Vierzehnter Verhandlungstag

Ermittler sagt über Hussein K.s Facebook-Fotos aus

Carolin Buchheim & aktualisiert um 13.22 Uhr

Im Prozess gegen Hussein K. sagten am Dienstag vor dem Freiburger Landgericht weitere Zeugen aus: Zwei Rechtsmedizinerinnen und ein Polizist, der Hussein K.s Profile in den sozialen Netzwerken ausgewertet hat.

Das Verfahren ist für heute beendet und wird am Freitag, 8. Dezember 2017 fortgesetzt. Dann soll unter anderem eine Frau aussagen, die von Hussein K. in der Tatnacht an der Endhaltestelle Laßbergstraße belästigt wurde.

Fazit

Der 14. Prozesstag war kurz, aber zäh. Die Aussage des Ermittlers zur ersten Befragung des Angeklagten und die darauffolgende Begutachtung seiner Facebook-Profilbilder war langwierig und für Prozessbeobachter wenig erhellend. Welche Bedeutung K.s Facebook-Fotos für den Tatvorwurf haben, blieb unklar.

Erste Vernehmung und Auswertung von K.s Facebook-Profilfotos

12 Uhr: Nächster Zeuge ist ein Kriminalhauptkommissar aus Freiburg, der Hussein K. als Beschuldigten vernommen und seine sozialen Kontakte und Netzwerke ausgewertet hat. Zunächst beschreibt der Ermittler, wie sein Kontakt mit K. nach dessen Festnahme gewesen sei. Hussein K. sei durch Beamte des Postens in Littenweiler zur Vernehmung mit einem Dolmetscher auf die Dienststelle gebracht worden; die Vernehmung habe in einem Video-Verhörzimmer stattgefunden.

Zunächst habe man versucht, K.s rechtlichen Vormund Frau Z. zu erreichen, diese sei jedoch nicht erreichbar gewesen. Zu Beginn der Vernehmung, nach der Belehrung, sei K. verwirrt gewesen, ob er jetzt schuld sei. Der Polizist habe ihn dann informiert, dass sie nicht die Schuld feststellen würden, aber dass er auf Grund seines Aussehens und der Tatsache, dass er zur Tatzeit in Tatortnähe gewesen sei, Beschuldigter sei.

Die Frage, ob er unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stünde, verneinte K. – Drogen habe er ein paar Mal genommen; Alkohol würde er aus religiösen Gründen nicht konsumieren. Der Polizist habe ihn nach seinen Personalien und auch nach seiner Handynummer gefragt – eine feste Telefonnummer für sein IPhone 6 habe er nicht, da er jeden Monat eine neue Prepaid-Karte kaufen würde. Schließlich sei K.s Vormund Frau Z. erreicht worden. Nach Rücksprache mit dem Justitiar des Landratsamts habe sie einer Speichelprobe zugestimmt und über den anwaltlichen Notdienst einen Anwalt kontaktiert.

Einem Kollegen habe K. während einer Rauchpause im Verhör seinen Lebenslauf geschildert. Er sei aus Afghanistan in den Iran geflohen, doch ohne Perspektive über die Balkanroute nach Deutschland gekommen. K.s Vormund Frau Z. habe die Beamten darüber informiert, dass Hussein K. ein "Uma" (unbegleiteter minderjähriger Ausländer) sei, und wie bei solchen Jugendlichen üblich durch die Kinder- und Jugendpsychiatrie betreut würde, auch medikamentös. K. habe Z. gefragt, ob die Ermittlungen Auswirkungen auf sein Asylverfahren haben werde; man habe ihm da erklärt, dass das nicht im Fall der Ermittlungen so sei, sondern nur im Falle eines Schuldspruchs.

"Ich fand das schon ungewöhnlich, dass er so ruhig geblieben ist." Ermittler zur ersten Vernehmung von Hussein K.
Rechtsanwalt Glathe sei dann gekommen und habe in einem anderen Raum mit K. gesprochen. Danach habe er keine weiteren Angaben machen wollen. "Auf mich machte er einen sehr ruhigen, fast abwesenden Eindruck", sagt der Polizist. Hussein K. habe sich alles regungslos angehört. "Ich habe da gar keine Gestik oder Mimik festgestellt." Er habe die Tatvorwürfe zur Kenntnis genommen, ohne eine Miene zu verziehen. "Er hat lediglich gefragt, ob wir denn Beweise hätten." "War das ungewöhnlich?", fragt Richterin Schenk. "Ich musste noch nie jemanden wegen Mord belehren"; sagt der Polizist. "Aber ich fand das schon ungewöhnlich, dass er so ruhig geblieben ist." K. habe kooperiert, aber eben keinerlei Reaktionen gezeigt.

