Erasmusstudenten über Deutschlandklischees

Meike Riebau

Bier, Freikörperkultur und Mülltrennung - über Deutsche und Deutschland gibt es Unmengen an Klischees. Fudder ist der Sache nachgegangen und hat ein paar internationale Studenten nach ihrem Deutschlandbild befragt. Ergebnis: Der fränkische Dialekt ist der schönste, und deutsche Klofrauen sind eine komische Sache.





Emma Aberg, 25, BWL, Schweden:

"In Deutschland essen die Menschen immer Eis, egal, wie kalt es ist. Ich habe ganz am Anfang hier einen Mann auf dem Fahrrad gesehen, der zitternd ein Eis gegessen hat, da dachte ich, das wäre ein einzelner, etwas merkwürdiger Mensch. Aber mittlerweile habe ich schon ganz viele Leute gesehen, die bei Minusgraden Eis essen.

Außerdem finde ich es komisch, dass man hier im Supermarkt zwei Meter Platz hat, um seine Waren auf das Band zu legen, und hinterher nur ganz wenig Platz und Zeit, um sie einzupacken. Am meisten vermisse ich hier Mikrowellen. Die haben wir in Schweden nämlich auch in der Uni. Das Mensaessen finde ich nämlich nicht so lecker. In meiner Uni in Stockholm dagegen haben wir einen Raum voller Mikrowellen, da kann jeder selbst sein Essen warmmachen. Viel besser als Mensa.
Ansonsten gefällt mir alles richtig gut hier, ich finde es richtig schön, auf mich wirkt alles so exotisch hier. Und es ist toll, dass man einfach so in die Schweiz und Frankreich fahren kann, für mich sind all diese Länder ja sonst viel weiter weg. Deutsche lerne ich hauptsächlich in meiner WG kennen, ich wohne mit zwei deutschen Studentinnen zusammen. Am liebsten esse ich hier das Steak von meiner Mitbewohnerin Angela. Mir ist übrigens aufgefallen, dass Deutsche viel im Gehen essen, das finde ich nicht gut – man sollte sich doch hinsetzen beim Essen."



Ann O'Connor, 21, Germanistik, Michigan, USA:

Ich vermisse Kaffee. Und zwar guten Kaffee in der richtigen Größe. Am Anfang habe ich hier immer drei Tassen hintereinander trinken müssen, um das richtige Koffein-Level zu erreichen.
Außerdem finde ich sehr lustig, dass Deutsche immer Taschentücher dabei haben. Ich habe, glaube ich, noch niemanden getroffen, der keine dabei hat. Es ist übrigens sehr merkwürdig, dass auf öffentlichen Toiletten eine Klofrau sitzt, die man bezahlen soll. Vor allem, weil das Wasser meistens auch noch kalt ist. Unangenehm finde ich, dass sich die Menschen in der Straßenbahn anstoßen und nicht entschuldigen. Bei mir zuhause sind sie zwar überfreundlich, wenn man in ein Gesächft geht, und lassen dich fast gar nicht mehr in Ruhe, aber hier sind sie dafür zu unfreundlich. Irgendwas in der Mitte wäre gut. 
Mülltrennung finde ich super, bei mir zuhause trennen meine Eltern zwar auch, aber es ist ein riesiger Aufwand."

   



Alexander Buchner, 21, Germanistik, Washington, D.C.:

"Ich finde Alemannisch immer noch total komisch. Während meiner Schulzeit war ich ein Jahr in Norddeutschland, und mir gefällt es besser, wie die da oben sprechen. Aber mein Lieblingsdialekt ist das Fränkische. Leider verstehe ich da nicht alles. Ein Teil meiner Familie kommt aus Nürnberg, und wenn wir alle am Tisch zusammen sitzen, verstehe ich kaum etwas. Ich habe hier sogar einen Kurs über deutsche Dialekte belegt. Außerdem mag ich so richtig deutsches Essen, Knödel, Spätzle und Pfannkuchen. Obwohl ich andererseits mexikanisches Essen vermisse, das gibt es bei uns an jeder Ecke, und hier schmeckt es ganz anders. Achja, und das Brot hier im Süden finde ich nicht so lecker wie im Norden, am besten ist Graubrot.
Was mir aber auch noch aufgefallen ist, ist, wie viele Menschen hier immer tagsüber auf den Straßen rumlaufen, auch Kinder. Ich meine, was machen die alle, sollten die nicht in der Schule oder auf der Arbeit sein?
Es ist ein bisschen schwierig, Deutsche richtig kennen zu lernen, am Anfang sind sie immer total nett, aber richtige Freunde zu finden ist schwierig."



Toby Carrodus, 21, Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaften, Australien:

"Ich freue mich, endlich mal diese typisch deutschen Weihnachten mitzuerleben. Selbst in Australien schicken wir immer so kitschige Weihnachtspostkarten mit Schnee und deutschen Fachwerkhäusern, diesmal bin da, wo es auch so im wirklichen Leben aussieht. Seid ihr euch sicher, dass wir Schnee haben werden? Darauf freue ich mich auch, obwohl ich den Strand ja schon sehr vermisse, wir wohnen nämlich direkt am Strand, und feiern dann da auch immer unsere Feste, auch das Weihnachtsfest. Besonders gerne mag ich hier Gulasch. Achja, und Bier natürlich. Das ist natürlich mein Deutschland-Klischee Nr.1: Bier und natürlich Oktoberfest. Und Brot. Ich kaufe mir jede Woche eine neue Brotsorte, ich will alles noch mal ausprobieren. Mit meinen Mitbewohnern habe ich hier viel zu tun, auch zwei Kommilitonen von der Uni, mit denen ich viel mache.
Was ich immer noch nicht so ganz verstehe, ist die s.t. und c.t.-Regelung in der Uni. Warum macht man das? Die könnten doch einfach von Anfang an sagen, dass es eine Viertelstunde früher oder später anfängt. Achja, und diese FKK-Sache ist auch komisch, wir waren am Titisee, und diese ganzen älteren, nackten Menschen - ich weiß nicht...."

Pablo Rodriguez, 25, Forstwissenschaften, Spanien:


"Ich habe im Wohnheim ganz schnell ganz viele Freunde gefunden. Was mir hier besonders gefällt, ist das Ausbildungssystem. Und die Pünktlichkeit. Und überhaupt, dass alles so gut organisiert ist hier. Ich gehe eigentlich kaum in die Uni, weil ich schon fast alle Kurse in Spanien bestanden habe, und deshalb mehr zum Deutsch lernen und Spaß haben hier bin. Leider habe ich es nicht mehr zu Oktoberfest geschafft, da wollte ich unbedingt hin. Ich vermisse eigentlich kaum was hier, außer vielleicht meine Haustiere, und spanisches Essen."