Erste Hilfe bei Verhütungspannen: Fragen & Antworten zur Pille danach

Christine Duttlinger

Kondom gerissen, Pille vergessen oder gar nicht verhütet: Wollen Frauen – wenn es schon passiert ist – eine Schwangerschaft verhindern, können sie im Notfall zur sogenannten Pille danach greifen. In fast allen europäischen Ländern gibt es diese Medikamente rezeptfrei in der Apotheke – in Deutschland aber nicht. Wir haben die wichtigsten Fakten zur Pille danach zusammengestellt:



Wie wirkt die Pille danach?

Eine Eizelle bleibt nach dem Eisprung zwölf bis maximal 24 Stunden lang befruchtungsfähig. Spermien dagegen können bei optimalen Bedingungen drei bis fünf Tage lang in Gebärmuttermund, Gebärmutter oder Eileiter überleben. „Die Pille danach verschiebt den Eisprung“, sagt die Gynäkologin Gudrun Hopfengärtner von Profamilia Freiburg.

Zwei Wirkstoffe können diese Wirkung erzielen: Levonorgestrel (Handelsname: Pidana)  und  Ulipristalacetat  (Handelsname: Ellaone). Levonorgestrel (LNG) kann in die Reifung der Eizelle bis zu zwei Tage vor dem Eisprung eingreifen, Ulipristalacetat (UPA) bis wenige Stunden vor dem Eisprung. Deshalb bietet UPA den Frauen die größere Sicherheit. Levonorgestrel kann bis zu drei Tage nach unverhütetem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, Ulipristalacetat bis zu fünf Tage. Grundsätzlich gilt: Je schneller, desto besser.

Ist die Pille danach ein Schwangerschaftsabbruch?


Nein.
Wenn der Eisprung bereits erfolgt ist, verhindert die Pille danach weder die Befruchtung der Eizelle noch die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter.

Die Pille danach darf nicht mit der sogenannten Abtreibungspille verwechselt werden, deren Wirkstoff Mifepristone (Handelsname: Mifegyne) kann bis zum 63. Tag einer Schwangerschaft einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch einleiten.



Was für Nebenwirkungen können auftreten?

Wie bei allen hormonellen Verhütungsmethoden können nach der Einnahme Kopfschmerzen, Erbrechen und Übelkeit auftreten. Viele Frauen glauben, dass das Einnehmen der Pille danach die Fruchtbarkeit beeinflusst, das stimmt allerdings nicht.

Ist die Pille danach verschreibungspflichtig?


Ja
, in Deutschland sind beide Pille-Danach-Wirkstoffe verschreibungspflichtig. In fast allen europäischen Ländern dagegen sind Pille-danach-Präparate mit LNG ohne Rezept in Apotheken erhältlich. Präparate mit UPA sind allerdings europaweit verschreibungspflichtig, weil vor der Einnahme das Bestehen einer Schwangerschaft ausgeschlossen werden muss.

SPD und Grüne fordern, dass auch in Deutschland LNG-Präparate ohne Rezept erhältlich sein sollten. Die Freiburger Profamilia-Ärztin Gudrun Hopfengärtner hält begrüßt dies: „Eine rezeptfreie Abgabe in Apotheken ist dringend erforderlich, weil wichtig ist, dass die Pille danach so schnell wie möglich eingenommen wird.“ Ein Gang in eine Notaufnahme sei eine zusätzliche Hürde für betroffene Frauen: „Apotheken haben Notdienste und sind auch abends und am Wochenende leicht zu erreichen.“

Der Berufsverband der Frauenärzte hingegen ist gegen die Abschaffung der Rezeptpflicht: „Wenn Frauen ohne kompetente Beratung, ob Levonorgestrel in der speziellen Situation noch wirksam ist, zur Notfallkontrazeption wieder LNG statt UPA verwenden, würden vermutlich deutlich mehr Schwangerschaftsabbrüche wegen ungewollter Schwangerschaften erfolgen“, schrieb der Berufsverband in einem offenen Brief an die Bundesregierung.

Gudrun Hopfengärtner gibt allerdings zu bedenken, dass die Levonorgestrel-Präprarate durchaus sehr sicher seien.

Was kostet die Pille danach?

Das Levonorgestrel-haltige Präparat Pidana kostet zwischen 16 und 18 Euro, das Ulipristalacetat-haltige Ellaone (Bild unten) etwa 35 Euro. Frauen unter 20 bekommen die Kosten von ihrer Krankenkasse erstattet.



Dürfen auch minderjährige Mädchen die Pille danach nehmen?

Wollen junge Frauen  zwischen 14 und 16 Jahren ein Pille-danach-Präparat verschrieben bekommen, dann liegt es im Ermessen der Ärztin oder des Arztes, ein Rezept auszustellen.

Für Mädchen unter 14 Jahren gilt das auch, allerdings werden Ärzte dazu angehalten bei dieser Altersgruppe besonders sorgfältig zu sein.

Für Frauen, die älter als 16 sind, gibt es keine rechtlichen Beschränkungen.

Wie und wo bekommt man die Pille danach in Freiburg?

Das Rezept für die Pille danach erhält man bei seinem Gynäkologen, dem Hausarzt und auch bei Profamilia. Braucht man außerhalb der Öffnungszeiten von Praxen und Beratungsstellen die Pille danach, dann kann man sich entweder an den zuständigen ärztlichen Notdienst oder an die Notaufnahmen der Krankenhäuser wenden.

Allerdings müssen Frauen aufpassen: Katholische Krankenhäuser verschreiben die Pille danach nur an Opfer sexueller Gewalt. Katholische Krankenhäuser in Freiburg sind alle Einrichtungen, die zum Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser gehören,   zum Beispiel das Loretto-Krankenhaus, das St.-Josefs- und das Bruder-Klaus-Krankenhaus.

Opfer sexueller Gewalt sollten sich in Freiburg grundsätzlich an die Uniklinik wenden. „Wir haben eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Verein Frauenhorizonte, welcher  mutmaßlich vergewaltigten Frauen betreut“, sagt  Gerald Gitsch, ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Freiburg.  „Außerdem arbeiten wir mit der Kriminalpolizei zusammen, gemeinsam mit einer Rechtsmedizinerin machen wir die Beweissicherung. Eine Infektologin berät zudem über HIV und andere ansteckende Krankheiten.“

Kann die Pille danach als normales Verhütungsmittel genutzt werden?

Die Pille sollte nur als Notfallmaßnahme zum Einsatz kommen. „Sie ist keine Verhütung auf Dauer“, sagt Gudrun Hopfengärtner, „dafür ist sie überhaupt nicht geeignet.“

Wie oft sollte man die Pille danach maximal einnehmen?

Eine mehrmalige Einnahme der Pille danach ist nicht schädlich.  Zwar können dadurch Zyklusstörungen verursacht und bei bestimmten, oft noch unerkannten Vorerkrankungen die Thrombosegefahr erhöht werden.

Im Einzelfall ist es aber sicherer, die Pille danach zu verwenden, als darauf zu verzichten und eine ungewollte Schwangerschaft zu riskieren.

Wer kann mich beraten?

Ärztliche Beratung in Sachen Verhütung und Pille danach gibt es bei jedem Gynäkologen, bei Hausärzten und den Beratungsstellen von Profamilia

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[Bild 1: © laurent hamels - Fotolia.com; Bild 2: dpa; Bild 3: HRA-Pharma]