Richterin Schenk liest Teile von K.s übersetzter Aussage zu Lebenslauf und Alkoholkonsum vor – wenig zusammenhängende Sätze. "Das war alles ein bisschen durcheinander", kommentiert der Polizist. "Die Verständigung mit ihm wurde komplett übersetzt?", fragt die Richterin. Das bejaht der Polizist. "Ich hatte das Gefühl, er hat viel verstanden bei den kriminaltechnischen Maßnahmen, als der Übersetzer nicht dabei war", sagt der Ermittler. Anweisungen habe er da gut befolgt, "wir mussten nichts mit Händen und Füßen mitteilen." Seine Betreuerin habe erzählt, er habe das Level A1, sei auf dem Weg zum Sprachlevel B1 und strebe eventuell den Hauptschulabschluss an. Die Richterin fragt nach, ob der Übersetzer denn gut Deutsch gesprochen habe, oder auch nur gebrochen: "Manchmal gibt es da ja auch Probleme." Es sei ein bisschen anstrengend gewesen, sagt der Ermittler.

Richterin Schenk liest noch einmal krude klingende Teile des Protokolls vor. Der Polizist erklärt die zerhackten Fragen und Aussagen damit, dass der Übersetzer den Polizisten nach der Übersetzung immer noch einmal die Fragen zusammengefasst hätte. K.s Nachfrage nach der Tat und möglichen Beweisen liest Richterin Schenk vor: "Habe gehört nach drei Tagen von meinen Kollegen in der Schule, aber haben sie Beweis?" Nebenkläger Kramer will wissen, ob der Ermittler Hussein K. nach seinem Alter gefragt habe. Das habe er nicht, sie hätten ja ein Ausweisdokument vorliegen gehabt.

Verteidiger Glathe fragt kritisch nach: "In dieser ganzen Vernehmung fällt auf, dass es ziemlich durcheinander ist." Er kritisiert, dass K. die gesamte Vernehmung über nicht verstanden habe, was es mit dem Status als "Beschuldigter" auf sich habe. Der Polizist erklärt, man habe sich bemüht, es mit Hilfe des Übersetzers zu erklären. Glathe hat auch Fragen zu den Nachfragen nach K.s Medikationen. "Als Frau Z. kam, sagte sie, dass er unter Betreuung der Kinder- und Jugendpsychiatrie stand und seit drei oder vier Wochen nichts mehr einnehme." Richterin Schenk fragt nach: "Hatten Sie den Eindruck, K. könne der Vernehmung problemlos folgen?" Der Zeuge bejaht die Frage.

Als Nächstes geht es um die Auswertung von Hussein K.s Facebook- und Instagram-Account und einem Tablet, die der Kriminalhauptkommissar im Rahmen der Ermittlungen durchgeführt hat.

Zunächst will Richterin Schenk klären, wo die Bilder des Tablets sind – der Zeuge gibt an, er habe eine Daten-DVD gebrannt. Von den 2069 Fotos seien 501 pornographisch gewesen. "Vielleicht liegt hier ein Brennfehler vor", schließt die Richterin und beauftragt den Kriminalhauptkommissar, noch einmal fünf neue DVDs mit den Daten anzufertigen. Über K.s Tablet hätten sie zudem Zugang zu etwa 60 Facebook-Chats gehabt, die der Beamte ebenfalls begutachtet hätte. "Zum Teil waren es verpasste Anrufe, aber die Chats mit Inhalt habe ich gemeinsam mit dem Übersetzer ausgewertet."

Am Richtertisch werden nun die Bilder begutachtet, auch Hussein K. geht nach vorne, begleitet von zwei Justizbeamten und wie immer während des Prozesses an den Füßen gefesselt. "Das sind die Bilder, die auf seinem Profil öffentlich einsichtig waren, als Sie sie angeschaut haben?" fragt Richterin Schenk. "Ja, das waren zehn Profilbilder und zwei Titelbilder", sagt der Polizist.

