ER sucht SIE: Warum Mirko per Abreißzettel eine Freundin sucht

Fabienne Hurst

Manche Geschichten liegen auf der Straße. Die von Mirko klebt an einem Laternenpfosten. Der 29-Jährige Freiburger sucht per Abreißzettel eine Beziehung. "Hallo Ihr da draußen: Er sucht Sie" steht auf dem DIN A4 Papier; am unteren Rand kann man kleine Zettelchen mit Mirkos Email-Adresse abreißen. Warum Mirko diesen ungewöhnlichen Weg geht, um sein Single-Dasein zu beenden, und welche Erfolgsaussichten Flirt-Experten ihm geben:

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Seit einem Jahr hängt Mirko (Name von fudder geändert) seine kleinen Plakate in der Stadt auf. Er stellt sich kurz vor, erklärt sein Anliegen und auch, warum er auf diese Weise eine Frau sucht – oder wenigstens „jemanden, der mich verkuppelt“.


Der Meister in einem Handwerksberuf und BWL-Student hat diesen Weg gewählt, weil es seit fünf Jahren einfach nicht klappen will mit den Frauen. Er hat es bereits per Annonce versucht und sogar im Radio bei einer Blind-Date-Aktion mitgemacht. Gemeinsam mit dem Radiomoderator hat er aus mehreren Kandidatinnen eine herausgesucht, die er dann beim Blind Date im Europa-Park näher kennenlernen konnte. „Aber es hat einfach nicht gepasst“, sagt der Freiburger und zuckt mit den Achseln. Natürlich versuche er es auch im Internet, bei einer kostenlosen Singlebörse hat er sich unter dem Pseudonym Cipy angemeldet und chattet öfters mit Frauen.

Große Hoffnungen macht er sich dabei aber nicht, schließlich sucht er jemanden aus dem Raum Freiburg. „Da sind die Zettel doch ein gutes Mittel“, findet er.  

Zum Flirten fehlen Zeit und Gelegenheit

Sich selbst beschreibt Mirko als „sportlich, attraktiv, erfolgreich“, er gehe offen auf Menschen zu und erwartet nur drei Dinge von seiner Traumfrau: „Sie soll natürlich sein und tolerant, und sie soll sich nicht mit Alkohol abschießen.“ Sein Hauptproblem sei der Zeitmangel. In seinem Beruf arbeitet er oft im Schichtdienst, manchmal bis zu 70 Stunden die Woche. Um aus dem harten Arbeitsalltag in der Produktion herauszukommen, studiert Mirko BWL im vierten Semester an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Freiburg.



Er paukt abends und samstags für seinen Abschluss. Viel Freizeit, um Frauen kennenzulernen, bleibt ihm nicht. Wo sollte das denn auch sein? Einfach so jemanden beim Schwimmen ansprechen? Oder an der Bar, so ganz klischeehaft? Mirko schüttelt den Kopf. Er geht nie in Clubs. Auf der Arbeit gebe es zu wenige Frauen, und in der Uni seien alle vergeben.

Nur im Urlaub, den Mirko meistens in Kroatien oder auf Mallorca verbringt, klappe es ganz gut mit den Bekanntschaften. „Im Urlaub sind alle irgendwie entspannter. Da kann ich auch mal jemanden aktiv ansprechen. Zurück in Deutschland verläuft sich das aber wieder im Sand.“

Flirt-Profis
finden Mirkos Idee originell, bezweifeln aber ihre Wirkung. "Klasse ist, dass er sich aktiv auf die Suche macht", sagt Single-Trainer Christian Hodermann. "Allerdings zielt er da eher auf das Mitleid einer Frau ab, die ihm helfen will. Eine Grundlage für eine Beziehung darf das eigentlich nicht sein." Aber wo kann man denn am besten Leute zum Verlieben treffen? Flirt-Expertin Nina Deißler empfiehlt bindungswilligen Singles, Orte aufzusuchen, an denen Menschen etwas gemeinsam erleben. Zum Beispiel beim Poetry Slam oder auf kleinen Clubkonzerten. Auch Schnupper- und Wochenendkurse von Tanzschulen, Yogaschulen oder der Volkshochschule seien perfekte Orte, um jemanden kennenzulernen.

Manche wollen nur Geld und schnelle Abenteuer

Letztes Jahr im Advent habe sich eine Frau auf seinen Zettel gemeldet, erzählt Mirko. Sie haben sich ein paar Wochen lang getroffen, waren essen, spazieren, tanzen, beim EHC oder im Stadion. Dann hat sie sich irgendwann nicht mehr gemeldet. „Nach circa vier Wochen weiß man, woran man ist“, sagt Mirko. „Manche haben es auch nur auf Sex oder Geld abgesehen.“

Der Dresdner Soziologe Prof. Karl Lenz forscht seit Jahren über Singles. Der Grund, warum es oft lange dauert, sein Single-Dasein zu beenden, ist für ihn die hohe Erwartungshaltung an den Idealmann oder die Idealfrau. „Beziehungsversuche scheitern oft daran, dass vom Partner erwartet wird, Lebensglück vermittelt zu bekommen. Wenn das eigene Glück nicht gelebt werden kann, gibt man die Beziehung auf“, sagt Lenz. Beziehungsangst spiele dabei keine Rolle. Die Leute fliehen nicht aus einer Beziehung, sondern sie sehnen sich danach. Manchmal zu sehr.

Mirko lässt sich nicht unterkriegen. Er will gerne eines Tages heiraten, eine Familie gründen. Dafür braucht er aber erst einmal das richtige Gegenstück. Bis dahin sucht er weiter, klebt Plakate und hofft auf die richtige Finderin.