Endziel Totlachen: Benno Fürmann mit "Heil" zu Gast beim Freiburger Filmfest

Carolin Buchheim

Seit Donnerstag läuft Dietrich Brüggemanns Film "Heil" in den deutschen Kinos. Am Sonntagabend waren Regisseur und Schauspieler der Nazi-Satire auf dem Freiburger Filmfest zu Gast. Eine Begegnung am Rande einer Promo-Tour.

Nein. Mit der neuen Freiburger Unibibliothek kann Benno Fürmann nichts anfangen.  Der 43-Jährige sitzt am Sonntagabend auf einer Bierbank im Mensagarten und lässt den Blick seiner legendären stahlblauen Augen in Richtung des Monumentalbaus schweifen.


Fürmann und Kollegen sind zur Film-Promotion hier, aber seine Architekturkritik will der Schauspieler doch erst noch loswerden: „Das Ding kommuniziert nicht mit seiner Umgebung“, urteilt er. „Das ist ein ziemlich Berlin-mäßiger Bau, da knallt man auch gerne mal irgendwo ein Gebäude hin, das zu nichts passt.“

Regisseur Dietrich Brüggemann, schlaksig, fidel, Mütze auf dem Kopf,  pflichtet ihm bei: „Schön, aber  nicht Patina-fähig“, sagt er. „Wie ein hochmodernes Auto. Sieht im Laden geil aus, dann fährt man einmal mit 200 über die Autobahn, alles voller Fliegen – schon ist die Aura weg.“ Brüggemann lacht. Schauspieler Jerry Hoffmann, attraktiv, lausbübisch, charmant, lacht auch, aber würde doch jetzt lieber über den Film reden – dabei tun sie das schon seit Tagen.

Kinostart von „Heil“ war in der vergangenen Woche, die Besuchszahlen unverdienterweise wohl eher so lala, aber die Laune ist gut. Das Team war gemeinsam war  auf Filmfesten, in Tschechien, in Israel. „Ich war überrascht, wie universell der Film ist, die Leute haben quasi an den gleichen Stellen gelacht“, sagt Fürmann. Der Mutterwitz von zwei Neonazis sei in Jerusalem der Hit gewesen, sagt Brüggemann, weil in der jüdischen Kultur die Mutter zentral wichtig ist.  Und jetzt also Freiburg, wo irgendwer „Refugees welcome“ in rot auf eine Wand rechts der Leinwand gesprüht hat - direkt neben den Toiletten. „Gute Grundhaltung, aber: ’Willkommen auf dem Klo?’“ sagt Fürmann, lacht wieder.

Die Frage, ob man über „Heil“ und seine Sujets – verrückte Neonazis, selbstbeschäftigte Antifaler, planlose Verfassungsschützer – lachen darf, beschäftigt manches Feuilleton, aber weder Schauspieler noch Regisseur.  Brüggemanns Endziel: „Dass alle Deutschen sich totlachen und von deutschem Boden nie mehr Gefahr ausgeht.“ Und so erzählt sein Film klamaukig und hintersinnig zugleich  die Geschichte des afrodeutschen Autors Sebastian Klein (Jerry Hoffmann),  der auf Lesereise im brandenburgischen Prittwitz von Neo-Nazis niedergeschlagen und verschleppt wird – und danach nicht mehr weiß, wer er ist.



Stattdessen plappert Klein nach, was ihm Neonazi Sven Stanislawski (Benno Fürmann) eingibt. Das macht ihm zu Talkshow-Star –  und bringt Stanislawski seinem Ziel näher, in Deutschland die Macht zu ergreifen und in Polen einzumarschieren – und zwar nur aus Liebe. Gleichzeitig sucht Kleins hochschwangere Freundin ihren Liebsten – und sorgt sich mehr über dessen Ex-Freundin, als über die Neonazis, die ihrem Freund ein Hakenkreuz auf die Stirn tätowiert haben.

„Das war ein Klebetattoo“, sagt Hoffmann. „Es  hat mit Kunstblut und Modelliermasse Struktur bekommen und sah dann echt aus.“  Einmal vergaß er es. „Ich kam aus dem Maskenwagen, eine ältere Dame mit Hund kam vorbei, und ich habe sie –  als freundlicher Hamburger –  lächelnd gegrüßt. Die Frau hat mich erschrocken angesehen“, sagt Hoffmann.

Ohnehin, bei den Dreharbeiten in Brandenburg galt es, vorsichtig zu sein: „Niemand wusste, welchen Film wir wirklich drehen“, sagt Regisseur Brüggemann. Der Arbeitstitel, unter dem man sich einmietete: ’Jesus in Brandenburg’; Im Film gibt’s übrigens einen Jesus – einen Kampfhund. Alle Anekdoten zum Film haben die Beteiligten schon ein paar Mal routiniert erzählt, ist ja auch nicht schlimm.

Aber dann fällt Fürmann doch noch aus der Promo-Rolle: Er praktiziert Vipassana-Meditation und bei der Frage, ob es denn helfe, für alle Wesen – auch den von ihm gespielten Neo-Nazi Sven – Mitgefühl aufzubringen, wird er ernst. „Es ist leicht, Leute zu verurteilen, schließlich gibt eine Menge Herzlosigkeit in der Welt, das erleben wir jetzt in der Flüchtlingsdiskussion“, sagt er. „Jemand, der ein offenes Herz hat, kann die Energie für Hass und Pauschalurteile gar nicht aufbringen.“

Oh, und eine Botschaft an die Fensterputzer der UB hat Fürmann auch noch: „Nehmt euch die Kritik, die an eurem Putzen kommen wird, nicht zu Herzen. Das Ding kriegt man nicht streifenfrei.“

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Termin:

„Heil“ läuft täglich um 16.45 Uhr und 20.45 Uhr im Friedrichsbau.