Ersti-Tipps: 11 Studierende und Ex-Studis erklären, was für die Uni wichtig ist

Gina Kutkat & Merlin Gröber

Planlos und kopflos irren sie derzeit wieder über den Campus: 4126 Erstis sind an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg eingeschrieben. Um ihnen den Start in den Unialltag und die vielleicht schönste Zeit ihres Lebens zu erleichtern, haben wir Studierende und Ex-Studis gefragt, welche Ratschläge sie für die Anfänger haben.



Friedemann Vogel, 32, Junior-Professor   für  Medienkulturwissenschaft, Germanistik, Psychologie und Philosophie

„Suchen Sie sich zunächst einmal Gleichgesinnte, mit denen Sie Freud' und Leid teilen können. Am besten verbinden Sie das mit der Fachschaft, also der Studierendenvertretung ihres Faches. Dort sind meistens engagierte Leute, Sie kommen an Insider-Infos, lernen, wie die Uni funktioniert (und wo und wie nicht!) und können von Anfang an mitmischen.

Denn das Wichtigste im Studium: Behalten Sie Ihren eigenen Kopf, nehmen Sie nichts für selbstverständlich, auch wenn mancher Besserwisser seine Vorlieben, mit dem Zahlen- und Notenknüppel beschwert, als letztgültige Weisheit hinstellen mag. Wer meint, er wisse alles, hat nichts verstanden. Lassen Sie sich nicht belehren, fordern Sie Erklärungen ein, fragen Sie, als ob es um Ihr Leben ginge. Denn genau darum geht es.

Wissen schafft Handlungsoptionen, schafft Auswege aus Sackgassen. Schauen Sie dafür auch mal die Denke der Nachbarfächer an, lernen Sie Sprachen und planen Sie früh ein Auslandssemester. Solche Ausflüge schärfen Ihren Blick, machen das sonst Selbstverständliche zu Hause zum Außergewöhnlichen.

Und last but not least: Entziehen Sie sich der Zeitknute. Einen BA-Abschluss nach sieben bis acht Semestern ist Durchschnitt und das ist gut so. Alles darunter macht Sie entweder zum Fachidioten oder depressiv. Sorgen Sie für Erholungsphasen, regelmäßig, mit anderen, etwa in einem der  Freiburger Biergärten.“

Lukas Oberascher, 29, Keyboarder der Band „Otto Normal“, hat Schulmusik an der Musikhochschule Freiburg studiert

"In Freiburg gibt es viele Menschen, die einem ungefragt erklären, wie man zu leben hat. Auf diese Begegnungen könnte ich bis heute verzichten. Die Mensa ist okay, aber man darf keine Soße essen und keine Kartoffeln. Die Soße besteht nur aus EEEE-Stoffen, da bekommt man Bauchweh von und die Kartoffeln sind immer halb roh. Meine Empfehlung ist eine große Portion Pommes mit Salat oder wahlweise Nudeln oder Reis.

Die Prüfungsanmeldung ist auch wichtig. Die Semesterverwaltungsgebühr sollte man unbedingt zahlen, weil man sich sonst vorkommt wie Asterix im Irrenamt. Außerdem sollte man sich die Someday Session, die jeden ersten Montag im Monat im Räng Teng Teng stattfindet, nicht entgehen lassen. 

Außerdem gibt es im White Rabbit,  Waldsee und Jazzhaus tolle Konzerte. Ruefetto,  Jos Fritz und  Räng Teng Teng sind gute Bars, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Besonders zu empfehlen ist die Bar Erika: leckere Cocktails und Longdrinks. Mein absoluter Geheimtipp ist das Cinemaxx-Dach und die Automaten-Emma –  da gibt es Bier nach 22 Uhr!

Wenn man Single ist, oder noch keine Freundschaften geschlossen hat, lohnen sich die diversen Semesterpartys. Prinzipiell sollte man wenig studieren und viel feiern!  Die Hausarbeit sollte spätestens zwei Tage vor Abgabe angefangen werden und  bitte nicht erst einen Tag davor.“

Kimon Mouzakis, 27, Lehrbeauftragter  Skandinavisches Seminar Uni Freiburg,  Lehramt Romanistik, Latein, Skandinavistik

„Ich habe einen praktischen Tipp: Bevor man anfängt zu studieren, sollte man sich eine E-Mail-Adresse zulegen, die nach folgendem Schema funktioniert: Vorname.Nachname@Domain.de. Es passiert häufig, dass ich Mails von Buecherwurm82 oder Linguistigfreak123 bekomme – und das kommt nicht gut an. Außerdem sollte man immer seine Mails checken, das ist Hauptkommunikationsmittel an der Uni.

