Entscheidend ist, was hinten rauskommt

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, womit der Franzise Jean Pujol zur vorletzten Jahrhundertwende sehr viel Geld verdiente und unheimlich berühmt wurde? Im Paris der 1890er Jahren war er zeitweise der bestbezahlte Künstler des Moulin Rouge und machte europa- und weltweit Furore mit seinen Imitationskünsten und seinen musikalischen Interpretationen. Allerdings auf eine eher hintergründige Art.

Pujol hatte eine einzigartige Gabe: Er war in der Lage, seinen Schließmuskel (ja, genau der an der Endstation des Verdauungsweges) so zu beherrschen, dass er Luft kontrolliert einsaugen und wieder ausstoßen konnte. Mit diesen geruchlosen Fürzen erzeugte er allerlei Töne, was ihn in Paris schnell zu einem Star machte.


Der Kunstfurzer konnte mit seinem Hintern – und manchmal auch mit verstärkenden Accesoires wie einem Schlauch – Geräusche erzeugen, die verblüffend echt klangen. Er machte verschiedene Blasinstrumente nach und konnte sogar sauber klingende Melodien erzeugen. Sein größter Hit wurde aber nach 1906 die Imitation der Geräuschkulisse des großen Erdbebens von San Francisco. Mit diesen Nummern und ein paar anderen Künstlern gründete er nach seiner großen Zeit im Moulin Rouge auch noch ein eigenes Tourneetheater.

Als dann der Erste Weltkrieg ausbrach, setzte sich Jean Pujol hintenrum zur Ruhe und ging zu seinem erlernten Beruf Bäcker zurück. Nach ihm gab es sehr lange niemanden, der diese Kunstform wieder an die Öffentlichkeit brachte. Erst seit 1991 traut sich der Brite Paul Oldfield unter dem Pseudonym Mr. Methane wieder an diese komplizierte Art, Musik zu machen, heran.

Wer so etwas wirklich sehen möchte, dem sei dieses kurze Video von Mr. Methane empfohlen, das wegen Erregung gewisser Ekelgefühle nicht ohne Grund von youtube unter Jugendschutz gestellt wurde.