Ende einer Institution: Der Penny-Markt in der Bertoldstraße macht dicht

Maria-Xenia Hardt

Wir sind geschockt: Der Penny-Markt in der Bertoldstraße schließt - und zwar schon zum 7. April. Warum? Wir wissen es noch nicht - denn heute war kein Verantwortlicher zu einer Stellungnahme bereit. Derweil schwelgen wir in Erinnerungen an Erlebnisse in Freiburgs legendärsten Supermarkt.

Er war eine Konstante im Leben von Studenten: Der Penny-Markt in der Bertoldstraße. Egal ob man nach einer Klausur Schokolade brauchte oder vor dem Unikino noch schnell ein paar Kekse, ging man zu Penny – er war ja direkt gegenüber, immer in Reichweite.


Dass die Kassen chronisch unterbesetzt waren und die Kassiererinnen langsam, dass immer irgendjemand in der Schlange sein Päckchen Kaugummi dann auch noch mit EC-Karte bezahlen musste und ein anderer 100 Milliliter Korn mit roten Münzen, das alles wurde mit stoischer Gelassenheit ertragen.

Eingequetscht zwischen Damenstümpfen im linken, kleinen Schnapsfläschchen im rechten Regal, zwischen der Föhnwelle eines Juristen und der Fahne eines Obdachlosen stand man Schlange. Ihre Gerüche vermischten sich zu einem seltsamen Gebräu aus Jägermeister, Kippen, Blue-Ocean-Aftershave und Leder.

Hatte man die Kasse dann erreicht, ohne im Atem des Schlangennachbarns selbst schon ganz betrunken zu werden und ohne verzweifelt seine Habseligkeiten zwischen den Damenstrümpfen zurückzulassen, wie der Jurastudent seine Rotweinflasche, wurde man schier überwältigt von der Schönheit und Freundlichkeit der Mitarbeiterinnen.

Vor dem Geschäft traf man dann auf den ein oder anderen Kommilitonen, auf geschockte Touristen und nach Luft ringende Großmütterchen: Der Penny war ein Schmelztigel der Kulturen.

Wer wohl jetzt die Ladenfläche gegenüber des KG II beziehen wird? Die Spekulation ist eröffnet!


Update von unseren BZ-Kollegen:
Der Kult-Penny an der Bertoldstraße schließt

"Der Mietvertrag sei ausgelaufen und der Eigentümer des Ladengeschäfts habe das Mietverhältnis nicht verlängern wollen, teilte Anne Behrendt, eine Sprecherin des Unternehmens, auf Anfrage der BZ mit.

"Wir wären gerne dort gelieben", so Behrendt. Der Standort mit einer Verkaufsfläche von 260 Quadratmetern entspreche zwar nicht mehr ganz den eigenen Standards, etwa im Bezug auf die Größe, funktioniere aber gut und habe mittlerweile ja einen gewissen Kultstatus erlangt, so Behrendt in Anspielung auf die sozial buntgemischte Kundschaft, die unter anderm Studenten, Punks, Obdachlose, Büroangestellte und Hausfrauen umfasst, die hier gerne einkaufen. Der Markt, der im Jahr 1982 eröffnet wurde, wird stark frequentiert. Durchschnittlich 2500 Kunden kaufen während des Semesters täglich in der Bertoldstraße 25 ein – rund viermal so viele wie bei vergleichbaren Märkten, teilte der damalige Leiter des Marktes vor gut einem Jahr mit.

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Anstelle des Lebensmitteldiscounters wird voraussichtlich Mitte Juni die Freiburger Filiale der Modekette Peter Hahn in der Bertoldstraße 25 einziehen. Dies bestätigte eine Sprecherin des Textilunternehmens mit Sitz im schwäbischen Winterbach auf Anfrage der BZ. Bisher ist Peter Hahn in Freiburg in der Salzstraße 7 ansässig.

Peter Hahn agiert hauptsächlich als Versandhändler und gilt in der Branche als Anbieter im gehobenen Qualitäts- und Preissegment. Im Sortiment überwiegt Damenmode aus Naturfasern."
   

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