Erst der freie Fall, dann Down Under

Lilian Kaliner

Es sollte ein ruhiger Sonntag werden. Ich hatte mich gerade aufs Bett gelegt und Asterix eingeschalten. Plötzlich klingelt das Handy meines Freundes und ich höre meine Mutter lauthals "Es geht los, wir treffen uns vor der Rhodia", brüllen: Ich werde einen Tandemsprung machen:Patrick schnappt mich und ehe ich mich versehe, sitze ich verwirrt im Auto und versuche etwas aus ihm heraus zu locken. Bringt nichts, der Groschen fällt bei mir erst, als meine Eltern vor uns zum Flughafen abbiegen. Ich lasse erst mal einen Schrei los als ich verstehe, dass ICH heute springen werde. Ich hatte es vor drei Jahren zum Schulabschluss geschenkt bekommen und total vergessen, dass ich damals nach dem Sprung zu meinen Eltern meinte, dass ich zum Ausbildungsabschluss gerne noch mal würde?Keiner hatte etwas verraten und als wir auf dem Flugfeld ankommen, kommt die nächste Überraschung: Dort steht Adrian im schicken blauen Sprunganzug und weil wir mit den Gedanken schon in der Luft sind, erkennen wir uns erst auf den zweiten Blick. Was für ein Zufall!Adrian steigt tapfer ins Flugzeug ? immerhin muss er selber springen, ich werde im Tandem gesprungen. Zwanzig Minuten später stehe ich eingezurrt im Sprunggurt an der Landebahn und beobachte den Absprung von ihm und den anderen. Leider kann man nicht erkennen wer wer ist, doch einer von den "Frischlingen" legt einen super Po-Klatscher hin. Es sah schon ehrlich lustig aus, doch mein Tandempartner erklärt: So was tut richtig weh. Schon landet das Flugzeug wieder und wir steigen auf. Über 3000 Meter muss das kleine Flugzeug schaffen ehe ich in der Türe hänge, den Kopf in den Nacken lege und nur noch “S******” denke. Da ist es schon passiert. Wir werden kräftig durchgeschüttelt und sind mitten im 30-sekündigen freien Fall. Das Atmen fällt schwer, aber die Aussicht ist grandios. Ein wenig froh bin ich schon als wir landen und die ersten Schritte mache ich wackelig mit weichen Knien. Einige Minuten später sitze ich neben Adrian und frage "Wer ist da eigentlich auf dem Hintern gelandet?". Adrians Freundin schüttelt sich vor lachen und er schaut etwas unglücklich. Es hat wohl wirklich wehgetan. Ich glaube diesen verrückten Sonntag werden wir alle nicht so schnell vergessen!