Erster Verhandlungstag im Hundebiss-Fall

Meike Riebau

Lang und anstrengend war der erste Verhandlungstag im Hundebiss-Fall. Dem 43-jährigen Angeklagten wird Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Bedrohung vorgeworfen. Die Lager der Zeugen waren klar aufgeteilt: Während die Polizisten den Einsatz des Polizeihundes als eindeutig gerechtfertigt sahen, zeigten sich die anderen Augenzeugen durchweg schockiert und verständnislos.



Der Hundebiss - die Fakten

Die Umstände des Hundebiss-Falles muten unwirklich an: Ein hilfsbereiter Mann sieht auf der Straße eine hysterisch schreiende Frau und ruft die Polizei zu Hilfe. Die Polizeibeamten verlangen nach Eintreffen in einer Routineprozedur die Personalien des Anrufers, die dieser jedoch verweigert.

Im daraus entstehenden Tumult wird der mitgeführte Polizeihund losgelassen und beißt den am Boden liegenden Mann mehrfach. (fudder berichtete ausführlich über den Hundebissfall.)
Das Hundebiss-Opfer erstattete Anzeige gegen drei der Polizeibeamten – und diese wiederum gegen ihn. Während die Verfahren gegen die Beamten bald eingestellt wurden, erging gegen den aus Nigeria stammenden Deutschen ein Haftbefehl wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Bedrohung. Gegen diesen legte der 43-Jährige Widerspruch ein.

Dienstag, erster Tag der Hauptverhandlung.

Alle Stühle im Amtsgericht waren voll besetzt, als gestern morgen um 8.30 Uhr die Verhandlung gegen Herrn O. eröffnet wurde; Pressevertreter, Gemeinderatsmitglieder und Schaulustige hatten sich eingefunden, um die Verhandlung zu verfolgen. Der Angeklagte O. wirkte alles andere als nervös – eher empört. Schick hatte er sich gemacht für die Verhandlung, mit Hemd und Anzug, welches während der Verhandlung im Eifer des Gefechts immer weiter herausrutschen sollte.

O. will im Verfahren zeigen, dass er damals zu Unrecht angegriffen wurde. Es geht neben der Fragen nach der Verhältnismäßigkeit des Hundeeinsatzes irgendwie auch um die Motive.

"Rassismus!", gellte es in der Bevölkerung auf, als bekannt wurde, dass ein Polizeihund auf einen Schwarzen gehetzt worden war. "Ein gerechtfertigter Einsatz", wiegelte die Staatsanwaltschaft ab und stellte die Verfahren ein.

Die drei Beamten, gegen die damals ermittelt worden war, wurden ebenfalls heute in der Verhandlung befragt. Übereinstimmend gaben sie an, sie hätten zum Zeitpunkt  des Geschehens nicht wissen können, ob der Angeklagte sich lediglich habe befreien oder zu einem Schlag ansetzen wollen. "Ich sah einen erhobenen Arm, der auch eine Bedrohung darstellen könnte", sagte der Polizeibeamte, der den Hund bei sich hatte und das Kommando zum Angriff gab.

"Auf mich wirkte er nicht agressiv," sagten dagegen drei Zeugen, die das Tatgeschehen zufällig beobachtet hatten. Unabhängig voneinander hatten alle drei die Rangelei beobachtet. In der Vernehmung gaben sie übereinstimmend an, der Angeklagte habe sich zwar "gedreht und gewendet, um sich dem Griff der Polizisten zu befreien", eine von ihm ausgehende Bedrohung oder Schläge hätten sie aber nicht gesehen.

Die Polizeibeamten dagegen betonten besonders, dass es sich bei dem Angeklagten um einen außerordentlich kräftigen Mann handle, der ihnen körperlich überlegen sei.



Rassismus-Vorwurf

Als Grund für die Weigerung, seine Personalien anzugeben, hatte O. schon am Tatort angegeben, dass er "kein Zeuge sei, und nichts gesehen habe".
Zudem habe er gesagt, dass er zurück zu seinem Sohn wolle, der auf der anderen Seite der Eschholzstraße auf ihn wartete. Das will jedoch keiner der Beamten gehört haben. "Sonst hätte ich doch sofort nach dem Kind geschaut", empörte sich die Polizeiobermeisterin B. Dieser warf der Angeklagte auch vor, ihn mit dem Knauf ihrer Waffe geschlagen oder diesen zumindest an sein Genick gehalten zu haben. Laut O. soll die Polizistin dabei gerufen haben: "Hol den Hund! Friss den Neger!".

Behauptungen, mit der der Angeklagte bis dato alleine dasteht. Die vier Polizeibeamten geben an, keine Waffe gezogen zu haben, auch einen solchen Ausruf habe niemand vernommen. Die vorübergehenden Passanten waren zu weit vom Geschehen entfernt, um die Wortwechsel und das Handgemenge genau überblicken zu können.

Wie geht es weiter?

Klar ist nur eins: Es gab eine laute Auseinandersetzung und Herr O. trug eine Anzahl an Bisswunden davon, die später im Krankenhaus behandelt wurden.

Auch wenn der Rassismus-Vorwurf heute kaum zur Sprache kam, lag er dennoch während der ganzen Verhandlung in der Luft; was sich etwa in der außerordentlich vorsichtigen Wortwahl der Polizeibeamten gegenüber den "Schwarzafrikanern" zeigte.

Allerdings kann man sich auch die Frage stellen, ob es sich nicht vielmehr um die Konstellation handelt: Bürger prallt auf Obrigkeit und zieht den Kürzeren.