Mein zweiter Tipp: mit dem Kauf von Büchern warten. Wir haben eine super ausgestattete Universitätsbibliothek in Freiburg, die sollte man nutzen. Wenn es doch mal ein Buch gibt, das man kaufen muss, kann man das  zusammen in der Gruppe machen. Generell fand ich die Ersti-Veranstaltungen –  Partys, Hütten, Kneipentour – super. Man kann Kontakte außerhalb seines Studiengangs knüpfen und Leute aus höheren Semestern kennenlernen, das ist hilfreich, wenn man bei einer Frage nicht direkt zum Prof rennen möchte.

Allgemein rate ich allen Unentschlossenen, sich Zeit zu lassen. Ich würde Kurse wählen, die mich interessieren, weil man dann motivierter ist und bessere Noten schreibt. Wer die Chance hat, mit Erasmus ins Ausland zugehen: Macht es! Man kommt nie wieder so lange so günstig weg. Ob man am Ende sechs oder sieben Semester studiert, ist  wurscht.“

Xifan Yang, 27, Journalistin,  Psychologiestudium abgebrochen, dann Journalistenschule München

„Ich bin ein denkbar schlechtes Univorbild: Vordiplom in sechs Semestern, die meisten Vorlesungen schlafend verbracht und dann abgebrochen. Ehrlich gesagt kann ich mich an kaum etwas erinnern. Ich fand studieren wirklich schrecklich.

Deswegen würde ich Studienanfängern raten, sich genau zu überlegen, welchen Beruf sie sich später vorstellen können und wie sie arbeiten möchten. Mehr Fragen stellen wie: ’Möchte ich mit Menschen arbeiten, am Schreibtisch sitzen,  etwas Sinnstiftendes tun,  lieber meine Ruhe oder 10 000 Euro monatlich verdienen?’

Ich habe 2006 in München mit dem Psychologiestudium angefangen, weil es mich als Thema interessiert hat – das tut es  immer noch. 2009 habe ich abgebrochen, um an die Journalistenschule zu gehen. Damals habe ich bei einem Jugendmagazin gearbeitet und gemerkt, dass mich das mehr motiviert als mein Studium. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich mehr auf mein Bauchgefühl hören.“

 

Julia Söhne, 21, SPD-Stadträtin,  Politikwissenschaft und Geschichte, 5. Semester

„Ich glaube, die meisten Erfahrungen muss man selber machen. Um das richtige Fach für einen zu finden und die beste Vorbereitungszeit auf Klausuren zu bekommen, helfen wenig Tipps von anderen. Auf jeden Fall sollte man die ersten beiden Semester genießen! Nie wieder kann man so viel feiern. Und auch, wenn sich das mit dem Feiern schlecht vereinbaren lässt: Die Einführungsklausuren am Anfang sind sehr dankbare Punktegaranten, ein bisschen Lernaufwand lohnt sich.

Mir haben Lerngruppen immer super geholfen. Also sollte man sich am Besten ein paar strebsame Freunde suchen, die einen an vergessene Abgabefristen von Hausarbeiten erinnern. Und als Letztes: Gelassenheit. So schnell ist noch keiner von der Uni geflogen.

Und wenn man merkt, dass man das Falsche studiert, sollte man Mut zum Wechsel haben. Ich bin sehr glücklich, von Jura zu Politik gewechselt zu haben, auch wenn ich dadurch zwei Semester in den Sand gesetzt habe.“

Simon Waldenspuhl, 27, Die-Partei-Stadtrat, zwei abgebrochene Studiengänge

„Liebe Erstis, zu Beginn ein Hinweis: Sind Sie nicht hier geboren, eine Frau oder gehören sonst irgendwie zu den Verlierern dieser Gesellschaft, überspringen Sie bitte den nächsten Absatz.

Denn im Rückblick auf meine Studierendenzeit kann ich Ihnen nur eins raten: Treten Sie in eine Burschenschaft ein. Natürlich nicht in irgendeine, am Besten sollte sie rechtsextrem und schlagend sein, keine Sorge –  auch im liberalen Freiburg gibt es davon genug. Denn was heute im Hochschulbetrieb zählt –  das Hervorstechen aus der Masse der fleißigen, gleichgeschalteten, grün-links-versifften Mitstudierenden –  ist damit in jedem Fall garantiert!