Eins der Bilder, von Anfang Oktober 2016, habe als Bildunterschrift ein Gedicht enthalten. Hussein K.s Übersetzer im Prozess, N., übersetzt: "Lieber Gott, mein Atem ist durcheinander, bring mich an den Tag meiner Geburt zurück." Auch ein Profilbild von Ende August habe ein Gedicht enthalten. "Ist das ein Gedicht oder nur ein paar philosophische Zeilen?" fragt Richterin Schenk. "Man versucht, dass die Endungen passen," sagt N.. Er übersetzt die nächste Bildunterschrift: "An der Stelle von man sein sollte oder nicht sein sollte, kein Unterschied macht, das Nichtdasein kannst Du wählen. So respektierst Du Deine Abwesenheit." Richterin Schenk kommentiert: "Es ist schwer, das zu übersetzen?" "Ja, man kann das auf verschiedene Arten übersetzen," sagt der Übersetzer.

"Wenn Sie hier als Sachverständiger übersetzen, müssen Sie das wahrheitsgemäß und unparteiisch tun." Richterin Schenk zu Dolmetscher N.
Ein anderes Bild habe eine Redensart als Bildunterschrift. "Das ist ein Satz, den man benutzt, wenn man jemanden erreichen will, den man nicht erreichen kann", erklärt der Übersetzer. Mitten in der Bildbetrachtung am Richtertisch weist Richterin Schenk den Übersetzer auf seine Pflichten als Zeuge hin: "Wenn Sie hier als Sachverständiger übersetzen, müssen Sie das wahrheitsgemäß und unparteiisch tun." Die gemeinsame Ansicht der Bilder verläuft zäh. Man bespricht Aufnahmeorte der Fotos und Hochlade-Daten. "Man kann aber nicht sehen, wann die gemacht wurden?" fragt Richterin Schenk. "Nein, das Hochladen zu Facebook verfälscht das", erklärt der Zeuge.

Es geht schließlich um das bereits mehrfach im Prozess thematisierte Bild eines Werwolfes mit einer Frau, das K. als sein Profil hochgeladen hatte. "Auf dem Tablet habe ich unter anderem den Film Underworld gefunden", sagt der Polizist. "Da geht es um einen Kampf zwischen Vampiren und Werwölfen, da kommt das Thema noch einmal vor." Richterin Schenk fragt Hussein K. direkt, ob er sich noch erinnert, wo das Bild herkommt. "Das weiß ich nicht", sagt der Angeklagte. Auch nach der Herkunft eines Bilds mit einem Wolf wird er gefragt. "Das ist ein sehr altes Bild, das habe ich im Handy meines Bruders gesehen", sagt K. Er habe das Bild noch einmal im Internet gesucht und gefunden.

"Das ist ein sehr altes Bild, das habe ich im Handy meines Bruders gesehen." Hussein K. auf die Frage nach dem Wolfsbild
Richterin Schenk kommt noch mal auf das Werwolf-Bild zu sprechen und spricht Hussein K. direkt an. "Ich hab es im Internet gefunden und es hat mir gefallen." Was ihm denn genau daran gefallen habe, will die Richterin wissen. "Ein männlicher Körper mit einem Wolfskopf, das hat mir gefallen." Er habe ein solches Bild noch nie gesehen. Richterin Schenk fragt nach, ob K. eine mythologische Bewertung des Werwolfs in der iranischen Kultur kenne. K.s Antwort hat keinen Zusammenhang zur Frage: Menschen könnten Wölfe nicht dressieren oder zähmen. Auf die Nachfrage des Staatsanwalts, ob er je ein T-Shirt mit einem Wolf besessen habe, antwortet K. erst mit Nein. Auf eine zweite Nachfrage mit: "Ich weiß nicht mehr." Richterin Schenk fragt den Angeklagten: "Hat der Wolf, nicht der Werwolf, für Sie eine besondere Bedeutung?" "Ich habe bereits geantwortet, dass man einen Wolf nicht zähmen kann", antwortet K.

