Stadtentwicklung

Entwurf von Freiburger Architekturbüro gewinnt Wettbewerb für Dietenbach

Uwe Mauch

Sechs Quartiere, zwei Parks, eine zentrale Mitte: Wie der künftige Stadtteil Dietenbach aussehen soll, hat eine 15-köpfige Jury am Freitag entschieden. OB Horn spricht von Meilenstein.

Die Jury kürte das Freiburger Büro "K 9 Architekten" zum Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs. Oberbürgermeister Martin Horn sprach von einem Meilenstein in der Stadtentwicklung. Der Entwurf, so Projektleiter Rüdiger Engel, gebe sogar die 50-Prozent-Quote für geförderten Mietwohnungsbau her. Wenn aus Sicht der Stadtverwaltung alles gut geht, könnte noch vor dem Jahr 2023 der erste Hausbau beginnen.


Vier Büros waren nach der ersten Wettbewerbsrunde ausgewählt worden, ihre Entwürfe für das 130 Hektar große Areal zwischen Rieselfeld und Zubringer Mitte sowie zwischen Mooswald und Besançonallee zu überarbeiten. Zwei intensive Tage habe die Jury aus Experten und Politikern getagt, sagte die stellvertretende Vorsitzende Christa Reicher. Die Professorin aus Aachen begleitet häufig ähnliche Großprojekte. Von diesem ist sie begeistert: "Dieser Standort und die Zentrumsnähe ermöglichen einen zukunftsfähigen Städtebau mit tollem Konzept."

Der Dietenbach wird zu einem Park

Die Freiburger Architekten haben dafür kooperiert mit den Landschaftsarchitekten "Latz + Partner" aus dem bayrischen Kranzberg, mit den Verkehrsplanern Stete aus Darmstadt, mit den Freiburger Energieplanern "Stahl + Weiß" und "Endura Kommunal". Ihr Entwurf gliedert die sechs Quartiere durch Grünzonen, die gleichzeitig über öffentliche Räume wie zum Beispiel die Freifläche einer der 19 Kitas verbunden werden. Der namengebende Dietenbach wird zu einem Park, die Käsebach-Aue soll ein "wertvoller Freiraum" mit Nord-Süd-Verbindung sein. Der Entwurf sieht eine Mischung der Wohntypologie und somit der Bewohner vor. "Und sie haben immer Grün in der Nähe", sagte Christa Reicher.

Richtung Rieselfeld ist das Schulzen trum vorgesehen mit Freiflächen und Schulgarten. Ein grüner Ringboulevard mit Tempo 30 wird im Stadtteil der Hauptverkehrsweg, an dem neun Quartiersgaragen geplant sind. Die restlichen Straßen sollen verkehrsberuhigt sein. Entlang des Zubringers und der Besançonallee sind gewerbliche Nutzung und Lärmschutzwände vorgesehen – und davor Radwege. Und vom Dreisamuferradweg soll es eine Radverbindung über eine Brücke über den Zubringer durch Dietenbachs Mitte bis zur Mundenhofstraße geben. Die Straßenbahn fährt von Rieselfeld ebenfalls durch die Mitte bis zur Endhaltestelle an der Straße "Zum Tiergehege". Ein Auto brauche man nicht, so Verkehrsplanerin Gisela Stete.

Bauliches Vorbild ist das benachbarte Rieselfeld

Die Baustruktur soll sich am benachbarten Rieselfeld orientieren. Die Dichte werde ähnlich sein wie in Vauban, sagte K9-Architekt Wolfgang Borgards. Das innovative Energiekonzept, wie die Nutzung von Abwasserwärme, betonte Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik. "Klimaneutralität ist erreichbar."

Das erfolgreiche Freiburger Büro, das weit mehr als 2000 Stunden in den Entwurf gesteckt hat und dafür ein Preisgeld und Überarbeitungshonorar von knapp 100.000 Euro erhält, wird nun einen Rahmenplan erstellen, der wiederum die Grundlage wird für den Bebauungsplan, der um die Jahreswende 2019/2020 vorliegen soll. Parallel dazu werde die Diskussion über Nutzung und Dichte geführt, sagte Baubürgermeister Martin Haag. Und darüber, wer baut und für wen gebaut werden soll. Es geht um 6000 bis 6500 Wohnungen.

Anfang Dezember sollen die siegreichen Architekten ihren Entwurf im Paulussaal vorstellen. Auf Mitte Januar ist eine öffentliche Anhörung im Bürgerhaus Seepark terminiert, zwei Wochen später eine Fachdiskussion mit Freiburger Architekten.


Chronologie

April 2012: Die Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Freien Wählern fordern die Bebauung von Rieselfeld-Nord – später heißt das Gebiet "Dietenbach".
April 2013: Ein Gutachten taxiert den Wert für die Flächen auf 15 Euro pro Quadratmeter. Die Eigentümer sind entsetzt. Sie fordern 50 Euro plus x.
Mai 2015: Das ebenfalls geprüfte Areal St. Georgen-West scheidet aus.
November 2016: Erste Traktorendemo der "Bürgerinitiative pro Landwirtschaft und Wald im Dietenbach und Regio Freiburg".
Januar 2017: Die Stadtverwaltung präsentiert ein Finanzmodell, das eine Kooperation von Sparkasse und Grundstückseigentümern vorsieht. Gezahlt werden sollen 64 Euro pro Quadratmeter.
Februar 2018: Der städtebauliche Wettbewerb ergibt vier Entwürfe, die weiter optimiert werden sollen.
24. Juli 2018: Der Gemeinderat soll die Satzung für die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme beschließen.
Oktober 2018: Der Siegerentwurf wird gekürt.
2019/20: Erste Maßnahmen, um das Baufeld freizumachen und das Gebiet zu erschließen.
2022/2023: Verabschiedung des ersten Teils des Bebauungsplans und des Flächennutzungsplans.
2024: Beginn der Bebauung.

Ausstellung der vier überarbeiteten Entwürfe für den Stadtteil Dietenbach vom 8. bis 17. Oktober im Rathaus im Stühlinger, Fehrenbachallee 12. Sie können auch unter www.freiburg.de/stadtteil-dietenbach eingesehen werden.

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