Ergebnisse der Alkohol-Umfrage: Fünf Halbe pro Abend

Lisa Bannert

"Wie häufig trinken Sie Alkohol, wenn Sie abends in der Innenstadt unterwegs sind?" Diese und 14 weitere Fragen wurden 308 Jugendliche in der Nacht auf den 1. Mai in der Freiburger Innenstadt gestellt. Wissen wollten das 23 geschulte Interviewer, die im Auftrag der Stadt auf Freiburgs Straßen unterwegs waren. Es war bundesweit die erste Umfrage dieser Art. Gestern wurden die Ergebnisse vorgestellt.



Jugendliche in Freiburg trinken beim Ausgehen zu viel Alkohol. Zu diesem Schluß kam gestern Dr. Michael Berner von der Universitätsklinik für Psychiatrie, als der Arbeitskreis Suchthilfe Freiburg gestern die Ergebnisse der Streettalk-Umfrage aus der Nacht auf den ersten Mai vorstellte.


308 Personen im Alter von 15 bis 65 wurden an diesem Abend in der Innenstadt und im Bermudadreieck befragt. Rund 93% der Befragten trinken manchmal, häufig oder immer Alkohol wenn sie abends weggehen. Dabei ist die  konsumierte Alkoholmenge hoch: 137g im Durchschnitt, das entspricht etwa 5 halben Bier. Männer trinken mehr als Frauen, Jüngere mehr als Ältere. Den meisten Alkohol konsumieren junge Männer zwischen 15 und 20 Jahren. Auch der Bildungsstand beeinflusst den Alkoholkonsum: weniger Bildung - mehr Alkohol.

Zum Ausgehritual Jugendlicher gehört das Vorglühen, also das Trinken von Alkohol Zuhause, bevor es in die Stadt geht. Rund 50 Prozent der Befragten trinken vor dem Ausgehen,  bei den 15- bis 17-jährigen sind es sogar zwei Drittel. Die Gruppe der „Vorglüher“ ist dann auch die, welche insgesamt deutlich mehr Alkohol trinkt, als die übrigen Befragten. Somit ist, nach Ansicht des Arbeitskreis Suchthilfe Freiburg erwiesen, dass das eigentliche Problem in den eigenen vier Wänden beginnt und in der Innenstadt nur noch der Tropfen dazu kommt, der das "Faß zum Überlaufen" bringt.

Auf die Frage, „Warum trinken Sie Alkohol?“ antworteten die meisten Befragten mit "Spaß".  Und wie weit geht dieser Spaß? Jeder fünfte Befragte war im vergangenen Jahr mindestens ein Mal zu betrunken, um laufen zu können.

Alkohol und Spaß ist die eine Sache. Alkohol und Gewalt eine andere. 29 Prozent der Männer waren im vergangenen Jahr in mindestens eine Schlägerei verwickelt. Bei 90 Prozent aller Schlägereien war Alkohol im Spiel. Bei den "Schlägern" war der Alkoholkonsum auch allgemein deutlich höher. Überraschend: Nur bei der Hälfte der Schlägereien kam die Polizei dazu.



Als besonders alarmierend bewertet der Arbeitskreis das Ergebnis der Fragen zum Suchtverhalten (Beispiel: "Ich habe mir überlegt wie ich meinen Alkoholkonsum reduzieren könnte"). Wenn eine dieser vier Fragen mit Ja beantworten wurde, bestehe eine mögliche Abhängigkeitserkrankung. Die Hälfte der Befragten bejahten mindestens eine Frage, bei den 15-17 Jährigen waren es sogar 68%.

Die Interviewer berichteten, dass sie bei der Durchführung der Umfrage auf eine große Bereitschaft bei den Jugendlichen gestoßen seien, an der Umfrage teilzunehmen. Es sei spürbar gewesen, dass die Jugendlichen über das Thema sprechen wollten, und selbst Handlungsbedarf empfinden würden. Das zeigt sich auch in den Aussagen der Befragten zum Alkoholverbot: nur ein Drittel der Befragten forderten dessen Abschaffung.

Die Schlußverfolgerung des Arbeitskreis aus all diesen Zahlen: zu viele Jugendliche besaufen sich; Freiburg braucht eine kommunale Alkoholpolitik.

Und sein Konzept für eine solche kommunale Alkohol- und Gewaltpräventionspolitik stellte der Arbeitskreis gleich vor. Es beruht vor allem auf Prävention, Aufklärung, Information, Mitmachaktionen und mehr Präsenz in der Innenstadt durch professionelle und geschulte Ehrenamtliche. Zudem sei ein runder Tisch nötig an dem sich Menschen aus allen betroffenen Bereichen, wie Politik, Gastronomie, Polizei, Verwaltung und Schule, zusammen setzten.

Ob das Konzept, welches rund 5 500 Euro im Monaten kosten soll, umgesetzt wird, liegt jetzt an der Stadt.

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