Entspanntes Schlange stehen in der Hauptpost

Friederike Günter

In ungefähr 56 Stunden ist Bescherung. Und wer sein Geschenk für einen netten Menschen nicht selber unter dessen Baum legen kann, der muß das gute Stück irgendwie dahin bringen. In Abwesenheit des Weihnachtsmanns muß das meist die Post übernehmen. Kein Wunder, dass dort dieser Tage viel los ist. Friederike und Manuel haben sich in die Schlange gestellt.

6 Minuten und 34 Sekunden. So lange müssen wir warten, bis wir drankommen. Richtig schnell für den vorvorletzten Tag vor Heiligabend. Neun Schalter sind in der Hauptpost in der Eisenbahnstraße geöffnet und noch zusätzlich ein Briefmarkenservice und ein weiterer Schnellschalter in der Eingangshalle. Die Leute in der Schlange sind erstaunlich entspannt. Eine Frau mit kinnlangen, blonden Haaren steht mit ihrem Paket unter dem Arm vor uns. „Ich war schon zweimal hier und eigentlich ist es eine blöde Idee jetzt nochmal zur Mittagszeit hier rein zu kommen“, sagt sie, aber lacht dann.


Als ein Mann an uns vorbei möchte, entschuldigt er sich schnell. Er trägt mehrere Tüten unter seinem Arm und redet mit dem Mann am Schnellschalter. „Welche Größe brauchen sie denn?“, fragt dieser den Kunden. „Ich habe ein großes Paket und zwei kleine.“ Der Mann zeigt seine vollen Tüten und der Mann hinter dem Schalter nickt fachkundig und zieht drei Kartons hervor. Der Kunde verzieht sich dann in den hinteren Bereich an einer der Stehtische und fängt an, seine Päckchen in aller Ruhe zu verpacken.

Eine dunkelhaarige Frau betritt die Post. In ihrer großen Tüte stecken gleich vier Pakete in beachtlicher Größe. Vor allem Klamotten sind da drin für die Verwandten in Russland. „Das sind alle Pakete, die ich verschicken muss.“ Eine andere Frau verschickt noch ein Paket nach Athen. „Das geht an Freunde, die ich als Rucksacktouristin kennengelernt habe. Für die Erwachsenen habe ich Kräuterschnaps, für die Kleinen ist Spielzeug dabei.“ Auch bei ihr keine Spur von Weihnachtstress, sondern gute Laune und viel Ruhe.

Die Reihe füllt sich immer wieder, aber es geht weiterhin zügig voran. Immer noch nicht das erwartete Schubsen und die prinzipiell schlechte Laune, mit der man eigentlich am letzten Dienstag vor Heiligabend rechnen würde. Am Schalter meint der freundliche ältere Herr von der Post dann, dass es heute sehr ruhig sei. „Gestern war sehr viel los. Da haben sich wohl viele am Wochenende vorbereitet und sind dann gleich am Montag hierher gekommen."

Ein junges Mädchen steht dann doch recht genervt vor der langen Schlange und schaut hektisch zwischen Schnellschalter und Schlange hin und her. „Eigentlich ist das nur eine Rücksendung“, sagt sie recht zögerlich und zieht eine Grimasse. Sie scheint in Eile zu sein. Nach ein paar weiteren Minuten Unentschlossenheit reiht sie sich dann doch noch in die Schlange mit ein.

  Die Angestellten sind weiterhin entspannt. Vor allem der Herr beim Briefmarkenstand. Auf Nachfrage zeigt bereitwillig die Weihnachtssonderbriefmarken, breitet sie in aller Ruhe aus und erklärt uns dann auch noch ohne eine Spur von Hektik, was man am Schnellschalter nebenan alles machen kann. „Am Schnellschalter können sie ihre Pakete abgeben oder die Produkte in den Regalen bezahlen. Versicherter Versand geht aber nur über den normalen Schalter.“ Während er das erzählt, steht eine ungeduldige, ältere Frau hinter uns und seufzt. Das irritiert den Briefmarkenverkäufer nicht im Geringsten und er bedient sie erst, als wir auf die Seite treten.

Beim Herausgehen stoßen wir dann noch auf die ultimative Last-Minute-Geschenkidee. Mitten in der Eingangshalle zwischen Tür, Bankautomaten und Schnellschalter steht ein Drehregal mit Gutscheinen. Ab 10 Euro ist man dabei. Und für die ganz Freigiebigen gibt es einen für 50 Euro von einem Bekleidungskaufhaus, das eigentlich 200 Meter Meter entfernt eine Filiale hat. Dort sind die Kunden aber schon seit einigen Tagen nicht mehr so entspannt wie hier in der Post, von den Angestellten ganz zu schweigen. So gesehen, könnte man hier auch gleich ganz entspannt seine restlichen Weihnachtseinkäufe erledigen.

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