Dann sagt der Polizeibeamte über einen Zettel aus, der in den Unterlagen von Hussein K. in einer Schublade in seinem Zimmer gefunden wurde. Der Zettel zeigt einen männlichen Kopf mit einem Lorbeerkranz und einen Satz, den K. wohl mehrfach verwendet hat. Übersetzer N. übersetzt: "Im Namen desjenigen, der die Liebe erfunden hat, damit der Boden der Liebe nicht in Brand gerät." "Das ist eine gebräuchliche Redensart?", fragt die Richterin. "Ich habe es nur bei Herrn K. mehrfach gelesen", sagt der Übersetzer. Ein weiterer Zettel zeige einen weinenden Mann mit Lorbeerkranz. "Welche Bedeutung hat das für Sie, Herr K.?" fragt die Richterin. "Dazu habe ich keine Antwort." Auch auf die Nachfrage nach einer Zeichnung von einem Totenkopf hat er keine Antwort.

Ein weiterer Zettel hat griechische Worte, aber ist in Dari geschrieben. "Was haben Sie da geschrieben?" "Es ist über die Straftat in Griechenland", sagt K. Mehr will er nicht sagen. Es geht dann um einen Zettel aus einem Ledermäppchen bei K., den Übersetzer N. übersetzt hat. "Das sei eine Art Lebenslauf", sagt der Polizist. "Eine Lebensgeschichte mit Afghanistan- und Iran-Bezug." Ein solches Dokument sei bei Geflüchteten nicht unüblich und werde möglicherweise genutzt, um nicht wahrheitsgemäße Lebensgeschichten zu erinnern.

"Ob da tatsächlich gesprochen wurde, kann man nicht sagen." Ermittler über Anrufe zwischen Hussein K. und seinem Mitbewohner in der Tatnacht
Der Inhalt des knapp formulierten Dokuments wird vom Ermittler wiedergegeben und dann von Richterin Schenk im Wortlaut vorgelesen: K.s Vater sei als Märtyrer gestorben, K. als Kind zur Koranschule geschickt worden. Dort habe er auch an der Waffe ausgebildet werden sollen, was seine Mutter nicht gewollt habe. Daraufhin sei er in den Iran zu seinem Bruder geschickt worden, dort habe er zehn Monate in einer Gießerei gearbeitet. Im September sei er nach Europa aufgebrochen und nach Deutschland geflohen.

Staatsanwalt Berger hat eine Frage an den Zeugen zu Chats und SMS zwischen Hussein K. und seinem Mitbewohner in der Tatnacht. Das Handy des Mitbewohners hatte der Polizist im Rahmen der Ermittlungen ebenfalls ausgewertet, nachdem Kriminaltechniker die Daten des Handys ihm über ein Programm zur Verfügung gestellt hätten. Die Auswertung habe ergeben, dass Hussein K. am 15. Oktober 2016 um Mitternacht herum vier Mal seinen Mitbewohner angerufen habe, der Mitbewohner habe K. ebenfalls in der Nacht mehrfach angerufen, auch um kurz nach 3 Uhr habe es zwei kurze Anrufversuche von vier und 23 Sekunden gegeben. "Ob da tatsächlich gesprochen wurde, kann man nicht sagen", erklärt der Polizist. Der Mitbewohner erhielt zudem zwischen Mitternacht und 1 Uhr mehrere SMS über die verpassten Anrufe von Hussein K.

Staatsanwalt Berger verweist im Gespräch mit Richterin Schenk noch einmal auf einen SMS-Verkehr in der Tatnacht zwischen dem Angeklagten und seinem Mitbewohner, kurz vor dem angenommenen Tatzeitpunkt. Die SMS seien auf beiden Geräten gelöscht worden.

Diese Spur müsse noch einmal thematisiert werden. Zudem weist er Richterin Schenk darauf hin, dass der Zettel in Dari und Griechisch-Kauderwelsch noch einmal übersetzt werden müsse. Schenk stimmt ihm zu.

Rechtsmedizinerin sagt über Untersuchung von Hussein K. aus

10.30 Uhr: Nächste Zeugin ist die Rechtsmedizinerin Dr. Dorothee Geisenberger aus Freiburg. Die 32-Jährige hat den Angeklagten Hussein K. nach seiner Festnahme am 3. Dezember vergangenen Jahres auf Anordnung der Staatsanwaltschaft rechtsmedizinisch untersucht. Hussein K. ist nach seinen eigenen Angaben 1,81 Meter groß, 82 Kilogramm schwer. Sie beschreibt, dass K. mehrere Tattoos an seinem Körper habe, darunter eines mit ungewöhnlichen Narben, die möglicherweise darauf hindeuten, dass er vor einigen Monaten versucht habe, es zu entfernen.

