Es gibt Hoffnung für das Crash

Adrian Hoffmann

Die Tage des Crash sind doch noch nicht gezählt: Die Subkulturinstitution in der Schnewlinstraße kann ihren Mietvertrag bis 2025 verlängern. Und auch für das Danach gibt es zumindest erste Ideen.



Der Szeneclub Crash könnte nun doch länger am Standort in der Schnewlinstraße bleiben als 2019. Das bestätigte Betreiber Mario Held. Demnach gibt es die Option auf eine Verlängerung der Mietdauer für weitere sechs Jahre. Ob das städtische Grundstück an die Industrie- und Handelskammer (IHK) verkauft wird, damit diese ihre Erweiterung realisieren kann, ist  noch nicht  abschließend geklärt. Auch der benachbarte Grünhof, wo sich eine Gründungs- und Start-Up-Szene trifft, signalisiert Interesse an Gesprächen.


Seit März gibt es Gespräche mit der Stadtverwaltung

Im März sah alles noch ein wenig anders aus. Nach dem Willen von Finanzbürgermeister Otto Neideck hätte der Freiburger Gemeinderat mal nebenbei in einer nicht-öffentlichen Sitzung darüber entscheiden sollen, ob das Grundstück für 1,3 Millionen Euro an die IHK Südlicher Oberrhein verkauft wird. Eine Informationsvorlage für den Gemeinderat sah vor, dass die Clubs Crash und Drifter’s bis 2019 weichen. Als die Clubbetreiber davon erfuhren, gingen sie auf die Barrikaden. Sie  fühlten sich von der Stadtverwaltung hintergangen. Der Gemeinderat veranlasste, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen.

Seither gehen die Gespräche weiter, allerdings hinter den Kulissen. In der Stadtverwaltung schweigt man. „Es gibt noch keinen neuen Sachstand“, sagt Pressesprecher Toni Klein, „die Verhandlungen laufen.“ Bei der IHK hört sich das ähnlich an. Die Verlängerung der Mietdauer für das Crash würde auch dem Drifter’s eine Verlängerung eröffnen.



Crashbetreiber Mario Held (Bild oben, Zweiter von rechts, mit Mitbetreiber Holger Bührle und Markus Kreidel und Stephan Kern vom Drifter's) hat die Hoffnung, dass es zumindest für das Crash auch über 2025 hinaus  weitergehen kann; sogar am gleichen Standort. In einem entsprechenden  Vertragsentwurf heißt es nach Informationen der BZ, bei einem geplanten Neubau würde sich die Stadtverwaltung verpflichten, 350 Quadratmeter für soziokulturelle Zwecke  zur Verfügung gestellt werde; Proberäume und ähnliches. Die Verwaltung würde diese Räume an- und weitervermieten.

Crash-Chef Mario Held kann sich eine Kooperation von Crash, Artik und Grünhof vorstellen

„Es machen sich einfach viele Freiburger Sorgen, dass das Crash wegkommt“, fasst Mario Held die vergangenen Monate zusammen. Er sei aber  kein Politiker, sondern veranstalte Konzerte und schenke Bier aus. „Die lokale Politik muss irgendwann entscheiden, wie wichtig ihnen das Crash ist.“ Held macht keinen Hehl daraus, dass ein Ort für eine Kombination aus Crash, Jugendkulturzentrum Artik und der Gründungs-Szene vom Grünhof „eine kulturelle Sensation“ wäre, „eine wahnsinnige Bereicherung für Freiburg“.

Auch Grünhof-Geschäftsführer Hagen Krohn (35) äußert Interesse an einer Erweiterung seines Unternehmens. Er könnte sich eine finanzielle Beteiligung an einem Gesamtprojekt auf dem Nachbargrundstück vorstellen. „Ich würde sehr gerne in einen Dialog mit der IHK und der Stadt treten“, sagt er. Er wolle auf keinen Fall fordernd auftreten, sondern viel eher „gemeinsam Visionen entwickeln“, was man mit einem neuen Gebäude in der Baulücke machen könne; es „lebendiger“ und „innovativer“ gestalten; etwas „mit Strahlkraft“ oder, wie er es noch formuliert: „Etwas, das beide Welten verbindet.“

Er würde sich freuen, wenn die Beteiligten hierfür offen wären, so Krohn. Der Grünhof könne weitere Fläche gebrauchen, „wir müssen wachsen“. Bislang bietet das Unternehmen auf 210 Quadratmetern eine Arbeitsumgebung mit Schreibtischen, High-Speed-Internet, Kopierer, Drucker, Präsentationstechnik und Meetingräumen an – für alle, die Ideen haben und mehr daraus machen wollen. Im Innenhof betreibt der Grünhof das Café Pow, von wo aus man zum Crash hinüberblickt. Er sehe bei den Planungen keinen Grund zur Hektik, sagt Hagen Krohn. „Im Grunde entscheidet die Stadt, was sie will.“

Beim Jugendkulturzentrum Artik zeigt man sich grundsätzlich offen für Kooperationen. Weil es Befindlichkeiten in der Szene gebe, wolle man aber warten, bis jemand auf sie zukomme, sagt Karim Saleh, zweiter Vorsitzender des Vereins. Wie berichtet muss das Artik 2016 aus seinem jetzigen Standort in der Unterführung am Siegesdenkmal ausziehen – und sucht  nach Alternativen.

Das Platzproblem der IHK bleibt

Die IHK hatte im Februar der Stadtverwaltung gegenüber zum wiederholten Male dargelegt, dass ihre  baulichen Kapazitäten in der Schnewlinstraße erschöpft seien. Man brauche zusätzliche Nutzfläche von 2500 bis 3000 Quadratmeter, hieß es  – für „einen größeren Bildungsbereich und die Erfüllung zusätzlicher Aufgaben“. Der Erwerb der Grundstücke, auf dem Crash und Drifter’s beheimatet sind, wäre „die ideale Lösung“. Auf dem Grundstück ließen sich Büros realisieren, Besprechungs- und Prüfungsräume, Seminar- und Veranstaltungsräume – aber auch Parkplätze.

In der Informationsvorlage für den Freiburger Gemeinderat hatte es zudem geheißen,  der IHK sei bereits beim Kauf ihres Grundstückes im Jahr 1992 von der Stadt „avisiert worden“, dass die Fläche erweitert werden könne. Zudem würden Platzreserven „für die zukünftigen Übertragungen von hoheitlichen Aufgaben“ geschaffen. Nach einem Neubaukonzept der IHK sollte es einen  Veranstaltungsraum für bis zu 250 Teilnehmer geben, eine Mensa für Catering, ein Service Center, eine zweistöckige Tiefgarage und gegebenenfalls eine Hausmeisterwohnung.

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[Bilder: Ingo Schneider]