Ernt' langsam 2.0: Brummen im Schrebergarten

Sophrolaeliocattleya

Das kleine Glück hält an. Immer noch, immer wieder, trotz einiger Widrigkeiten: Sophrolaeliocattleya pachtet seit März eine Schrebergartenparzelle und liefert nun die Fortsetzung ihres Gärtnerinnenberichts. Was wächst, was schmeckt und wer sich beschwert, lest ihr hier.



Exzessive, schweißtreibende, stundenlange Jätaktionen, zu viert unter sengender Sonne, nur um festzustellen, dass Kulturpflanzenbegleiter (Unkraut), doch um einiges hartnäckiger sind, als man sich das selbst in seinen schlimmsten Alpträumen ausgemalt hat, das hat etwas leicht Desillusionierendes. Schmerzende Hände mit Schwielen sind auch nicht gerade ladylike, aber immerhin hat mich noch keiner gefragt, ob ich neuerdings auf dem Bau arbeite.




Unsere 20 Erdbeerpflänzchen enttäuschten, trotz liebevoller Pflege und täglicher Wasserzufuhr (wir erinnern uns, April und Mai waren extrem trocken) ernteten wir etwa 15 Stück. Die schmeckten dann aber wirklich ungeheuer aromatisch.

Der Rucolabestand wurde wegen der Trockenheit von Erdflöhen perforiert. Ich kannte diese Biester vorher nicht mal, phasenweise träumte ich plötzlich von ihnen. Brennnesseln breiteten sich rasant aus, leider sogar bis zu unseren Nachbarinnen, den von einem anderen Nachbarn liebevoll titulierten Drachenladies, die mir daraufhin prompt einen sehr uncharmanten Rüffel verpassten. Auch der Weißklee hat inzwischen unkontrolliert im gesamten Garten gewuchert, leider.



Dennoch will ich unsere grüne Hölle nicht mehr missen. Als besonders schönen, einprägsamen Moment empfand ich zum Beispiel das Rhabarberbaiser-Kuchenessen zu viert. Sabrina hatte den köstlichen Kuchen mit Rheum rhabarbarum aus unserem Garten gebacken. Wir tranken Kaffee und saßen unter unseren Apfelbäumen im Schatten, die Vögel zwitscherten, ein wirklich idyllischer Sonntagnachmittag, kitschig schön, wie aus einem Pilcherroman.



Auch eine Einweihungsparty des Gartens haben wir inzwischen veranstaltet, sie endete feuchtfröhlich um 2 Uhr nachts. Die Stimmung an diesem Abend war grandios und die nächste Gartenparty befindet sich schon im Planungsstadium. Gegen Ende der Feier verbrannten wir sogar auf unserem Grill die vorjährigen Ruten der Himbeerhecke, um sie loszuwerden und uns zu wärmen.



Die Himbeerhecke liefert übrigens üppige Erträge, wir konnten Tupperbehälter um Tupperbehälter füllen, ein über sechs Wochen lang nie versiegender Quell der Köstlichkeit. Mittelpunkte des Gartens sind ein gigantischer Feigenbaum, um den uns jeder beneidet und ein Schattenmorellenbaum, der ebenfalls sehr gut trägt, und uns letztendlich vor echte Verwertungsprobleme stellte.

Die Zucchini wachsen ausgezeichnet, fast wie das Unkraut, in weiser Voraussicht haben wir erstmal nur zwei Pflanzen gesetzt, und das reicht bisher auch vollkommen aus. In den Nachbargärten kann man einige extrem große Vertreter der Gattung Cucurbita pepo bewundern, es wirkt auf mich fast wie ein Wettbewerb nach dem Motto: "Wer hat die größte Zucchini im Land?"



Eine von mir im Internet für zehn Euro bestellte Heidelbeerpflanze landete erstmal auf dem Kompost, weil mein Freund sie nicht als solche identifizierte. Ich konnte sie jedoch glücklicherweise noch retten.

Die Erde der Heidelbeere sollte übrigens "sauer" (PH-Wert unter 6,5) sein, deshalb hab ich einfach ein paar Orangenschalen in die Erde getan. Den Tipp hat mir ein Arbeitskollege gegeben. Bisher gedeiht die Pflanze erstaunlich gut, mal sehen, wie sie sich weiterentwickelt, Früchte gibt es wohl erst im nächsten Jahr.



Eine echte Bereicherung stellen die vier wunderschönen Solarlampen dar, die Sabrina von ihrer Oma spendiert bekommen hat. Sie passen wunderbar in das immer noch leicht verwilderte Gartenambiente.

Viele der Dinge, die wir uns vorgenommen hatten, haben wir noch nicht erledigt. Wir wollten die alten, verwitterten Holzbänke streichen, bisher konnten wir uns nicht mal auf eine Farbe einigen, auch das geplante Frühbeet wurde nicht verwirklicht, vielleicht schaffen wir diese Sachen nächstes Jahr.

Die Arbeit wird uns jedenfalls nicht ausgehen. Der Spaß hoffentlich auch nicht.

Danke für die schönen Fotos an fudder User wikinger79.

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