Erdmännchen auf dem Mundenhof haben Junge

Simone Höhl

Die Erdmännchen auf dem Freiburger Mundenhof haben Junge. Der ganze Clan umsorgt und bewacht die beiden Babys. Kein Wunder: Es ist der erste Nachwuchs nach sieben Jahren - und vielen überraschenden Wendungen.



Tierische Freude auf dem Freiburger Mundenhof: Die Erdmännchen haben zum ersten Mal nach sieben Jahren wieder Nachwuchs bekommen. Die beiden Jungen sind quietschfidel und neugierig, meldet das städtische Tiergehege im Westen der Stadt. Und die Tierpfleger atmen nach "monatelangem Teambildung mit überraschenden Wendungen" auf, weiß Toni Klein. Der Stadtsprecher erklärt, dass alle Tiere der Art "Suricata suricatta" auf Deutsch Erdmännchen heißen, auch die Weibchen – "ein Detail, das banal anmutet, in diesem Fall aber von Bedeutung ist".


Im Mundenhof war der Erdmännchen-Nachwuchs seit Jahren ausgeblieben. "Die alte First Lady war nicht mehr zeugungsfähig, aber nicht gewillt, den Thron abzugeben", erklärt Klein. Bei den kleinen Raubtieren darf sich evolutionsbedingt nur das Alpha-Weibchen fortpflanzen. Das verhindert Inzucht und unkontrollierte Vermehrung.

Nachdem die Erdmännchen-Chefin vor drei Jahren gestorben war, haben ihre beiden Töchter die Rangfolge erstaunlich friedlich geklärt. Es gab keinen Krach – aber auch keinen Nachwuchs. Die Mundenhof-Mitarbeiter diskutierten viele mögliche Ursachen, als wahrscheinlichste galt Klein zufolge eine natürliche Inzuchtsperre.

Tierpfleger parfümieren Erdmännchen

Deshalb nahm der Mundenhof gerne ein Angebot aus Kaiserslautern an: ein junges Männchen, das die Pfälzer Gruppe verstoßen hatte. Die Freiburger hofften, dass der Neuzugang den alternden Männchen auf dem Mundenhof auf die Sprünge helfen würde, und wollten ihn in die Gruppe integrieren. "Da Erdmännchen fremdenfeindlich sind, war dies ein aufwendiges Unterfangen", meint Klein.

Das Mundenhof-Team hat zu allen Tricks gegriffen und so viel verändert, dass dem Freiburger Erdmännchenclan die Ankunft des Neuen schon gar nicht mehr auffallen und er auf eine spontane Abwehrreaktion verzichten sollte. Sie haben das Gehege umgestaltet. Und sie haben das neue Männchen shampooniert und parfümiert.

"Erdmännchen markieren ihr Revier und machen sehr viel über Geruch", sagt Obertierpfleger Matthias Hiltmann. Und wenn eines nach einem anderen Clan riecht, wird es weggebissen. Also sollte der Stallgeruch vor der Zusammenführung übertüncht werden. "Wir haben wirklich so ein Parfüm genommen", sagt Hiltmann.

Der natürliche Erdmännchen-Duftstoff, der mit einem Sekret aus Drüsen strömt, sei sehr intensiv. "Da muss man auch was Intensives nehmen." Das Tier sei sei zwar erst verwirrt, weil es den Eigengeruch nicht mehr wahrnehme, aber es wird nicht angegriffen, erklärt der Cheftierpfleger. Der künstliche Geruch verfliege dann recht schnell, und das Tier nehme den neuen Stallgeruch an – voilà.

Männchen? Weibchen? Hauptsache Kinder!

Aber dann stellte sich heraus, dass das neue Männchen ein Weibchen ist. Die Verwechslung ist keine Schande, weil Männchen und Weibchen nicht nur alle Erdmännchen heißen, sondern ohne nähere Untersuchung auch alle gleich aussehen, wie Toni Klein ergänzt. Er meint: "Männchen? Weibchen? Hauptsache Kinder!"

Zwar kam das neue Erdmännchen in die Gruppe, aber Querelen gab’s doch und zwar monatelang. Die Tierpfleger waren wieder gefordert. Sie versuchten die Beziehungen zwischen Neuling und den einzelnen Mitgliedern der Gruppe zu stärken. Das gelang schließlich, die Tiere beruhigten sich und lebten friedlich zusammen. Und jetzt stellte sich auch der Nachwuchs ein – wenn auch ganz anders als gedacht: "Mit dem Pfälzer Erdmännchen als neuer First Lady", sagt Klein. Sie ist offensichtlich inzwischen zum Alpha-Weibchen geworden.

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[Foto: Thomas Kunz]