauban-Kinder. Wie war Ihre eigene Kindheit, Herr Waldenspuhl?

Waldenspuhl: Schön! Ich hatte eine gute Kindheit und bin eine geborene Führungspersönlichkeit: Schon in der Grundschule hatte ich eine Bande. Wir haben den Schulhof regiert und den Strebern gezeigt, wo die Mülltonnen sind. Schon früh wurde der Grundstein gelegt für eine hoffentlich steile Politikkarriere.



Sie wollen in der Stadt Großes bewegen – auch das Münster. Warum wollen Sie es aus der Stadt schaffen?

Waldenspuhl: Jeder, der sich das Münster etwas genauer anschaut, merkt sofort: Das ist ein marodes Gebäude. Seit hunderten von Jahren wird da Geld reingesteckt, das sind bestimmt schon Milliarden – nur zur Erhaltung! Es ist an der Zeit, dieses marode Gebäude einzureißen, es nach neusten architektonischen Standards vor der Stadt wieder aufzubauen und die frei gewordene Fläche endlich für etwas zur Verfügung zu stellen, was jedem Freiburger doch insgeheim gefällt: Man sollte dort einen großen Fußballtempel bauen. Mit so etwas könnten sich alle Freiburger identifizieren. So eine alte, kaputte Kirche eignet sich dagegen nicht als Statussymbol dieser Stadt.

Sie gehen überhaupt nicht auf den akuten Mangel an Wohnraum in der Stadt ein. Klafft in Ihrem Programm da nicht ein riesiges Loch?

Lein: Das betrifft ja im Wesentlichen Zottelstudenten, die sowieso im Vauban wohnen. Dieses Problem wird dann zum einen eben durch die Mauer eingeschränkt und zum anderen ist natürlich ganz klar: Mit Studenten gewinnt man keine Wahlen. Deswegen ist uns das Wohnraumproblem auch relativ egal.

Was halten Sie denn dann von Freiburg Lebenswert?

Lein: Das ist eine hochunterhaltsame Spaßliste! Wir haben sehr gelacht, als wir das Programm gelesen haben. Einige der Forderungen sind so kreativ formuliert, wie man es sonst eigentlich nur von der PARTEI kennt. Wenn es heißt, man soll das – Zitat – „Bevölkerungswachstum auf ein erträgliches Maß beschränken“ – Zitatende – dann wirft das die Frage auf, warum wir das nicht gefordert haben! Da muss man sich auch kritisch selbst fragen, ob man alles richtig gemacht hat. Von pensionierten Oberstudienräten in seinen Kernthemen angegraben zu werden, tut da natürlich doppelt weh.



Sprechen wir über einen anderen Punkt Ihres Programms. Sie fordern, man dürfe das „Schweizer-Problem“ nicht länger ignorieren. Migros hat Freiburg unter großer Trauer verlassen. Wovon sprechen Sie?

Waldenspuhl: Wenn ich das richtig gelesen habe, gibt es in der Innenstadt noch immer diverse Schweizer Schokoladengeschäfte. Außerdem strömen die Schweizer am Wochenende in die Stadt wie flüssiger Schweizer Käse, der über die Grenze schwappt und uns hier das Leben zur Hölle macht. Wir von der PARTEI sprechen das aus, was sich andere Parteien eben nicht trauen auszusprechen: Die Schweizer sind ein reaktionäres bergdeutsches Völkchen. Das wollen wir hier in unserem schönen Südbaden nicht haben. Deswegen gilt auch unsere Aufforderung: Liebe Freiburger, kauft nicht bei Schweizern und seid euch bewusst, wer die Schweizer sind und was sie wollen!

Meinen Sie, dass Sie bei den weiblichen Wählern punkten können, wenn Sie auch Schweizer Schokolade verbannen?

Waldenspuhl: Wir kompensieren das durch das gute Aussehen unserer Kandidaten.

Von wem sprechen Sie?

Waldenspuhl: Jeder von uns sieht gut aus! Vielleicht ich ein bisschen besser als andere, aber ich würde sagen: Unsere Liste ist die mit Abstand am besten aussehende Liste in Freiburg!

Lein: (empört) Was meinen Sie, wonach wir die Leute ausgewählt haben?!

Waldenspuhl: Da kommt bei uns ja nicht jeder einfach drauf – es gibt es ganz strenge Kriterien, nach denen wir entscheiden!

Altbewährtes Prinzip?

Waldenspuhl: Altbewährtes Prinzip.

Was muss man denn tun, um in Ihre PARTEI zu kommen und mitgestalten zu können?

Waldenspuhl: Man könnte mich vielleicht mal zum Essen einladen – und je nachdem wo und wie das dann aussieht, lässt sich doch über alles reden.



Sie haben bereits Oberbürgermeister Dieter Salomon getroffen. Was hält er von der PARTEI?

Waldenspuhl: Er findet’s geil! Vielleicht war das auch schon die Vorahnung, dass es nicht mehr so lange dauern wird, bis der Dieter Salomon nicht mehr im Rathaus ist – jetzt, wo wir richtig Wahlkampf machen. Auf jeden Fall sehen wir das auch so wie Dieter Salomon: Wir sind geil!

Lein: Wir möchten natürlich auch Herrn Salomon entgegenkommen. Er kann sich bei uns natürlich gerne auf der niedrigsten Stufe als PARTEI-Lakai andienen.

Waldenspuhl: Ich würde ganz gerne noch auf eine andere Frage eingehen, die uns sonst auch immer gestellt wird. Wir werden immer gefragt, wie wir dieses Wahlprogramm umsetzen wollen. Und da ist es wichtig für uns zu betonen: Das ist ein 100-Sekunden-Wahlprogramm. Nur 100 Sekunden nach unserer Machtübernahme werden wir es umgesetzt haben – dafür stehen wir mit unserem Namen!



Mehr dazu:

Das 5-Punkte-Programm des Freiburger Ortsverbands der Partei DIE PARTEI gibt es auf der Website der des Freiburger Ortsverbands der Partei DIE PARTEI.
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