Epo-555: Die dänische Charmeoffensive

Carolin Buchheim

Es war eins der schönsten Konzerte des letzten Jahres: Epo-555. Es war Oktober, Epo-555 waren mit ihrem ersten Album 'Dexter Fox' in die KTS gekommen, und kaum jemand konnte sich der musikgewordenen Charmeoffensiver der vier Dänen entziehen. Jetzt ist das zweite Album 'Mafia' da, Epo-555 waren schon wieder beim großen SXSW Festival in Austin, die SPEX berichtet, und Epo-555 sind endgültig im Olymp dänischer Indiebands angekommen. Am Sonntag kommen Sie endlich wieder nach Freiburg. Allerdings nicht wieder in die KTS, nein: Ins El.pi.Äußerst kurios, das alles. Warum genau die Band nicht wieder in die KTS wollte, darüber könnte ich nur spekulieren. Da man mit solchen Spekulationen meist sowieso daneben liegt, spar ich mir das einfach gleich. Warum genau als Alternative ausgerechnet das El.pi aufgetan wurde, und nicht eine der anderen Freiburger Locations, ist auch unklar. Ich persönlich war noch nie bei einem Konzert im El.pi. Gab es da schon mal Konzerte? Kann irgendwer berichten, wie das funktioniert hat?Äußerst spannend.Aber nicht nur, weil es im El.pi sonst nie Konzerte gibt, und es deswegen 'spannend' wird, sollte man am Sonntag Abend ins El.pi gehen: Epo-555 sind eine wunderbare Band, und Live herzzerreissend charming.Erstmal, wie immer, her mit den Schubladen und den Vergleichen. Epo-555 machen Pop, den man Dream-Pop nennen könnte, weil der Sound immer mindestens eine Handbreit über dem Boden schwebt. Man könnte auch Shoegazer dazu sagen, weil da auch immer eine große Spur Selbstbezogenheit und Nach-Innen-Nicht-Nach-Aussen' vorhanden ist; schliesslich war 'Dexter Fox' ein Konzeptalbum rund um eine Liebesgeschichte herum. Man könnte auch Elektro-Pop sagen, denn das Keyboard und die Synthies sind bei Epo wichtig, und einen Drumcomputer benutzen sie auch.Und womit kann man sie vergleichen? Als ein Freund von mir Epo-555 letzten Oktober zum ersten Mal sah, da sagte er, noch bevor der erste Song 'Il Presidente' fertig war, total begeistert: "Das sind die würdigen dänischen von 'My Bloody Valentine." Recht hat er. Sonic Youth fallen einem auch ein, bei Epo, und manchmal auch The Verve, wegen der Großen melodiösen Geste, dabei hört sich Epo-555 anders an, als jede einzelne dieser Bands.Der unverkennbare Epo-Sound wird von gleich mehreren Dingen definiert: Zum einen von den fragile Vocals von Frontmann Mikkel Hansen und seiner Frau Camilla Florentz, die auch das Keyboard versorgt, als auch von Mikkels Slide-Gitarre und der Kombination der live von Ebbe Frej gespielten Drums und dem schon erwähnten Drumcomputer. Der Epo-Sound ist verschroben, kompliziert und Melodie-geleitet, emotional, dunkel und tiefgründig aber trotzdem einfach sowas von gar nicht depressiv.Live wird der Epo-Sound von einer ganz anderen Sache dominiert: von der Liebenswürdigkeit der Menschen, die diese Musik machen. Klar, eigentlich geht es bei Musik nicht primär darum, wie nett die Leute sind, die sie machen, aber bei Epo-555 lässt sich beides bei Live-Auftritten einfach nicht trennen: Die Musik berührt einen, eben weil sie von so herzlichen Menschen gemacht werden. Der Epo-Sound ist untrennbar mit dem Enthusiasmus, dem Spass und den Emotionen, die diese vier Menschen an den Tag legen verbunden, und mit dem wunderbaren Dänisch-Deutsch Mix und den herrlichen Witzen von Mikkel. Man kann kaum anders, als diese Menschen, ihre Band und ihre Musik liebzugewinnen, live.Deswegen: unbedingt am Sonntag Abend ins El.pi gehen, Epo-555 angucken, und der dänischen Charmeoffensive verfallen. Es könnte wieder eins der Schönsten Konzerte des Jahres werden.

Epo-555: Website& MySpaceWas: Epo-555Wann: Sonntag, 28.05.2006, 21 UhrWo: El.pi, Freiburg