Die weiteren Vorteile liegen auf der Hand: Villa, Bierflatrate, sichere Zukunft, Elitenförderung, exklusive Partys, simples Weltbild, präzisierte Feindbilder, Freunde, die genau so sind wie Sie und keine nervigen Weiber! Falls Sie meinem Rat nicht folgen wollen, können, dürfen oder zu einer der oben genannten Gruppen gehören, aber trotzdem nicht auf diese Vorteile verzichten wollen, können Sie natürlich auch einfach Mitglied der Partei werden.“

Lena Henningsen, 37, Junior-Professorin für Sinologie, Studium der Sinologie, Musikwissenschaften und Politikwissenschaften

"Meine Ratschläge für den Start ins Studium? Nehmen Sie Ihr Studium ernst und erwerben Sie solide Kenntnisse und Fähigkeiten, ABER: Nutzen Sie die Zeit Ihres Studiums immer wieder als eine Zeit der Freiräume, zum Ausprobieren und für Blicke über den eigenen Tellerrand! Lassen Sie sich nicht das Leben von ECTS-Punkten, Vorstellungen zur Regelstudienzeit und Mutmaßungen darüber, was potenzielle Arbeitgeber möglicherweise auf Ihrem Zeugnis lesen möchten, diktieren!

Was gibt es jenseits des Tellerrands? Noch eine Fremdsprache; Theaterbesuche; Mitwirkung in studentischen Gremien; der Besuch von Veranstaltungen in anderen Fächern, die wirklich nicht in Ihrem Studienverlaufsplan vorgesehen sind; sehen Sie sich nach Möglichkeiten um, als studentische Hilfskraft zu arbeiten; und: unbedingt einen Auslandsaufenthalt einplanen! So leicht, oft auch gut gefördert wie im Studium kommen Sie möglicherweise während Ihres Berufslebens nicht mehr ins Ausland.

Vielleicht „verlieren“ Sie dadurch ein Semester, oder ein Studienjahr – aber Sie gewinnen immens: einen neuen Blick auf Ihr Fach und auf Ihr Herkunftsland; das Eintauchen in eine andere Welt; Sprachkenntnisse; neue Freundschaften, die mitunter ein Leben halten… Ich wünsche Ihnen viel Freude, Erfolg und auch eine Portion Glück für das beginnende Semester."

Valentin Stark, 24, Master Sportwissenschaft

„Wenn ich die Chance hätte, mit meiner jetzigen Erfahrung nochmal als Ersti

ins Uni-Leben zu starten, würde ich in erster Linie die vielen Möglichkeiten und Angebote neben dem eigentlichen Studium besser nutzen. Sei es, neue Sportarten kostenlos auszutesten, sich an einer neuen Sprache versuchen oder mit Hilfe der vielen Angebote des Studium Generale mal über den Tellerrand zuschauen.

Uni und Studierendenwerk  bieten einem so viele Chancen, das Studium abwechslungsreich zu gestalten. Zudem würde ich mehr Zeit investieren, die Umgebung näher kennenzulernen, vorzugsweise mit dem Fahrrad. Sportliche können hoch auf den Schauinsland, raus nach Breisach ist es flacher.“

Martina Volz, 23, 8. Semester Lehramt

„Als Ersti hätte ich gerne gewusst, wie wichtig Zeitmanagement ist. Wenn man sich seine Zeit richtig einteilt, kann man arbeiten, feiern und gleichzeitig gute Noten schreiben.

Dann bleibt auch genug Zeit bis nach St. Ottilien zu joggen, eine wunderschöne Strecke, die ich erst viel zu spät entdeckt habe. Und in Freiburg gibt es viele interessante Clubs, man muss nicht ins Kagan. Auf jeden Fall lohnt es sich, nach Stipendien Ausschau zu halten. Das hat mir bei meinem Auslandsjahr sehr geholfen.“

Tobias Matysiak, 23,  7. Semester Informatik


"Als Ersti habe ich die Gefahren der Freiheiten des eigenständigen Lernens unterschätzt. Wenn man zu lange die viele Zeit genießt, die einem neben den Vorlesungen zur Verfügung steht, kann am Ende des Semesters in der Prüfungsphase die böse Überraschung folgen. Hätte ich schon damals einen gesunden Mittelweg dafür gekannt, wäre mir einiger Stress erspart geblieben.“

Esther Bergemann, 25, 8. Semester Lehramt

„Es ist wichtig zu wissen, dass es nie zu spät ist, ein Studienfach zu wechseln. Habe den Mut zu studieren, was dir gefällt. Ich selbst habe nach drei Semestern noch gewechselt und bereue es nicht.

Im ersten Semester solltest du dich umsehen, in fachfremde Gebiete reinschnuppern und viel mit Freunden machen. Das bringt einen auf neue Ideen und hilft, sich einzuleben. Bewerbe dich außerdem frühzeitig für ein Auslandsjahr, die Fristen sind sehr früh.“

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  [Fotos: privat/ Felix Groteloh/Sandra Meyndt/Ingo Schneider/Thomas Kunz/Rita Eggstein]