Außerdem habe er verschiedene Narben an seinem Körper, bei denen sie aber keinen Zusammenhang zur Tat annähme. Drei Narben an der rechten Hand und dem rechten Unterarm des Angeklagten hätten jedoch in ihrem Abheilungszustand zu einer Entstehung zum Tatzeitpunkt, rund sechs Wochen vor der Untersuchung, gepasst. Diese könnten möglicherweise durch "einen spitzen, dornenartigen Gegenstand" verursacht worden sein, meint die Sachverständige.

"Oberflächliche Schürfwunden können durchaus innerhalb von zwei Wochen abheilen, ohne Spuren zu hinterlassen. " Rechtsmedizinerin Dr. Dorothee Geissenberger
"Sie haben ihn in ihren Angaben als wach und kooperativ beschrieben", fragt die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk nach. "War das außergewöhnlich?" "Das schreibe ich häufig", sagt die Gutachterin. "Denn oft sind das zu Untersuchende nicht." Hinweise auf Drogenkonsum oder -entzug habe sie nicht festgestellt.

Staatsanwalt Berger fragt nach: "Wir hatten Zeugen, die auf Verletzungen am Oberkörper von Herrn K. nach der Tat hingewiesen haben. Ist das möglich?" "Oberflächliche Schürfwunden können durchaus innerhalb von zwei Wochen abheilen, ohne Spuren zu hinterlassen", sagt die Rechtsmedizinerin.

Gerichtsmedizinerin sagt über Fund von Maria L.s Leiche aus

9.30 Uhr: Der 14. Prozesstag beginnt mit der Aussage der Gerichtsmedizinerin Dr. Rebecca Pircher. Die 34-Jährige ist Fachärztin für Rechtsmedizin am Institut für Rechtsmedizin der Uni Freiburg. Die Ärztin hat die erste Untersuchung, die sogenannte "Inaugenscheinnahme" der Leiche von Maria L. am Tattag zwischen 11 Uhr und 11.45 Uhr am Tatort durchgeführt. Sie beschreibt, wie die Leiche der jungen Frau in der Dreisam lag, halbbekleidet und mit dem Gesicht im Wasser. Pircher liest ihre Aussage ab, beschreibt detailliert in der genauen Sprache der Gerichtsmediziner, wie die Kriminalbeamten am Tatort Beweisstücke sicherten, darunter Kleidung und Tasche. Pircher beschreibt die Verletzungen von Maria L.: Hinweise auf Ertrinken, auf Strangulation ("einen kompromittierenden Halsangriff"), Hämatome am Oberkörper und Anzeichen auf eine Sexualstraftat.

Die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk hat eine Nachfrage zur Feststellung des Todeszeitpunkts: Die Gerichtsmedizinerin erklärt, dass sich durch das Befinden der Leiche in einem Fließgewässer Körpertemperatur und Leichenstarre anders entwickelt hätten als an Land, doch dass ihre Messergebnisse den durch die polizeilichen Ermittlungen angenommenen Tatzeitpunkt einschließen würden.
Der 14. Verhandlungstag

Im Prozess gegen Hussein K. hat die Kammer für den 14. Verhandlungstag zwei Rechtsmediziner eingeladen. Anschließend soll noch ein Kriminalbeamter aussagen, der den Angeklagten als Beschuldigten vernommen hatte. Der Kriminalbeamte hatte den Fall anhand von Erkenntnissen ausgewertet, die er in sozialen Netzwerke gewann.

Der letzte Verhandlungstag liegt bereits zwei Wochen zurück und brachte kaum neue Erkenntnisse. Der Zeuge, der vernommen wurde, ein afghanischer Zellengenosse von Hussein K., berief sich nämlich immer wieder auf Erinnerungslücken. Aufmerksamkeit erhielt er für seine Aussage, dass Hussein K. eigentlich Iraner sei – und nicht Afghane. Wie viel diese Aussage wert ist, blieb jedoch offen.

Hussein K. wird vorgeworfen, im Oktober 2016 die 19-jährige Maria L. an der Dreisam attackiert, vergewaltigt und ermordet zu haben. Er hat die Tat bereits zu Beginn des Prozess gestanden.


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